LIFESTYLE
23/08/2017 16:52 CEST | Aktualisiert 24/08/2017 16:21 CEST

Johnson's Babypuder soll Krebs verursachen - nun wurden einer Frau 417 Millionen Dollar zugesprochen

  • Eine Krebspatientin hat Anklage gegen den Kosmetikkonzern Johnson & Johnson erhoben

  • Der Babypuder des Unternehmens verursache Eierstockkrebs, so der Vorwurf

  • Der Konzern muss nun 354 Millionen Euro an die Amerikanerin zahlen

Der amerikanische Kosmetikhersteller Johnson & Johnson genießt weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus einen guten Ruf, seine Produkte werden weltweit vertrieben.

Doch nun muss das Unternehmen, das vor allem für seine Babypflegeprodukte bekannt ist, eine Summe von 417 Millionen Dollar, umgerechnet 354 Millionen Euro, an eine Kundin zahlen.

Denn Eva Echeverra aus Los Angeles in Kalifornien ist an Eierstockkrebs erkrankt - und konnte das Gericht davon überzeugen, dass ausgerechnet ein Babypuder zur Intimpflege an ihrer Krankheit schuld ist.

"Reinster Schutz" - der möglicherweise Krebs verursacht

Die heute 63-Jährige bekam vor zehn Jahren die Diagnose Eierstockkrebs. Auch eine Operation, bei der ihr ein faustgroßer Tumor entfernt wurde, konnte sie nicht endgültig von ihrem Leiden heilen.

Mehr zum Thema: Diese versteckten Symptome von Krebs werden zu oft ignoriert

Vor einem Jahr sah Echeverria eine Dokumentation über Eierstockkrebs im Fernsehen. Darin berichteten die Betroffenen übereinstimmend, den Babypuder von Johnsons zur Intimpflege benutzt zu haben.

Der Puder verspricht laut Etikett “reinsten Schutz”, gerade auch für die ganz Kleinen. Auch Echeverria benutzte, seit sie elf Jahre alt war, den talkhaltigen Puder im Intimbereich.

johnson1

Sie reichte Klage ein - um, wie ihr Anwalt Robinson sagte, ein Exempel zu statuieren. "Sie sagte mir: Ich mache das nicht für mich selber", sagte Robinson der ""New York Times".

“Sie weiß, dass sie sterben wird. Sie tut es für die anderen Frauen. Sie möchte etwas Gutes tun, bevor sie stirbt."

2017-06-20-1497957385-7066081-HuffPost1.png

Erste Worte, erstes Durchschlafen - und der erste Kita-Platz: All das ist Thema in unserer Eltern-Gruppe bei Facebook. Meldet euch hier an.

Keine eindeutigen Studienergebnisse

Echeverrias Vorwurf an Johnson & Johnson: Der Kosmetikhersteller habe sein Produkt nicht mit entsprechenden Warnhinweisen gekennzeichnet und seine Verbraucher über potenzielle Krebsrisiken aufgeklärt.

Dabei weisen mehrere Studien darauf hin, dass Inhaltsstoffe des Talkpuders Eierstockkrebs hervorrufen könnte. Wie das American Cancer Institute berichtet, ist die Forschungslage hier jedoch noch nicht so gut, dass sich endgültige Aussagen treffen lassen.

Mehr zum Thema: Sie dachte erst, sie sein schwanger - jetzt warnt sie vor einem oft übersehenen Symptom von Krebs

"Es wurde nahegelegt, dass Talkpuder Eierstockkrebs verursachen könnte, wenn Puderpartikel (die im Genitalbereich aufgetragen werden oder auf Hygienetücher oder Kondome) durch die Vagina, den Uterus und die Eileiter in die Eierstöcke wandern", schreibt das Institut auf seiner Homepage.

Allerdings habe sich bisher keine eindeutige Faktenlage ergeben, weshalb weitere Untersuchungen angestellt werden.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png

Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Mehr als 4500 Frauen klagen gegen den Konzern

Doch mehr als 4500 Frauen, die allein in den USA Klage gegen Johnson & Johnson eingereicht haben, sind sich sicher: Der Babypuder ist Schuld an ihrem Eierstockkrebs.

Bereits im Mai Mai sprach ein Gericht im Bundesstaat Missouri einer seit 2012 erkrankten Frau aus Virginia eine Summe von 110,5 Millionen US-Dollar zu.

Eva Echeverrias Erfolg dürfte nun vielen weiteren Frauen Mut machen. Ihr Anwalt sagte gegenüber der "L.A. Times": “Wir sind den Richtern für ihr Urteil sehr dankbar und freuen uns über Eva Echeverrias Erfolg, obwohl der Konzern die Wahrheit so viele Jahre totgeschwiegen hat."

Johnson & Johnson jedoch ist sich zumindest nach Außen hin keiner Schuld bewusst. Am Montag sagte ein Sprecher des Unternehmens in einer offiziellen Stellungnahme: "Wir werden das heutige Urteil anfechten, weil wir der Wissenschaft verschrieben sind. Diese garantiert die Unbedenklichkeit von 'Johnson's Baby-Puder'."

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lk)