Grünen-Chef Özdemir: AfD hält eher zu Putin als zu Deutschland

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CEM OEZDEMIR
Grünen-Chef Özdemir: AfD hält eher zu Putin als zu Deutschland | Tobias Schwarz / Reuters
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  • Grünen-Chef Özdemir hat in einem Interview über mögliche Koalitionspartner gesprochen
  • Er würde mit jeder Partei sprechen außer der AfD
  • Ihre Loyalität zu Putin sei wohl größer als die zu Deutschland

Wer wissen will, was die Grünen über Koalitionen denken, sollte das Interview mit Grünen-Chef Cem Özdemir in der "Bild am Sonntag" lesen.

Ein kurzer Überblick:

Union: Merkel ist immer noch besser als Erdogan

Özdemir kritisierte die Klimapolitik Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heftig. "Ich kann aber verstehen, wenn sie manch einem wie eine Lichtgestalt vorkommt – zwischen Erdogan, Putin, Trump.“

Als Bewerbungsschreiben wird dieses überbordende Lob im Vergleich zu diversen (Möchtegern-)Diktatoren in der Union sicher nicht wahrgenommen werden. Da wird Özdemir gegebenenfalls noch nachlegen müssen. Denn ein Nein zur Union soll es nicht sein. Das gebe es nur, wenn CSU-Chef Horst Seehofer auf einer Obergrenze im Zuzug von Flüchtlingen bestehe.

SPD: Nicht der Rede wert, aber bestimmt gern

Die SPD unter Kanzlerkandidat Martin Schulz ist die einzige, die ihr Fett im Interview nicht wegbekommt. Sie wird einfach gar nicht erwähnt.

Aus Erfahrung kann man sagen: Die SPD wäre programmatisch sicher der Wunschpartner.

Linke: Die Grünen sind ja tolerant, aber die Linken sind schon hart drauf

Özdemir sagte: "Die Linkspartei mit Sahra Wagenknecht hat beim letzten Parteitag einen Beschluss zugelassen, dass der Diktator Maduro von Venezuela ein ganz toller Typ sei. Der lässt gerade seine Leute verhungern und das Land in die Steinzeit zurückschießen."

Im Juni hatten die Linken hatten Maduro in dem Papier verteidigt. Kritiker werfen ihm vor, das Land in eine Diktatur zu führen.

Diktatoren anhimmeln, sagt Özdemir, das müsse die Linke schon alleine. Heißt: Andere Dinge könnte man schon zusammen anpacken.

FDP: Bisschen viel Kohle, die Typen

Özdemir sagte, wenn FDP-Chef Christian Lindner "seine Kohlekraftwerke feiern will, wird es auch ein sehr kurzes Gespräch" in Sachen Koalition.

Außerdem findet er Lindner ein bisschen zu nett gegenüber Putin. "Ich habe das Gefühl, als wären wir die einzigen ohne Lieblingsdiktator.“

Lindner hatte sich für eine Annäherung an Russland ausgesprochen - selbst wenn der Konflikt um die Annexion der ukrainischen Halbsinsel Krim nicht gelöst sein sollte. Kritiker halten das für einen hochgefährlichen Plan.

AfD: Sicher nicht. Eher kippen die Grünen Erdöl in ein Biotop

Über die AfD sagte Özdemir: "Die teilen nicht das Menschenbild unseres Grundgesetzes. Mit denen geht gar nichts."

Er warnte, dass Russland unter Präsident Wladmir Putin versuchen könnte, nach der Wahl in den USA auch in Deutschland die in Deutschland zu manipulieren. "Putin meint es nicht gut mit uns", sagte Özdemir. "Ich bezweifle, dass die Loyalität der AfD zu Deutschland höher ist als zu Putin. Die wollen doch am liebsten ein Putin-Regime hier. Ich habe den Eindruck, ich liebe meine Heimat mehr als diese Gestalten.“

Fazit

"Ich rede mit allen demokratischen Parteien, außer mit der AfD, aber ich rede nicht über alles", sagte Özdemir.

Das klingt nach einem weisen Entschluss. Nach einem pragmatischen. Denn zu wählerisch können die Grünen nicht sein, wenn sie eine Chance auf Regierungsbeteiligung haben wollen. In Umfragen liegen sie bei deutlich unter zehn Prozent.

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(ks)

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