SPD-Chef Schulz attackiert Erdogan: "Sprache eines Wirtshaus-Schlägers"

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"Sprache eines Wirtshaus-Schlägers": SPD-Chef Schulz attackiert Erdogan | dpa
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  • Für SPD-Chef Martin Schulz hat der türkische Präsident Erdogan jedes Maß verloren
  • Schulz warf ihm vor, sich der gleichen Sprache zu bedienen wie "Wirtshaus-Schläger"

SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan werden wohl kaum noch beste Freunde. Und das ist noch positiv ausgedrückt.

Denn nach der von Ankara erwirkten Festnahme des deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli und Erdogans persönlichen Attacken auf Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Schulz das türkische Staatsoberhaupt erneut scharf kritisiert.

Dieser habe jedes Maß verloren. "Herr Erdogan benutzt die Sprache eines Wirtshaus-Schlägers, aber nicht die Sprache eines Staatsoberhauptes", sagte Schulz dem Bonner "General-Anzeiger".

Schulz verbittet sich Einmischung der Türkei in Innenpolitik

Schon zuvor hatte Schulz Erdogan aufgefordert, sich nicht mehr in die deutsche Innenpolitik einzumischen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf "Telefonterror" gegen Gabriels Ehefrau und einen Brandanschlag auf die Autos der SPD-Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefering. Sie ist unter anderem Vorsitzende der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe.

Ein inzwischen von der Polizei ermittelter Anrufer hatte Drohungen auf den Anrufbeantworter der Zahnarztpraxis von Gabriels Frau gesprochen. Gabriel hatte das auf seinen harten Kurs gegen die Türkei zurückgeführt. Über den Hintergrund der Anschläge auf Michelle Müntefering dagegen ist noch nichts öffentlich bekannt.

"Wir wissen noch nicht, wer die Brandstifter waren", sagte der SPD-Kanzlerkandidat. "Aber natürlich sehen wir, dass wir in einer Situation leben, wo eine aufgeheizte Atmosphäre auch eventuell zu solchen Dingen führt." Die Frau Gabriels sei "ganz klar von Telefonterror überzogen" worden.

"Der Vorgang ist sehr, sehr ernst zu nehmen", sagte Schulz. "In einer Situation, in der das Staatsoberhaupt eines befreundeten Landes sich in dieser Form in die Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland einmischt, fühlen sich natürlich Leute ermutigt zu solchen Aktionen."

Schulz droht mit Konsequenzen

Zuvor hatte bereits Erdogans Einmischung in den Bundestagswahlkampf für Wirbel gesorgt. Er hatte die Deutschtürken dazu aufgefordert, "weder die Christdemokraten, noch die SPD, noch die Grünen zu wählen".

Schulz verwahrte sich gegen Wahlempfehlungen Erdogans an Deutsche türkischer Herkunft. "Diese Menschen wissen sehr wohl, dass sie für sich alleine entscheiden können." Feinde der Türkei seien "Politiker, die in der Türkei die Demokratie abschaffen wollen". Feinde der Türkei seien auch "Politiker, die unbescholtene deutsche Staatsbürger in den Knast stecken": "Herr Erdogan, lassen Sie diese Leute frei. Und zwar heute und so schnell wie möglich."

So werden etwa der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel und der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner in der Türkei festgehalten.

Im Interview mit dem "General-Anzeiger" drohte Schulz mit weiteren Konsequenzen für die Türkei. "Wenn Herr Erdogan persönlich die Lage weiter verschärft, sollte die Bundesregierung Initiativen ergreifen, um die Verhandlungen zur Erweiterung des Zollunionsabkommens auszusetzen", erklärte der SPD-Chef.

(Mit Material der dpa)

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(sk)