"Game of Thrones": Warum die Serie jetzt so viel Fan-Kritik bekommt

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Jon Schnee (Kit Harington, Mitte) und seine "Suicide Squad"

Die HBO-Serie "Game of Thrones" ist ein Phänomen. Nicht nur, weil Woche für Woche Millionen Menschen weltweit jeder neuen Folge, jedem neuen Storyverlauf entgegenfiebern. Oder weil sie doch tatsächlich das Kunststück fertig gebracht hat, die Romanvorlage auf der Zielgeraden zu überholen. Nein, "Game of Thrones" ist auch deshalb ein Phänomen, weil es einerseits nichts von der Faszination eingebüßt hat - und andererseits mit der am kommenden Montag endenden siebten Staffel viele Fans offenbar vor die Köpfe gestoßen hat. Und so mault eine nicht kleine Gefolgschaft der Serie aktuell über Plot-Löcher so groß wie Eisdrachen oder sinniert über die Fluggeschwindigkeit von Raben... (Beim Weiterlesen gilt wie so oft: Achtung, Spoiler!)

Reisen in Plot-Geschwindigkeit

Hier können Sie sich noch einmal die sechste Staffel von "Game of Thrones" ansehen

Nun mag es der durchschnittliche Serien-Liebhaber (durchaus nachvollziehbar) für lachhaft halten, sich über die Spitzengeschwindigkeit von Raben aus Westeros zu echauffieren. Die Diskussion lässt aber auf einen größeren Kritikpunkt hindeuten, der durchaus legitim ist: Während sich die Charaktere zu Beginn der Serie teils eine ganze Staffel durch die kargen, gefährlichen Landstriche von Westeros und Umgebung quälen mussten, scheinen die Distanzen inzwischen komplett verloren gegangen zu sein.

Vor allem war dies in der vergangenen Folge "Jenseits der Mauer" zu beobachten, in der Marathon-Gendry mal eben durch die Eishölle zur Mauer flitzt, besagten Schallgeschwindigkeits-Raben losschickt und auch Daenerys gefühlt nur einen Wimpernschlag braucht, um gerade noch rechtzeitig bei Jon Schnee (Kit Harington, 30) und seiner "Suicide Squad" anzukommen. Das alles wäre nicht tragisch, hätte die Serie nicht in sechs Staffeln zuvor so meisterhaft etabliert, wie beschwerlich das Reisen für die Figuren ist.

Ja, wo gibt's denn sowas: Zu viele Highlights

Gleichzeitig geht es auch bei der Handlung im wahrsten Sinne Schlag auf Schlag. See-Schlacht hier, Burg-Belagerung da - vom epischen Drachenangriff und Kampf gegen den leibhaftigen Tod ganz zu schweigen. Doch vielen Fans geht das eben zu schnell, einige der genannten Kämpfe (etwa die Eroberung von Casterlystein oder die Zerstörung von Haus Tyrell) gingen in ihren Augen regelrecht unter.

Viele fragen sich, warum sich die Serienschöpfer mit ihren verkürzten Staffeln selbst eine derart hohe Gangart auferlegt haben. "Game of Thrones" wurde schließlich nicht trotz, sondern gerade wegen der alles andere als gehetzten Erzählweise ein weltweiter Mega-Erfolg. Seit die Serie die Vorlage überholt hat, mutmaßen einige Anhänger, arbeiten die Serienmacher die Story-Stichpunkte sklavisch ab, die ihnen George R.R. Martin (68) gegeben hat. Dies sei in der siebten Staffel überdeutlich geworden, befinden die kritischen Stimmen.

500 Meter Kraulen - in Ritterrüstung

Eigentlich ist es müßig, in einer Welt von Drachen und Untoten über die Gesetzte der Physik zu mosern. Aber einen Hauch Realismus innerhalb des Fantasy-Universums wünschen sich dann doch viele Fans. Wenn Jaime Lennister (Nikolaj Coster-Waldau, 47) nach verlorener Schlacht und in voller Ritterrüstung zuerst metertief in einem Fluss versinkt, nur um in der nächsten Folge unbeschadet und hunderte Meter abseits des Schlachtgetümmels an Land zu krabbeln, kann der Unmut durchaus nachvollzogen werden. Denn hier wurde die Logik einer nett anzusehenden Action-Szene geopfert. Kein Einzelfall in der siebten Staffel, wenn auch, um das noch einmal zu betonen, das alles Jammern auf sehr hohem Niveau bleibt. Apropos: Woher hatten die Eiszombies eigentlich die riesigen Ketten, mit denen sie den erlegten Drachen aus dem Eis gezogen haben?

Jaime Lennister muss der beste Schwimmer von Westeros sein

War die nicht mal klug?

Auch bei den Charakteren gibt es in einigen Fanlagern Grund für Ärger. Einer der größten Kritikpunkte ist dabei Aryas (Maisie Williams, 20) Verhalten gegenüber ihrer Schwester Sansa (Sophie Turner, 21). Wenn sich das ganze Gebaren des einstigen Stark-Nesthäkchens nicht als ausgeklügelter Plan gegen Kleinfinger (Aidan Gillen, 49) entpuppt, ist ihr Verhalten einfach nur dumm und kindisch, so der Vorwurf vieler enttäuschter Arya-Fans. Und auch dann wären manche Szenen, wie etwa jene, in der Arya ihre Schwester mit einem Dolch bedroht, nicht wirklich sinnvoll, um Kleinfinger zu überführen.

Und was macht eigentlich Bran (Isaac Hempstead-Wright, 18)? Anstatt sein unendliches Wissen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnvoll einzusetzen, scheint er sich seit der gesamten Staffel zurückzulehnen und nur hin und weder durch die Augen seiner Raben zu beobachten, wie weit nun die Weißen Wanderer schon gekommen sind. "Danke für nichts, Bran", hallt es aus vielen Wohnzimmern. Natürlich im selben Atemzug mit dem Ruf nach der nächsten Folge...

Warum verhält sich Arya Stark (Maisie Williams, r.) so seltsam?

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