Bislang unbekannter Fall sorgt für neuen Ärger: Deutscher Pilger sitzt seit Monaten im türkischen Gefängnis

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ERDOGAN
Bislang unbekannter Fall sorgt für neuen Ärger: Deutscher Pilger sitzt seit Monaten im türkischen Gefängnis | Murad Sezer / Reuters
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  • Der Deutsche David B. soll seit fünf Monaten in einem türkischen Gefängnis sitzen
  • Er befand sich auf einer Pilgerreise von Schwerin nach Jerusalem
  • Die türkischen Behörden schweigen bislang darüber, was sie B. konkret vorwerfen

Deniz Yücel, Mesale Tolu, Peter Steudtner - viel wurde schon geschrieben über die bekannten Deutschen, die in türkischen Gefängnissen sitzen. Jetzt sorgt der Fall eines weiteren deutschen Staatsbürgers, der seit fünf Monaten in der Türkei inhaftiert ist, für Aufruhr. Und für di­plo­ma­ti­schen Ärger zwi­schen Ber­lin und An­ka­ra. Wie die Zeitung "Bild am Sonntag" aus Di­plo­ma­ten­krei­sen er­fuhr, handelt es sich bei dem Inhaftierten um David B. aus Schwe­rin.

Der 55-Jährige soll schon im April – also vor knapp fünf Mo­na­ten – von den tür­ki­schen Si­cher­heits­be­hör­den fest­ge­nom­men worden sein. B. soll auf Pilgerreise von Schwerin nach Jerusalem gewesen sein. Sein erster Stopp sei, wie die "Bild" schreibt, Auschwitz gewesen. B.s Großeltern sollen Gefangene des Konzentrationslagers gewesen sein. Der Pilger verbrachte das vergangene Weihnachtsfest dort.

Doch das eigentliche Ziel von B.s Reise sei gewesen, dass er auf Minderheiten und Verfolgte aufmerksam machen wolle, wie seine Freunde erzählen.

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Behörden schweigen über die konkreten Vorwürfe

Anschließend reiste der Pilger in die Türkei. Zunächst nach Istanbul, wo er bei einer kurdischen Familie geschlafen habe, dann in den Süden des Landes.

Dort wurde offenbar die Polizei das erste Mal auf B. aufmerksam. Die glaubte ihm wohl nicht, dass er als Pilger unterwegs sei und sperrte die Sim-Karte seines Handys. Eigentlich habe B. von der Türkei aus ein Schiff nach Israel nehmen wollen, wobei unklar ist, wie genau die Route des Pilgers verlaufen sollte. Sie könnte durch Kurdengebiet oder Sperrgebiete an der syrischen Grenze geführt haben.

Irgendwann vor seiner Überfahrt nach Israel wurde B. von der türkischen Polizei aufgegriffen und inhaftiert.

"Das Aus­wär­ti­ge Amt und die Bot­schaft in ­Ankara be­treu­en den Be­trof­fe­nen kon­su­la­risch und sind in engem Kon­takt mit den zu­stän­di­gen tür­ki­schen Stel­len“, be­stä­tig­te eine Spre­che­rin der "Bild am Sonntag". Was B. konkret vorgeworfen wird, ist unklar.

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(lm)

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