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23/08/2017 21:12 CEST | Aktualisiert 24/08/2017 07:59 CEST

Studie: So weltoffen und tolerant sind die Deutschen

Ina Fassbender / Reuters
Studie: So weltoffen und tolerant sind die Deutschen

  • Laut einer repräsentativen Umfrage sind für einen Großteil der Deutschen auch Flüchtlinge Teil der Gesellschaft

  • Eine kleine Gruppe sieht das laut der Studie jedoch entschieden anders

Vor zwei Jahren hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) entschieden, die Grenzen nicht zu schließen - und Flüchtlinge aufzunehmen. Über kein Thema wurde wohl leidenschaftlicher und heftiger gestritten als über den Umgang der Bundesregierung mit der Flüchtlingskrise.

In einer aktuellen Umfrage zeigt sich nun: Eine übergroße Mehrheit der Deutschen ist nach wie vor weltoffen, tolerant und liberal.

Anzeichen für eine massive Verunsicherung oder Spaltung der Gesellschaft gebe es nicht - trotz der teils großen Wahlerfolge der AfD, trotz mehrerer islamistischer Terroranschläge.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die das Bonner Infas-Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Wochenzeitung "Die Zeit"erstellt hat.

Flüchtlinge gehören zum "Wir" dazu

Die Autoren der Studie fragten, wer zum kollektiven "Wir" in Deutschland dazugehöre. 71 Prozent der Befragten sagten, auch "Flüchtlinge" zählten zum "Wir" dazu.

Für 82 Prozent der Befragten gehörten "Menschen anderer Religionen dazu". Ebenso "Homosexuelle" (80 Prozent), "Menschen mit einem ganz anderen Lebensstil" (73 Prozent), "Ausländer/Migranten" (72 Prozent).

Dieser Befund deckt sich mit anderen Aussagen, die Infas für die "Zeit" erhoben hat.

Hohe Zustimmung für "kosmopolitischen Liberalismus"

So waren zwei Drittel der Befragten, 66 Prozent, der Auffassung, es sei "wichtig, sozial Benachteiligten und gesellschaftlichen Randgruppen zu helfen".

52 Prozent stimmten der These zu, "ohne Freihandel und internationale Zusammenarbeit gibt es keinen Wohlstand und Frieden" – eine Position, die von Rechtspopulisten in aller Welt heftig bestritten wird.

Und ebenso viele der Interviewten, wiederum 52 Prozent, sagten, "man sollte immer auch Meinungen tolerieren, denen man eigentlich nicht zustimmen kann".

Menno Smid, Geschäftsführer von Infas, sieht in diesen Befunden eine hohe "Zustimmung zu Aussagen des kosmopolitischen Liberalismus".

AfD-Anhänger sehen das anders

Allerdings gibt es auch eine relativ klar umrissene Gruppe von Deutschen, die das Gegenteil vertritt. Auf die Frage, ob Flüchtlinge zum "Wir“ in Deutschland dazugehören, sagen 80 Prozent der AfD-Anhänger "Nein".

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob "Ausländer/Migranten" dazu gehören: 75 Prozent der AfD-Anhänger sagen hier "Nein". Deutlich weniger ablehnend stehen AfD-Anhänger interessanterweise einer anderen Gruppe gegenüber: Lediglich 36 Prozent von ihnen sagen, "Menschen anderer Religion" gehörten nicht zum "Wir".

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(sk)