Erdogan-Anhänger verteidigt die Türkei bei "Illner", aber eine Anwältin lässt ihn auflaufen

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ILLNER
Ein Erdogan-Anhänger verteidigt die Türkei bei "Illner" - doch Seyran Ates lässt ihn auflaufen | ZDF/Screenshot
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  • Der Zoff zwischen der Türkei und Deutschland beherrscht derzeit viele Politikdebatten
  • Der Konflikt war auch das Thema bei "Maybrit Illner"
  • Dort diskutieren ein Erdogan-Anhängerin und eine -Kritikerin über den Zustand der Türkei

Die Wogen zwischen der Türkei und Deutschland schlagen wieder hoch. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich in den Bundestagswahlkampf eingemischt und und deutsche Politiker beschimpft.

Vier Wochen vor der Wahl stritten sich in der Talkshow von Maybrit Illner die Rechtsanwältin und Gründerin einer liberalen Moschee, Seyran Ates, und Sabahattin Cakiral, Generalsekretär des Bündnisses für Innovation und Gerechtigkeit (BIG). Aus Sicht der Kleinstpartei aus Köln sei "Erdogans Einmischung kein Wunder", denn "deutsche Politiker haben das auch schon beim Referendum getan", sagte Cakiral.

Deshalb kann Cakiral die Kritik zahlreicher deutscher Politiker bis hin zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht nachvollziehen. "Mir ist der ganze Kontext nicht geheuer", sagte er.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erwecke den Eindruck, in der Türkei würden "Leute auf der Straße mit einem Kescher in ein Auto gezerrt, nur weil sie in der Nähe eines Gülen-Anhängers waren", sagte Cakiral.

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Cakiral: Deutschland fehlt es an Verständnis für den Türkei-Putsch

Ates widersprach Cakiral energisch: "Man muss nur einen Handwerker bei sich beschäftigen, der Gülen-Anhänger ist, um inhaftiert zu werden", sagte sie.

Cakiral ließ dies nicht gelten. Ihm fehle es in Deutschland "sehr, sehr stark" an Empathie und Verständnis für das, was in der Türkei am 15. Juli 2016 passiert ist.

Ates schüttelte den Kopf. Sie betonte, es sei "eine Erzählung, dass behauptet wird, dass wir den Putschversuch nicht mit aller vehemenz ablehnen würden. Niemand verharmlost diesen fürchterlich Putschversuch und den Tod von 250 Menschen." Sowohl sie selbst als auch niemand aus der Politik in Deutschland habe das je getan.

Doch genau solch ein Anschein werde in der Türkei geweckt, das sei "Diffamierung", betonte Ates.

Ates: "Die türkische Justiz existiert nicht mehr!"

Zwar gibt die Rechtsanwältin Cakiral recht, dass der 15. Juli ein wichtiges Ereignis war. Aber was passierte, war "ein Freischein, um noch mehr Menschen zu inhaftieren."

Der BIG-Politiker versuchte zu kontern, "wenn Sie das so darstellen, die türkische Justiz …". Weiter kam er nicht. Ates fiel ihm ins Wort und vollendete den Satz: "Die türkische Justiz existiert nicht mehr! Die existiert einfach nicht mehr!"

"Sie können einfach nicht mehr von einer türkischen rechtsstaatlichen Justiz sprechen", warf Ates dem Erdogan-Anhänger vor.

Der kam in Ates' weiterer Argumentationskette - "hanebüchene Anklageschriften", fehlende Verteidigung, hunderte entlassene Richter und diffamierte Rechtsanwälte- gar nicht mehr zu Wort.

Punktsieg für Ates.


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(sk)

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