"Relax and have a Chai-Latte": Politiker machen sich über die Hipster-Kritik von Jens Spahn lustig

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SPAHN
"Relax and have a Chai-Latte": Politiker machen sich über die Hipster-Kritik von Jens Spahn lustig | dpa / Twitter
Drucken
  • CDU-Finanzstaatssekretär Jens Spahn schimpft in einem Gastbeitrag über Hipster und Englisch sprechende Kellner
  • Politiker und Journalisten haben seine Äußerungen bissig und mit viel Ironie kommentiert

Jens Spahn mag es nicht, wenn in Restaurants Englisch gesprochen wird. Das sagte er vor Kurzem der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Der CDU-Politiker und Finanzstaatssekretär fand das Problem offenbar so dringlich, dass er dem Thema einen ausführlichen Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" gewidmet hat.

Darin hat Spahn auch einen angeblichen Übeltäter identifiziert, der für diese Unsitte, Englisch zu sprechen, mitverantwortlich sei: die Hipster.

"Völlig neue Form von Parallelgesellschaft"

Jene Figuren also, die in Berlin gerne mit Vollbärten, Jutebeuteln und skurrilen Songs von Indie-Bands im Ohr herumlaufen. Diese elitären Gesellen würden sich abschotten, schreibt Spahn - und dafür sorgen, dass im hippen Berlin oft keiner mehr Deutsch spreche.

"Die Möglichkeit, auf Englisch einen Kaffee oder ein Bier zu bestellen, ist international Standard", schreibt Spahn. Das sei praktisch und gut. "Weniger praktisch, weniger gut ist dagegen, wenn man in Berlin mancherorts krachend daran scheitert, denselben simplen Vorgang auch auf Deutsch zu bewerkstelligen."

Wie merkwürdig fremd müsse man sich dabei im eigenen Land, in der eigenen Hauptstadt fühlen. Dadurch entstehe "eine völlig neue Form der Parallelgesellschaft". Das sei nicht weltoffen, sondern provinziell.

"Entspann dich und trink Tee"

Merkwürdig finden viele Politiker und Journalisten allerdings nur Spahns Beobachtung. Denn wer sich einerseits ein weltoffenes und innovatives Berlin wünsche, müsse eben auch damit klarkommen, dass viele Menschen aus anderen Ländern Europas dorthin ziehen - und Englisch sprechen.

"Lieber Jens Spahn", schreibt daher Grünen-Politiker Cem Özdemir auf Englisch in einem ironischen Tweet an den CDU-Politiker, "Hipster sein dreht sich mehr um Stil als um Englisch sprechen. Entspann dich und trink' einen Chai-Latte."

Der SPD-Politiker Sebastian Hartmann kommentiert: "Irgendwas lief wohl schief." Er teilt ein Bild mit dem Zitat von Spahn. Und macht aus der Parallelgesellschaft der jungen Leute eine Parallelgesellschaft der Jungen Union.

Erfundene Probleme

"Wie man Probleme erfindet, um im Gespräch zu bleiben, während es genug echte Probleme gibt", kommentiert "Spiegel"-Korrespondent Florian Gathmann Spahns Äußerungen.

Grünen-Politiker Erik Marquardt schreibt mit viel Ironie: "In Berlin bekommt zum Glück niemand mit, wie peinlich Jens Spahn andauernd Verhaltenspolizei spielt. Verstehen da ja alle nur Englisch."

Einer kann die ganze Aufregung um Spahn allerdings nicht verstehen. Der Berlin-Korrespondent des britischen Magazins "The Economist", Jeremy Cliffe, schreibt auf Twitter: "Ich kapier diesen Wirbel um Jens Spahn nicht. Er hat Recht. Wer nach Deutschland zieht, sollte Deutsch lernen."

Warum Spahn gerade im Wahlkampf so eine nebensächliche Debatte lostritt, dürfte aber auch dem Auslands-Korrespondenten merkwürdig erscheinen.

"Im Zweifel lieber Mate als Mutti"

Auf dem Twitter-Account des SPD-Parteivorstands heißt es in Anspielung auf ein Hipster-Getränk und den Spitznamen der Kanzlerin nur knapp: "Wir sagen: im Zweifel lieber Mate als Mutti".

Richtig wütend scheint SPD-Politiker Christopher Lauer über Spahns Gastbeitrag zu sein. "Warum fragt den keiner: Eh Jens, dafür dass Du Staatssekretär bist, hören wir Dich nie über Finanzen reden - stattdessen immer über so Pseudoprobleme, kann das sein, dass Du ein populistischer Blender bist."

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(sk)

Korrektur anregen