Demenz: Forscher haben ein frühes Anzeichen dafür entdeckt - es wird vor allem nachts sichtbar

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DEMENZ
Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Schlaf und Demenz entdeckt. | iStock
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  • Schlechter Schlaf wirkt sich auf die Gesundheit des Gehirns aus, das ist bekannt
  • Forscher vermuten schon länger, dass sich die Schlafqualität auch auf die Entwicklung von Alzheimer auswirkt
  • Neue Studien untermauern nun den Zusammenhang zwischen Schlaf und Demenz

Guter Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Gesundheit, das ist längst kein Geheimnis mehr. Wer schlecht schläft, kann krank werden und wer krank ist, schläft oft schlecht.

Menschen etwa, die an Demenz leiden, klagen häufig über Schlaflosigkeit, wandern nachts umher und sind tagsüber müde. Schlafstörungen können also ein Anzeichen für eine Krankheit sein - aber sind sie vielleicht auch Auslöser?

Demenz ist eine der häufigsten Krankheiten weltweit

Dieser Zusammenhang wird in der Wissenschaft schon längere Zeit diskutiert und aktuell beschäftigen sich einige Forscher noch eingehender damit. Ihre Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Schlaf und Demenz miteinander in Verbindung stehen.

Demenz ist eine Nervenkrankheit. Die Nervenzellen der Erkrankten schwinden nach und nach. Ursache dafür sind sogenannten Plaques, Eiweißablagerungen im Gehirn, die die Verbindungen der Nervenzellen zerstören. Deshalb sterben sie ab. Typische Symptome sind Vergesslichkeit und Orientierungslosigkeit.

Schlechter Schlaf lässt schädliche Proteine ansteigen

Eine Studie der Stanford University und der Washington Medical School hat herausgefunden, dass sogar nur eine einzige Nacht mit schlechtem Schlaf die Anzahl bestimmter Plaques - amyloid beta zum Beispiel - im Gehirn erhöht. Das berichtet die britische Zeitung "The Telegraph".

Die Bildung dieser Ablagerungen geschieht unbemerkt und löst erst später die Symptome aus. Ebenso steigt die Konzentration von Tau, einem weiteren Protein, das mit der Krankheit in Verbindung steht.

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Credit: Getty

Die Ergebnisse der Forscher deuten darauf hin, dass schlechter Schlaf Auswirkungen auf die Entwicklung von Demenz haben kann - wenn sich das Level wieder normalisiert.

“Wir haben gezeigt, dass schlechter Schlaf mit höheren Leveln an Proteinen zusammenhängt, die mit Alzheimer in Verbindung stehen”, sagte David Holtzman, Leiter der neurologischen Abteilung der Washington Medical School. "Wir denken, dass chronischer schlechter Schlaf im mittleren Alter das Risiko erhöhen könnte, später an Alzheimer zu erkranken."

Ablagerungen zerstören Gehirnzellen

Es ist aber noch schwer zu sagen, ob der schlechte Schlaf aus der Veranlagung für die Krankheit heraus entsteht oder ob der schlechte Schlaf Auslöser für die Krankheit sein könnte, wie Laura Phipps von Alzheimer's Research in Großbritannien gegenüber dem "Telegraph" erklärte.

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Forscher der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore kamen zu einem ähnlichen Ergebnis.

In einer Studie untersuchten die Wissenschaftler 101 Probanden über 60 über einen Zeitraum von sechs Jahren. Währenddessen dokumentierten die Teilnehmer die Qualität ihres Schlafs. Auch hier bestätigte sich: Menschen, die schlechter schliefen, hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken - durch den Anstieg bestimmter Proteine.

Schlaf ist eine Entgiftung fürs Gehirn

Schon 2013 hatten Forscher der englischen Universität Rochester einen Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf und der Gesundheit des Gehirns festgestellt.

Denn Schlaf befreit das Gehirn gewissermaßen von Schadstoffen. Giftige Stoffwechselprodukte können aus dem Gehirn geleitet werden, da Schlaf den sogenannten interstitiellen Raum zwischen den Nervenzellen erweitert. Geschieht dies nicht, lagern sich die giftigen Stoffe ab.

Dazu passt auch eine Studie von kanadischen Forschern, die in diesem Jahr beim "Canadian Neuroscience Meeting" in Montreal vorgestellt wurde.

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Traumphase beeinflusst das Demenz-Risiko

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Störungen in der REM-Phase des Schlafes Anzeichen für ein höheres Alzheimer-Risiko sind.

Die REM-Phase (Rapid Eye Movement, also schnelle Augenbewegungen) ist die fünfte Phase des Schlafes, in der Bewegungen der Augen auftreten, Körpertemperatur, Blutdruck und Puls steigen und die Atmung schneller wird. In dieser Phase findet auch meist der Traumschlaf statt. Die REM-Phase macht etwa 25 Prozent des Schlafes aus.

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Die Anzeichen für Alzheimer können laut der kanadischen Studie schon 15 Jahre vor Ausbruch der Krankheit auftreten. Die Störung zeichnet sich demnach zum Beispiel durch heftige Bewegungen während der Traumphase aus.

Eine aktuelle Studie, die im Fachmagazin “Neurology” erschienen ist, zeigt ebenfalls, dass die REM-Phase in Verbindung mit der Entwicklung von Alzheimer steht.

Die Forscher untersuchten 321 Studienteilnehmer über mehrere Jahre. Ihr Durchschnittsalter betrug 61 Jahre. Sie fanden heraus, dass Menschen, die weniger REM-Schlaf oder Traumphasenschlaf bekommen, ein wesentlich höheres Risiko haben, zu erkranken.

Gründe für Zusammenhang noch nicht gefunden

32 Probanden entwickelten im Laufe der Stufe Alzheimer, 24 davon hatten eine existierende Veranlagung. Es waren die mit einer kurzen REM-Phase.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Das Risiko zu erkranken ist höher, wenn die Teilnehmer länger als die normalen 90 Minuten brauchten, um die REM-Phase zu erreichen oder sich weniger als 20 Prozent des Schlafes in der Traumphase befanden.

Über die Gründe können die Forscher aber noch keine belastbare Aussage machen. Das soll nun der nächste Schritt ihrer Studienarbeit sein.

“Wenn die Rolle des Schlafs in der Entwicklung von Demenz geklärt ist, gibt es die Hoffnung, dass Methoden zur Intervention identifiziert werden können, die es möglich machen, die Krankheit herauszuzögern oder sogar zu verhindern", schreibt der an der Studie beteiligte Forscher Matthew P. Pase in einer Pressemitteilung.

Demenz ist eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten. In Deutschland leiden etwa 1,6 Millionen Menschen an Alzheimer, der häufigsten Form der Krankheit. Jeder Zweite hat zudem Angst davor, daran zu erkranken, wie eine Umfrage des Forsa-Instituts zeigt.

Wie ihr besser schlaft

Genaue Erkenntnisse dazu, inwiefern die REM-Phase beeinflusst werden kann, stehen in der Forschung noch aus. Guter Schlaf kann aber auf jeden Fall nicht schaden, wie auch Arianna Huffington in ihrem Buch “Sleep Revolution” schreibt.

Denn: Ruhiger und ausreichender Schlaf reduziert das Stresslevel und stärkt das Immunsystem und auch die mentale Gesundheit.

Ärzte empfehlen in der Regel sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht. Wichtig ist es dabei, eine Regelmäßigkeit zu entwickeln. Routine verbessert den Schlaf.

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Außerdem solltet ihr elektronische Geräte so weit wie möglich aus eurem Schlafzimmer verbannen, Lichtquellen vermeiden und auf eine nicht zu hohe Zimmertemperatur achten. Auch eine ausgewogene Ernährung und eine Balance zwischen körperlicher und geistiger Auslastung können positive Auswirkungen auf das Schlafverhalten haben.

Bei Schlafproblemen können auch Meditation oder eine Dusche vor dem Zubettgehen helfen , um Geist und Körper zu entspannen.

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(lk)

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