Interne E-Mails zeigen, mit welchen Methoden die Hetzseite "Breitbart" die US-Politik manipuliert

Veröffentlicht: Aktualisiert:
STEVE BANNON
Interne E-Mails zeigen, mit welchen Methoden die Hetzseite "Breitbart" die US-Politik manipuliert | Jonathan Ernst / Reuters
Drucken
  • Dem Hetzportal "Breitbart News" ist eine folgenschwere Panne unterlaufen
  • Ein Hacker hat sich als Steve Bannon ausgegeben - und so vertrauliche Informationen erhalten
  • Die E-Mails zeigen: Das Newsportal will die US-Regierung gezielt unterwandern

Steve Bannon war einer der wichtigsten Berater von US-Präsident Donald Trump - bis er vor knapp einer Woche dem Personalkarussell im Weißen Haus zum Opfer fiel.

Und die Personalie lässt die politischen Beobachter in den USA bis jetzt nicht los. Denn Bannon hatte nur einen Tag nach seiner Entlassung angekündigt, zur ultrarechten Nachrichtenplattform “Breitbart News” zurückzukehren. Vor seinem Posten in Trumps Wahlkampfteam war Bannon jahrelang Chef der radikalen Plattform und galt als deren strategisches Mastermind.

Bannon machte "Breitbart" unter seiner Leitung zum Sprachrohr der rechtsradikalen Alt-Right-Bewegung - und zur Anlaufstelle für Gruppen, die später Trump ins Weiße Haus wählen sollten.

Nun sind interne E-Mails aus der "Breitbart"-Redaktion aufgetaucht, die ein neues Licht auf die künftige Rolle von Steve Bannon und “Breitbart” in der US-Politik werfen.

Der Hintergrund:

Mit einem falschen E-Mail-Account gab sich ein Hacker, der bisher nur unter seinem Twitter-Namen @SINON_REBORN bekannt ist, als Steve Bannon aus und fĂĽhrte so die Chefredaktion des Newsportals hinters Licht.

Der Hacker ist kein Unbekannter

@SINON_REBORN ist dabei kein Unbekannter: Mit einer ähnlichen Aktion hatte er bereits vor einigen Wochen für Furore gesorgt.

Damals führte er zahlreiche Mitarbeiter des Weißen Hauses an der Nase herum, indem er sich - ebenfalls mithilfe eines gefälschten E-Mail-Accounts - als Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ausgab.

Seine Ausbeute: vertrauliche Informationen, private Telefonnummern und allerlei unschöne Beleidigungen.

Nun ging also auch "Breitbart"-Chefredakteur Alex Marlow dem Hacker auf den Leim und verriet brisante Interna. Blöd nur, dass der wahre Empfänger die heiklen Nachrichten wenig später auf Twitter veröffentlichte.

Der interne E-Mail-Verlauf offenbart die perfiden Methoden, mit denen die rechte Plattform "Breitbart News" die Ă–ffentlichkeit manipuliert und die amerikanische Regierung strategisch unterwandern will.

Oberstes Ziel der Kampagne: Ivanka Trump und Jared Kushner

Zum Ziel Nummer Eins erklärt Marlow dabei keine Geringere als Ivanka Trump und ihren Ehemann Jared Kushner.

Wenn die beiden “halbwegs normal” seien, werde man sie bis zum Ende des Jahres aus dem Weißen Haus bekommen, sagte Marlow auf die Nachfrage des Hackers. Ein am selben Tag veröffentlichter Artikel auf "Breitbart", der Ivanka Trump als Drahtzieherin hinter Bannons Rausschmiss ausgibt, habe vor allem das Ziel verfolgt, sie zu “erschrecken”.

Gezielte Hetzkampagnen sollen die Trump-Tochter unter Druck setzen. “Ich werde sehen, was sich da machen lässt. Ich weiß noch nicht genau, wo ihre Motivation liegt”, poltert Marlow weiter.

Bannon soll zur Galionsfigur fĂĽr Nationalismus werden

Zudem will er den im Weißen Haus verschmähten Bannon mithilfe strategischer Meldungen auf dem "Breitbart"-Portal zur Galionsfigur stilisieren - für Nationalismus und Protektionismus und damit letztlich zum wahren Kämpfer für Trumps Wahlversprechen.

Der Präsident selbst habe in seiner Regierung nämlich schon lange mit beunruhigenden Globalisierungstendenzen zu kämpfen - und müsse deshalb um seine politische Linie fürchten.

Tatsächlich meint Marlow damit moderate Kräfte innerhalb der republikanischen Partei und der Regierung, die versuchen, Trump im Zaum zu halten.

Dazu zählt etwa der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, oder auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater H.R. McMaster. Den ehemaligen General kritisierte "Breitbart" zuletzt heftig - weil McMaster versuchte, Trump davon zu überzeugen, die US-Truppen nicht aus Afghanistan abzuziehen.

Diesen Figuren will "Breitbart" Bannon gegenĂĽberstellen.

“Ich habe heute fünf Artikel über die Übernahme der Globalisierungsbefürworter geschrieben. Alle stellen dich als einzige Person dar, die das noch verhindern kann”, schreibt Marlow dem vermeintlichen Bannon.

In einem ergänzenden Absatz wird er noch deutlicher:

“Lass deine Stellvertreter die Drecksarbeit machen. Boyle, Raheem, ich und Tony haben auf so etwas nur gewartet”, schlägt er vor und meint damit Matthew Boyle, "Breitbart"-Redakteur in Washington, den Chefredakteur der Londoner Ausgabe, Raheem Kassam, und den Reporter Tony Lee.

Der falsche Steve Bannon gab sich offensiv - trotzdem enttarnte ihn niemand

Manipulation, gezielte Hetze und öffentliche Diffamierung: So deutlich offenbarte "Breitbart News" seine Methoden bisher wohl noch nicht.

Verwunderlich bleibt dennoch, dass niemand auf den falschen Bannon aufmerksam wurde. Denn der ging alles andere als subtil vor.

“Hatte gerade ein nettes Gespräch mit Alex. Er hat mir von seinen Plänen erzählt und erklärt, wie er mich zu seinem geheimen Puppenspieler machen will”, schrieb er beispielsweise einem weiteren "Breitbart"-Redakteur in Anspielung auf Marlows Aussagen.

Statt seinen Kollegen auf die angebliche Unterhaltung anzusprechen, antwortete Pollack jedoch naiv: "Super. Habe versucht anzurufen. Vermute, du hast eine neue Nummer. Erreichen kannst du mich unter 847-XYZ-XXXX. Jederzeit."

➨ Mehr zum Thema: Virtueller Lynchmob: Wie die rechte Nachrichtenseite "Breitbart" Trump-Kritiker bedroht

Mehr ĂĽber Donald Trumps Kampf um die USA:
➨ Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird
➨ Trump profitiert von der starken US-Wirtschaft - doch diese 6 Fakten sollten dem US-Präsidenten Sorge bereiten
➨ Trump ist eine Zumutung. Aber was nach ihm kommen könnte, wäre noch schlimmer
➨ Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen
➨ Sonderermittler Robert Mueller: 5 Dinge, die ihr über den Mann wissen solltet, der Donald Trump zu Fall bringen könnte

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen