"Der Präsident denkt, die Franzosen sind dumm": Macron empört mit einer Rede über seine Reformen

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BUCHAREST
"Der Präsident denkt, die Franzosen sind dumm": Macron spricht über seine Reformen und sorgt für einen Skandal | Inquam Photos / Reuters
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  • Frankreichs Präsident Macron hat in einer Rede erklärt, Frankreich sei nicht reformierbar
  • Gewerkschaften überschütten ihn deshalb mit Kritik

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht vor seiner wohl größten Herausforderung: das Land wirtschaftlich zu reformieren. Derzeit bespricht seine Regierung zusammen mit den Gewerkschaften das Gesetz zur Lockerung der Arbeitsrechte. Ein Meilenstein für Macron.

Schon sein Vorgänger François Hollande war mit einer Deregulierung des Arbeitsrechts gescheitert. Nach massiven Protesten der Gewerkschaften entschärfte Hollande seine umstrittene Reform.

Nun ist also Macron am Zug. Mit Blick auf die Staatskasse und die hohe Jugendarbeitslosigkeit hat Frankreich wirtschaftliche Reformen bitter nötig.

In einer Rede in Bukarest am Donnerstag sprach der französische Polit-Shootingstar über die Versuche seiner Vorgänger, Frankreich zu reformieren. Es wurde eine Rede, die ihm viel Kritik einbrachte.

"Die Franzosen hassen Reformen"

"Frankreich ist kein Land, dass sich reformieren lässt", sagte Macron. "Viel ist versucht worden, nichts ist gelungen - weil die Franzosen Reformen hassen ."

Er fügte hinzu, dass die Franzosen sich nicht mit Zahlen zu einer Reform motivieren ließen. Vielmehr müsse Frankreich von Grund auf transformiert werden. Damit das Land seine Bestimmung findet und Europa mit einem neuen Projekt voranzutreiben kann. "Das ist ein Kampf, der die Franzosen träumen lässt", sagte der Präsident.

Die Welt stehe vor einer Explosion, "in der autoritäre Regime zum Vorschein kommen, wo das, was jahrzehntelang das westliche Lager war, dabei ist, zu zerbrechen, wo der Zweifel Raum gewinnt".

Macrons Fazit in der Rede: "Frankreich findet nur dann zu sich selber, wenn es Kämpfe führt, die größer sind als das Land selbst."

Doch hängen blieb für viele Franzosen nur, dass Macron in ihren Augen abschätzig über das Land und seine Bewohner gesprochen hatte, als er Frankreich für schwer reformierbar erklärte.

"Ich verstehe nicht, wie man das sagen kann"

Der Gewerkschafter Jean-Claude Mailly sagte etwa am Freitag dem Rundfunksender France Info: "Ich verstehe nicht, wie man sagen kann, Frankreich sei nicht reformierbar." Es habe doch viele Reformen gegeben.

Über das aktuelle Reformvorhaben der Macron-Regierung wollte Mailly nicht urteilen. "Nächste Woche werden wir die Ergebnisse der Diskussionen über das Arbeitsgesetz sehen."

Seit dieser Woche gewährt die Regierung den Gewerkschaften vorab einen Einblick in den Gesetzentwurf. Der Öffentlichkeit soll das komplette Programm erst am 31. August vorgestellt und bereits Ende September per Verordnung durchs Parlament gebracht werden.

Die Reform soll es Unternehmen unter anderen erlauben, flexibler mit Arbeiternehmern über Gehalt und Arbeitszeit zu verhandeln.

Macron halte die Franzosen wohl für dumm

Wütend reagierte Philippe Martinez, Generalsekretär der Gewerkschaft CGT, auf Macrons Aussage. Es sei nicht das erste Mal, dass der französische Präsident die Franzosen für "Dumme" halte.

"Das soll heißen, die Franzosen, wenn man ihnen eine Reform vorschlägt, sind zu dumm, um sie zu verstehen", schimpfte Martinez im Gespräch mit dem französischen Sender BFM TV. Er fügte hinzu: "Die Franzosen erteilen den schlechten Reformen eine Absage."

Für den 12. September rief die Gewerkschaft CGT bereits zu einem breit angelegten Aktionstag gegen die geplante Reform von Macron auf.

Die hitzige Debatte zeigt: Für den jungen Präsidenten Macron hat nun, nach etwas mehr als hundert Tagen im Amt, die heiße Phase begonnen.

Mehr zum Thema: Der französische Präsident Macron ist angeschlagen - sein Scheitern hätte dramatische Folgen für Europa

Mit Material der dpa.

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(ks)

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