Wie AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel in einem Interview mit falschen Fakten Angst schürt

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ALICE WEIDEL
Wie AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel in einem Interview mit falschen Fakten Angst schürt | Joachim Herrmann / Reuters
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  • AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel greift in einem Interview mit der "Jungen Freiheit" auf falsche Fakten zurück
  • Erst durch die Flüchtlingskrise sei Gruppenvergewaltigung als eigene Rubrik in Statistiken eingeflossen, behauptet sie
  • Dabei ist dieses Delikt nicht neu - mindestens seit den 80ern werden solche Fälle vom BKA ausgewiesen

Für AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel ist es ein Fakt von vielen, der belegen soll, wie viel unsicherer Deutschland durch Flüchtlinge geworden ist.

Der Wochenzeitung "Junge Freiheit" sagte sie in einem Interview, das am Freitag erscheint:

Das Delikt Gruppenvergewaltigungen – stellen Sie sich vor, das gab es bis vor kurzem als eigene Rubrik noch gar nicht. Doch "dank" eines Anstiegs um 130 Prozent innerhalb der Tätergruppe Asylbewerber in nur einem Jahr ist sie nun offenbar nötig.

So weit ist es also schon gekommen in Merkels Deutschland, will Weidel damit sagen.

Einziges Problem: Es stimmt nicht. Weidel stellt einen Zusammenhang her, den es so nicht gibt. Gruppenvergewaltigungen sind nicht erst durch die Flüchtlingskrise zu einem ernsten Problem geworden und unter besonderer polizeilicher Beobachtung.

"Diese Delikte werden seit den 80er Jahren in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ausgewiesen", teilt das Bundeskriminalamt (BKA) auf HuffPost-Anfrage mit. Schon lange vor der Flüchtlingskrise wurden hunderte solcher Fälle dokumentiert. Nicht "erst seit Kurzem", wie Weidel falsch behauptet.

Woher die 130 Prozent kommen, kann sich das BKA auch nicht erklären. Sie gehen weder aus der Polizeilichen Kriminalstatistik noch aus anderen polizeilichen Berichten hervor. Wir hätten von Weidel gerne erfahren, worauf sie ihre Aussagen stützt, aber die AfD-Politikerin wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Gezielte Manipulation der Öffentlichkeit

Richtig ist zwar, dass die Zahl der Übergriffe und auch der tatverdächtigen Asylbewerber 2016 stark gestiegen ist, was das BKA vor allem mit den Kölner Silversterübergriffen erklärt.

Dennoch sind Asylbewerber bei Gruppenvergewaltigungen bei weitem nicht die einzige Tätergruppen, wie Weidels Ausführungen vermuten lassen. Das BKA zählt 135 Asylbewerber als tatverdächtig, verzeichnet wurden 2016 aber weit über 700 Fälle.

Jeder Dritte sorgt sich um Fake-News im Bundestagswahlkampf

Es ist ein Beispiel von vielen, wie Parteien und Politiker im Bundestagswahlkampf die Öffentlichkeit durch Fehlinformationen und Falschmeldungen gezielt manipulieren. Jeder Dritte macht sich laut dem Umfrageinstitut Forschergruppe Wahlen bereits Sorgen, dass sogenannte Fake-News die Wahl beeinflussen könnten.

Zu solchen Meldungen gehört etwa ein Beitrag der Jungen Union Bayern, der Schulz das Zitat in den Mund legte, Linksextremismus sei ein "aufgebauschtes Problem".

Ebenso die Behauptung, dass Ralf Stegners Kinder bei den G20-Krawallen mitgemischt hätten. Oder, dass der Vater des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz ein KZ-Aufseher gewesen sein soll.

Stimmenfang mit Falschnachrichten

Die AfD mischt bei Fake-News an vorderster Front mit. Sie teilt wie keine andere Partei mit Aussicht auf den Bundestagseinzug Falschnachrichten und verdreht oder erfindet Zitate und Fakten, um Stimmungen in den sozialen Netzwerken zu erzeugen.

Ob eine Reisewarnung für Schweden, ein erfundenes Maas-Zitat oder falsche Fakten zu den Übergriffen in Schorndorf: All diese Meldungen werden hundertfach geteilt und in rechten Kreisen verbreitet.

So sollen Fake-News zu Wählerstimmen werden.

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(ll)

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