AfD-Mitte kritisiert Gauland-Äußerungen: "Können unsere Wähler verschrecken"

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AfD-Mitte kritisiert Gauland-Äußerungen: "Können unsere Wähler verschrecken" | Florian Gaertner via Getty Images
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  • Politiker aller Parteien reagieren empört auf die Äußerungen von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland
  • Er sprach von einer "Entsorgung" der Staatsministerin Özoguz
  • Auch in der AfD gibt es Kritik an Gauland

Die umstrittenen Äußerungen von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland sorgen auch in der eigenen Partei für Kritik. Der forderte in einer Rede, die Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz der Bundesregierung "in Anatolien zu entsorgen".

Parteivorstand Dirk Driesang sagte dazu der HuffPost: "Solche Aussagen haben das Potential, unsere bürgerlichen Wähler zu verschrecken, ohne die wir ein zweistelliges Ergebnis bei der Bundestagswahl nicht erreichen können."

Zudem sei es nicht möglich, Staatsministerin Özoğuz als deutsche Staatsbürgerin auszuweisen. Abgesehen davon sei die SPD-Politikerin als Integrationsbeauftragte eine "absolute Fehlbesetzung."

"Gauland schadet der Partei"

Driesang ist Gründer des gemäßigten Parteiflügels "Alternative Mitte". Die Interessensgemeinschaft wird von Parteichefin Frauke Petry unterstützt. Das Verhältnis zwischen Petry und Gauland sowie der Spitzenkandidatin Alice Weidel wird als kompliziert beschrieben - sie sollen seit Wochen kaum mehr miteinander gesprochen haben.

Petry und ihre Unterstützer um Driesang gelten als scharfe Gegner des krawalligen Kurses, wie ihn das Spitzenduo, aber auch der thüringische Landeschef Björn Höcke fahren. Die "Alternative Mitte" versteht sich deswegen auch als Gegengewicht zu Höckes rechtem "Flügel".

"Solche Aussagen schaden der Partei"

Ähnlich wie Driesang äußerte sich AfD-Chefin Petry.

Sie übte ebenfalls Kritik an Özoğuz, monierte aber zugleich auch die Ausdrucksweise von Partei-Vize Gauland.

Sie sagte: "Aydan Özoğuz versteht sich offenbar als Abschaffungsbeauftragte der deutschen Kultur. Einer demokratischen Kultur, in der auch seltsame Meinungen ertragen, aber deren Träger keinesfalls 'entsorgt' werden."

Auch ihr Ehemann und AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell distanzierte sich von Gaulands Worten. Auf Twitter schrieb er: "Wer sich mit der deutschen Kultur nicht identifiziert, sollte nicht eingebürgert werden, deshalb wird aber kein Staatsbürger entsorgt."

Özoğuz hatte im Mai in einem Gastbeitrag für den "Tagesspiegel" die Ansicht vertreten, die "Leitkultur"-Debatte gleite oftmals ins Lächerliche ab.

"Das ist Rassismus"

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung schrieb damals: "Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar". Historisch gesehen sei die deutsche Geschichte eher von "regionalen Kulturen", von Vielfalt und von Einwanderung geprägt.

Darauf reagierte Gauland am Samstag bei einem Auftritt im Eichsfeld in Thüringen: "Das sagt eine Deutschtürkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist", rief er seinen Zuhörern zu.

"Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können". Über die Aussage vor klatschenden und vereinzelt jubelnden Zuhörern hatte zuerst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Özoğuz, die auch SPD-Vizevorsitzende ist, wollte Gaulands Wahlkampfrede nicht kommentieren.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz schrieb auf Twitter: "Die Entgleisung von Gauland gegenüber Özoğuz ist widerlich". CDU-Generalsekretär Peter Tauber erklärte: "Das nennt man Rassismus." Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Frau Özoğuz stammt aus Hamburg - insofern disqualifizieren sich diese Äußerungen von selbst."

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(ll)

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