Eigentlich dreht sich das Interview um Weltpolitik - doch auf eine Frage reagiert Merkel überraschend emotional

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MERKEL
Kanzlerin Merkel. | dpa
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  • Eineinhalb Stunden interviewte "Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart Kanzlerin Merkel zu weltpolitischen Themen
  • Emotional wird die Kanzlerin aber ausgerechnet bei einem Thema, das auch viele Deutsche bewegt

Es war eines dieser typischen Merkel-Interviews. Sachlich, schnörkellos, mitunter ein wenig spröde - so gibt sie sich seit Jahren in Gesprächen mit Journalisten. So auch auf der Veranstaltung des "Handelsblatts" in Berlin.

Eineinhalb Stunden interviewte Gabor Steingart, Herausgeber der Wirtschaftszeitung, die Kanzlerin, die überwiegend über Weltpolitik sprach.

So wandte sie sich gegen eine globale Abschottungspolitik der USA unter Präsident Donald Trump.

"Ein Amerika, das sich um nichts in der Welt kümmert, sondern nur um sich selbst, wird kein großes und kein großartiges Amerika sein", sagte die Kanzlerin.

Zugleich mahnte sie eine besser abgestimmte europäische Außenpolitik an.

Merkel blieb in ihrer Rolle als nüchterne, abgeklärte Kanzlerin - bis das Thema Dieselskandal zur Sprache kam.

Zu den Schummeleien der Autohersteller bei den Abgastests sagte sie: "Darüber bin ich sauer". Das Vorgehen von Volkswagen und Daimler habe bei ihr Misstrauen erweckt.

Dass Lücken in den Abgastests so schamlos ausgenützt würden, habe sie nicht erwartet.

So ähnlich äußerte sich die Kanzlerin auch in einem Interview mit der "Bild".

Dem "Handelsblatt" erklärte sie zudem, warum sie das Thema so aufregt. In dem Bereich kenne sie sich schließlich gut aus - nicht zuletzt, weil sie vier Jahre im Kabinett Kohl Umweltministerin gewesen sei.

"Emotionaler Höhepunkt"

"Deshalb habe ich mir diesen emotionalen Höhepunkt geleistet", erklärte sich Merkel. "Damit ist es aber jetzt auch gut. Nun kommen wieder zurück zur Sachlichkeit."

Außerdem sei sie nicht lebenslang sauer: "Es passieren Dinge, durch die ich wieder Vertrauen gewinnen kann", sagte Merkel.

So forderte sie die Autoindustrie etwa auf, die Fehler nicht zu wiederholen. "Ich wünsche mir eine Automobilindustrie, die selbstbewusst ihre Fehler benennt und bereit ist, sich den alternativen Antriebstechnologien zu stellen. Mit aller Kraft und allem Mut."

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