7 Frauen erklären, warum sie keine Kinder haben - und wir aufhören müssen, sie dafür zu verurteilen

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Die Gründe, warum eine Frau keine Kinder hat, können sehr unterschiedlich sein. | iStock
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  • Wenn eine Frau keine Kinder hat, gilt sie schnell als unnormal und egoistisch
  • Dabei gibt es ganz verschiedene Gründe, warum Frauen ihr Leben ohne Kinder verbringen
  • Die ehrlichen Geschichten dieser sieben Frauen beweisen das

Auch im Jahr 2017 besteht noch immer die gesellschaftliche Erwartungshaltung, dass jede Frau früher oder später Kinder bekommt. Eine Frau zu sein bedeutet jedoch nicht, dass man auch automatisch Mutter werden muss.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist in Deutschland etwa jede fünfte Frau "endgültig kinderlos". In diese Kategorie zählen Frauen ab dem Alter von 45 Jahren. (Die Zahl, der Frauen, die jünger sind und noch kein Kind haben, ist - logischerweise - noch deutlich höher.)

20 Prozent - das ist ein erheblicher Teil der Bevölkerung. In anderen europäischen Ländern wie etwa Großbritannien sieht die Lage ähnlich aus. Sollten wir angesichts dieser Zahlen nicht einfach mal damit aufhören, Frauen darüber auszuquetschen, wann sie denn nun endlich eine Familie gründen wollen?

Jede Entscheidung zum Thema Kinderkriegen verdient Respekt

Denn die Gründe, warum eine Frau keine Kinder hat, sind sehr unterschiedlich. Ob es nun ihre persönliche Entscheidung ist oder eine medizinische Ursache dahinter steckt - jeder einzelne dieser Gründe verdient es, mit Diskretion und Respekt behandelt zu werden.

Im Folgenden erzählen sieben Frauen in ihren ganz persönlichen Geschichten, warum sie sich für ein Leben ohne Kinder entschieden haben. Wer sie gelesen hat, verkneift sich beim nächsten Mal vielleicht die Frage: “Wann willst du denn eigentlich Kinder bekommen?”

Carly Ellen Lee, Sachbearbeiterin im Bereich Dienstleistungen für behinderte Menschen und Bloggerin, 29 Jahre

"Ich leide am polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS)."

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"Ich wusste schon in jungen Jahren, dass ich später einmal Kinder haben wollte. Als ich meinen Mann vor 13 Jahren kennenlernte, waren wir zwar gerade erst 16 und 21 Jahre alt, doch bereits unser erstes Gespräch drehte sich darum, dass wir beide einmal Kinder haben wollten – in diesem Gespräch ging es um alles oder nichts. Wir wollten zwar nicht sofort Eltern werden, da wir beide noch sehr jung waren und zuerst noch studieren, herumreisen und ins Berufsleben einsteigen wollten, doch wir wollten auf jeden Fall später einmal eine Familie gründen.

Sobald wir verheiratet waren, versuchten wir, ein Baby zu bekommen. Das war vor acht Jahren. Wir versuchten es während der empfohlenen Zeitspanne von 12 Monaten auf natürliche Weise, bevor wir zu unserem Hausarzt gingen, um uns genauer untersuchen zu lassen. Bei mir wurde das polyzystische Ovarialsymptom (PCOS) festgestellt, und man fand schnell heraus, dass ich auf natürliche Weise keinen Eisprung bekommen konnte.

Ich nahm drei Monatszyklen lang das Medikament Clomifen ein, das einen Eisprung auslösen sollte. Doch es wirkte nicht, was bedeutet, dass ich dadurch keinen Eisprung bekam. Als nächstes wurde uns eine In-vitro-Fertilisation (IVF) empfohlen. Zuerst einmal probierten wir die stimulierte Ovulationsinduktion aus.

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Wir versuchten es vier Zyklen lang, jedoch ohne Erfolg. Schließlich ließen wir eine richtige In-vitro-Fertilisation durchführen. Innerhalb von sechs Jahren haben wir es insgesamt noch sieben Monate lang abwechselnd mit stimulierten Zyklen und mit der Einpflanzung von eingefrorenen Embryonen versucht. Ich bin in dieser Zeit zweimal schwanger geworden, doch beide Male endeten mit einer frühen Fehlgeburt.

Ich glaube, dass die Gesellschaft von Frauen einfach erwartet, dass sie Kinder bekommen. Wenn ich neue Leute kennenlerne, lautet eine der ersten Fragen, ob ich denn Kinder habe. Wenn ich diese Frage mit 'nein' beantworte, folgt meist sofort die zweite Frage: 'Und willst du Kinder haben?' Es fällt mir nach wie vor noch immer wahnsinnig schwer, diese Frage zu beantworten.

Durch meine Unfruchtbarkeit fühle ich mich minderwertig, schuldig, traurig, einsam, depressiv, unsicher, emotional, belastbar, erschöpft, unglücklich, unvollständig, kaputt und unzufrieden."

Sophie Thorne, CEO von Twisted Lingerie, 31 Jahre

"Mein Mann will keine Kinder."

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"Mein Mann will keine Kinder und ich habe beschlossen, seine Entscheidung zu akzeptieren. Wir haben jahrelang über das Thema diskutiert, und wir dachten beide sehr lange, dass er einfach noch nicht bereit dazu war.

Doch gegen Ende letzten Jahres wurde immer deutlicher, dass er möglicherweise gar keine Kinder haben wollte. Ich glaube, dass die Art, wie er sein Leben führt, dabei eine große Rolle spielt – er liebt sein Leben genau so, wie es ist, und er kann sich nicht vorstellen, dass sich etwas daran ändert. Je mehr wir uns jedoch über das Thema unterhielten, desto klarer wurde uns beiden, dass er einfach kein besonders väterlicher Typ ist und dass er kein sonderlich großes Bedürfnis danach verspürt, ein Kind großzuziehen.

Als wir uns mit Mitte zwanzig kennenlernten, war das Thema Kinderkriegen noch unglaublich weit weg, und ich habe den Eindruck, dass er sich insgesamt noch nie wirklich viele Gedanken darüber gemacht hat. Als ich jedoch begann, ernsthafter über das Thema Kinder nachzudenken, trat er einen Schritt zurück und überlegte sich, ob er selbst das denn überhaupt wollte.

Bevor ich meinen Mann kennenlernte, wollte ich immer Kinder haben. Und wenn ich ehrlich bin, will ich das in vielerlei Hinsicht noch immer. Ich bin die Älteste von vier Geschwistern und Familie ist mir extrem wichtig. Anfangs war ich sehr traurig, als er mir sagte, dass er keine Kinder wollte. Und lustigerweise war er selbst auch traurig darüber.

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Ich glaube, dass er genau wusste, wie sehr ich mir Kinder wünschte, und dass es ihm deshalb extrem schwer fiel, mit mir darüber zu sprechen. Obwohl noch immer hin und wieder die Angst in mir aufsteigt, dass ich etwas verpassen könnte, komme ich mittlerweile besser mit der ganzen Situation zurecht. Und ich stelle mir gerne vor, was mich denn wohl in Zukunft alles erwarten wird, wenn ich nicht den Weg einschlage, von dem ich früher einmal geträumt hatte.

Ich liebe meinen Mann und ich liebe das Leben, das wir uns zusammen aufgebaut haben. Im Endeffekt habe ich mich für ihn, für unser jetziges Leben und für alles, was unsere gemeinsame Zukunft noch bringen mag, entschieden, und ich bin bereit, dafür auf eigene Kinder zu verzichten.

Ich glaube, dass kinderlose Frauen in unserer Gesellschaft als etwas Unnormales und Eigenartiges betrachtet werden. Frauen werden oft verurteilt und in manchen Fällen sogar bemitleidet. Außerdem glauben manche Leute, dass man nicht an Familienveranstaltungen teilnehmen will, weil man keinen Sinn dafür hat, oder weil man Kinder nicht mag, oder was auch immer. Ich habe auch den Eindruck, dass kinderlose Männer nicht auf diese Weise behandelt werden, und das macht die ganze Sache noch frustrierender.

Die anfänglichen Reaktionen meiner Angehörigen auf meine Entscheidung waren nicht besonders toll. Meine Freunde und Verwandten rieten mir, meinen Mann zu verlassen, oder ihn dazu zu zwingen, ein Kind mit mir zu bekommen. Immer wieder musste ich mir anhören, dass ich meine Entscheidung eines Tages bereuen würde.

Ich fühlte mich in dieser Zeit ziemlich einsam, denn ich versuchte, die Aussage meines Mannes zu verarbeiten und ich hätte gerne mit meinen Lieben darüber gesprochen. Doch da meine Familie und meine Freunde ganz genau wussten, dass ich eigentlich schon immer eigene Kinder haben wollte, waren sie wahrscheinlich so schockiert über das Ganze, dass sie nicht wussten, was sie dazu sagen sollten. Ich war auch überrascht, wie sehr die Angelegenheit meine Angehörigen persönlich mitnahm – eine enge Freundin sagte mir, dass sie geweint hatte, nachdem ich ihr von meinem Entschluss erzählt hatte.

Da sie mittlerweile ein wenig Zeit hatten, das Ganze zu verdauen, ist meine Entscheidung für die meisten meiner Freunde und Verwandten 'kein Thema' mehr. Und auch wenn sie mit meinem Entschluss vielleicht nicht einverstanden sind, spüre ich, dass sie zu mir stehen, und dass sie das auch in Zukunft tun werden."

Lizi Legge, Social-Media-Managerin und Lifestyle-Bloggerin, 25 Jahre

"Ich will mich voll und ganz auf meine Karriere konzentrieren."

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"Ich war mir als Erwachsene eigentlich schon immer ziemlich sicher, dass ich keine Kinder haben will. Mein persönlicher Grund für diese Entscheidung ist, dass ein Kind einfach nicht zu dem Leben passen würde, das ich führen will. Ich will mich voll und ganz auf meine Karriere konzentrieren, solange ich noch jung bin. Und da ich in einer sehr schnelllebigen Branche tätig bin, würde eine berufliche Auszeit von einem Jahr meiner Karriere extrem schaden.

Ein weiterer Grund ist, dass ich dann ein Jahr lang keine Altersvorsorge betreiben könnte und finanziell von meinem Partner abhängig wäre – denn wie jeder weiß, ist die Bezahlung im Mutterschutz ziemlich lausig. Zudem möchte ich mich nicht an einen bestimmten Ort binden müssen, weil meine Kinder dort zur Schule gehen.

Außerdem könnte ich nicht guten Gewissens ein Kind bekommen, weil das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien ziemlich unsicher ist, und weil ich mir als Mutter definitiv keine private Krankenversicherung mehr leisten könnte, geschweige denn für mein Kind.

Es geht mir zunehmend auf die Nerven, wenn Leute zu mir sagen: 'Ach ja, du wirst deine Meinung schon noch ändern.' Ich denke schließlich nicht einmal im Traum daran, im umgekehrten Fall dasselbe zu jemandem zu sagen, der Kinder haben will. Ich beobachte bei vielen meiner Freunde und Verwandten, die eine Familie gründen, dass sie ihre Kinder zwar abgöttisch lieben, dass sie darüber jedoch ihre beruflichen Ziele extrem vernachlässigen.

Mir wurde schon oft gesagt, dass ich 'herzlos' sei und dass mir der 'Mutterinstinkt' fehle. Meiner Meinung nach ist es jedoch unglaublich egoistisch, nur deshalb ein Kind zu bekommen, weil man dem Druck der Gesellschaft nicht mehr standhält, und ich finde, dass man es in dem Fall lieber sein lassen sollte."

Emma Sexton, Moderatorin der Show "Badass Women's Hour" beim britischen Radiosender talkRADIO, 41 Jahre

"Ich denke darüber nach, ein Pflegekind bei mir aufzunehmen."

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"Ich bin 41 Jahre alt und ich habe mich bewusst dazu entschieden, keine Kinder zu bekommen. Eigentlich war mir schon mit elf Jahren klar, dass ich später einmal keine eigenen Kinder haben wollte. Seit ich damals die erste Folge der australischen Seifenoper 'Home and Away' gesehen hatte, war ich fasziniert von Pippa und ihrer Pflegefamilie. Aus irgendeinem Grund hat mich diese Geschichte zutiefst beeindruckt. Ich konnte mir zwar noch nie vorstellen, später einmal eigene Kinder zu bekommen, doch ich denke darüber nach, irgendwann ein Pflegekind aufzunehmen.

Ich liebe Kinder und ich bin der Meinung, dass man ein glücklicher Erwachsener wird, wenn man eine schöne und glückliche Kindheit hatte. Es gibt so viele Kinder auf der Welt, die eine schwere Kindheit durchleben müssen, obwohl sie überhaupt nichts dafür können. Und ich möchte denjenigen Unterstützung und Hilfe zukommen lassen, die es am dringendsten benötigen. Die Umwelt ist ein weiterer wichtiger Punkt für meine Entscheidung. Ich könnte nicht guten Gewissens ein Kind in diese Welt setzen, wo wir doch ohnehin bereits eine Bevölkerungskrise haben – doch über dieses Thema will ja immer keiner sprechen.

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Im Bezug auf die Frage, ob ich denn nicht mein eigenes biologisches Kind haben möchte, muss ich sagen, dass ich noch nie wirklich eine kleine Kopie von mir haben wollte. Einen anderen Menschen großzuziehen erfordert unglaublich viel Zeit und Aufopferung, und die Verantwortung fällt größtenteils den Frauen zu. Mir ist klar, dass Kinder unglaublich viel Freude in die Welt bringen. Ich weiß jedoch auch, dass es für mich noch sehr viele andere Möglichkeiten gibt, diese Freude zu empfinden, und dass ich dafür nicht unbedingt ein eigenes Kind bekommen muss.

Mir fiel diese Entscheidung anfangs wirklich nicht leicht, denn um mich herum gab es nur wenige Frauen, die sich für ein Leben ohne Kinder entschieden hatten. Freunde und Verwandte, die es gut mit mir meinten, sagten mir immer wieder, dass ich 'meine Meinung schon noch ändern' würde. Diese Kommentare verunsicherten mich jedoch sehr, vor allem mit Anfang dreißig. Ich hatte sogar mal eine Phase, in der ich Babys anstarrte, um zu sehen, ob in mir vielleicht doch noch die Lust auf ein eigenes Kind erwachen würde.

Mittlerweile stehe ich zu meiner Entscheidung - was ich von Anfang an getan habe, doch die Gesellschaft wollte sie einfach nicht akzeptieren. Und ich finde es sehr wichtig, anderen Frauen zu zeigen, dass sie durchaus auch die Wahl haben, sich gegen Kinder zu entscheiden."

Holly Brockwell, Technik-Journalistin, 31 Jahre

"Ich habe mich im Alter von 30 Jahren sterilisieren lassen."

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"Wie viele andere Frauen konnte ich mir schon als Kind, als Teenager und auch in meinen Zwanzigern nicht vorstellen, Mutter zu werden. Ich ging davon aus, dass dieses Bedürfnis bei mir erst später auftauchen würde. Alle tun so, als würde jede Frau die 'biologische Uhr' früher oder später einmal ticken hören, doch ich stellte fest, dass es bei mir nicht so war. Ich verspüre keinerlei Bedürfnis danach, Mutter zu werden, und obwohl andere mich permanent davon überzeugen wollen, dass ich Kinder bekommen sollte, habe ich einfach kein Interesse daran.

Nach einem langen und frustrierenden Kampf mit dem National Health Service ließ ich mich mit 30 Jahren sterilisieren. Ich wollte meine Eileiter abklemmen lassen, weil ich wusste, dass ich keine Babys bekommen wollte und weil die hormonellen Verhütungsmittel bei mir zu diversen Problemen führte, wie dies bei vielen Frauen der Fall ist.

Ich fand es eigenartig und unheimlich, dass die Ärzte sich entgegen meiner eigenen Bedürfnisse so sehr für den Erhalt meiner Fruchtbarkeit einsetzten – sie schienen zu denken, dass sie meine persönlichen Wünsche besser kannten als ich selbst. Mir ist klar, dass manche Frauen ihre Meinung ändern.

Doch für gewöhnlich haben diese Frauen keine seitenlangen Aufsätze zu diesem Thema verfasst und sogar eine Kampagne gestartet, damit sie sich endlich ihre Eileiter durchtrennen lassen können und sich nicht mehr permanent mit den Nebenwirkungen der Pille herumschlagen müssen. Ich hatte mich bestens informiert und wollte mich schon lange sterilisieren lassen. Dass das Ganze insgesamt vier Jahre lang dauerte und viele Arztbesuche erforderte, ist eine enttäuschende Verschwendung nicht nur meiner, sondern auch ihrer Zeit.

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Ich finde es irgendwie total komisch, dass Frauen, die sich aus freien Stücken gegen Kinder entscheiden, klischeehaft als egoistische Monster dargestellt werden. Ich habe schon so oft gefragt, warum es denn bitte egoistisch sein sollte, dass ich keine Kinder bekommen will, wo ich doch ganz genau weiß, dass ich keine gute Mutter wäre – ist meine Einstellung denn nicht eigentlich sehr viel weniger egoistisch, als einfach Kinder zu bekommen und mich dann nicht um sie zu kümmern? Ist es denn nicht weniger egoistisch, sich seine Eileiter abtrennen zu lassen, als mit einem Baby schwanger zu werden, das man eigentlich gar nicht will? Ich verstehe diese Argumentation überhaupt nicht.

Kinderlose Frauen werden in Filmen und im Fernsehen entweder als traurige Menschen dargestellt, die eigentlich unglaublich gerne Mama werden möchten, oder als gruselige Hexen, die Böses im Schilde führen. Manche Frauen wollen einfach keine Kinder bekommen, und das ist genauso legitim, wie fünf Kinder in die Welt zu setzen.

Es ist erstaunlich, wie oft ich danach gefragt werde, ob ich Kinder habe. Diese Frage gilt als geeignetes Thema für Small Talk – doch für Menschen, die gerade eine künstliche Befruchtung durchlaufen oder keine Kinder bekommen können, muss sie einfach nur schrecklich sein. Ob jemand einen Kinderwunsch hat oder nicht, geht absolut niemand anderen etwas an.

Ich bin oft versucht zu lügen, wenn Leute mich nach 'meinen Kindern' fragen, weil sie selbstverständlich davon ausgehen, dass ich welche habe. Denn ich musste schon allzu oft miterleben, wie ein wohlwollendes Lächeln sich in den Ausdruck purer Verachtung verwandelt, sobald die Leute herausfinden, dass ich meine Fruchtbarkeit einfach 'vergeude'.

Doch ich bleibe stets bei der Wahrheit. Ich schaue ihnen dabei in die Augen und stelle die kranken Argumente in Frage, die sie sich so schön zurechtgelegt haben. Ich will den Menschen, die solche Fragen stellen und sich ein Urteil über die Antworten erlauben, eine Lektion erteilen. Denn wenn ich sie herausfordere, verkneifen sie sich ihre Fragerei vielleicht nächstes Mal bei einer Frau, die gerade eine Fehlgeburt erlitten hat."

Louise*, Selbstständige Catering-Unternehmerin, 37 Jahre

"Ich würde nur Kinder bekommen wollen, wenn ich in einer Beziehung wäre."

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"Im Alter zwischen Mitte und Ende zwanzig beschloss ich, dass ich keine Kinder bekommen wollte. Da ich schon seit meiner Kindheit an psychischen Problemen litt, erschien es mir extrem unfair, dass ich meine psychischen Erkrankungen möglicherweise an meine Kinder weitergeben könnte, sei es durch Vererbung, durch erlerntes Verhalten oder einfach nur dadurch, dass sie sich mit meinen Problemen auseinandersetzen müssten.

In der Vergangenheit litt ich an Angststörungen, Panikattacken, Einsamkeitsgefühlen, Essstörungen, Körperwahrnehmungsstörungen, Psychosen, Depressionen, sowie an Drogen- und Alkoholabhängigkeit und an anderen Suchterkrankungen. In meiner Familie sind psychische Störungen sehr weit verbreitet.

Ich glaubte damals, dass jedes Kind, das ich zur Welt bringen würde, dazu verdammt wäre, auf irgendeine Weise in meine Fußstapfen zu treten. Und ich fand es extrem ungerecht, dass der Mensch, den ich letztlich am meisten lieben würde, genauso leiden sollte, wie ich es damals tat.

Mittlerweile habe ich es geschafft, alle meine psychischen Probleme durch eine Therapie und durch die Veränderung meiner Ernährungsgewohnheiten in den Griff zu bekommen, doch ich habe momentan keinen Partner. Für mich ist das jetzt so in Ordnung – ich bin glücklich mit mir selbst, und alles, was dazu kommt, wäre einfach nur das Tüpfelchen auf dem i. Ich würde jedoch nur Kinder bekommen wollen, wenn ich in einer Beziehung wäre.

Ich selbst bin mit nur einem Elternteil großgeworden, und ich weiß, wie schwierig das sowohl für den Vater oder die Mutter, als auch für das Kind ist. Ich habe allergrößten Respekt vor Alleinerziehenden, doch ich würde mich niemals bewusst für einen solchen Lebensentwurf entscheiden. Wenn ich jemanden kennenlerne und es passt, dann wäre es okay. Doch wenn nicht, dann eben nicht. Ich habe deshalb in der Vergangenheit schon genug Tränen vergossen, doch so ist das Leben nun einmal.

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Mama schafft das allein - die Facebook-Community für alleinerziehende Mütter: Hier könnt ihr euch über alles austauschen, was euch bewegt und begeistert

Es scheint die Meinung vorzuherrschen, dass alle Frauen Kinder bekommen wollen, und dass alle Frauen auch Kinder bekommen können. Da ich sehr jung für mein Alter aussehe, bekomme ich oft zu hören: 'Ach, du hast doch noch ewig Zeit, um sesshaft zu werden und eine Familie zu gründen'. Dabei fragt sich keiner, ob ich das denn überhaupt will oder kann.

Manche meiner Freunde sind extrem traurig darüber, dass sie keine Kinder haben, und für andere ist es ganz in Ordnung so. Kinder zu bekommen scheint für viele Menschen zum Frausein einfach dazuzugehören."

Charlotte Moore, Inhaberin von Smoothie PR, 42 Jahre

"Andere Frauen können nicht verstehen, warum ich kein Baby bekommen will."

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"Ich war zwischen elf und 12 Jahren alt, als ich meinen Eltern zum ersten Mal sagte, dass ich später einmal keine eigenen Kinder haben wollte. Für meine Mutter war das ein ziemlicher Schock, denn sie ist mit Leib und Seele Mutter, und sie hätte am liebsten noch mehr als uns drei Kinder bekommen.

Doch mir war bereits in diesem Alter klar, dass es als Erwachsene für mich noch mehr Dinge geben würde, die ich tun wollte, und die mich genauso erfüllen würden. Ich kann gut mit Kindern umgehen und ich habe nach meinem College-Abschluss fünf Jahre lang sehr gerne als Hilfslehrerin gearbeitet, doch am Ende jeden Tages war ich dann doch immer froh, dass ich meine Freiheit wieder zurück hatte.

Zu meinen potenziellen Partner war ich immer sehr ehrlich, denn ich wollte ihnen ihre Chancen auf keinen Fall verbauen, falls Kinder Teil ihres Lebensentwurfs waren. Mit meinem momentanen Lebensgefährten bin ich schon seit 12 Jahren zusammen. Als ich ihn fragte, wie es ihm mit dem Thema ging, sagte er mir, dass er immer davon ausgegangen war, eines Tages zu heiraten und Kinder zu bekommen, und zwar einfach nur deshalb, weil die meisten Leute das so machten.

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Jedenfalls ist er mit unserem Lebensentwurf genauso glücklich wie ich, weil er mit Babys und Kindern nicht wirklich etwas anfangen kann. Außerdem liebt er unsere Urlaube in Kalifornien in Erwachsenen-Hotels und er geht bevorzugt in Restaurants essen, in denen keine Kinder sind. Er hätte jedoch sehr gerne einen Hund.

Mein ganzes Leben lang habe ich von anderen Frauen gesagt bekommen, dass ich meine Meinung schon noch ändern würde, wenn ich einmal älter wäre. Diese Frauen gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass zu einer richtigen Familie auch Kinder gehören. Ich lächle dann nur und nicke mit dem Kopf, denn ich habe festgestellt, dass viele Frauen einfach nicht verstehen können, warum ich keine Kinder haben will.

Ich war zwar immer offen dafür, meine Meinung doch noch zu ändern, doch ich habe nie das Bedürfnis danach verspürt, mein Leben nach Kindern auszurichten. Erst seit ein paar Jahren lerne ich immer mal wieder Frauen kennen, denen es genauso geht wie mir, und wir verstehen uns dadurch immer sofort auf Anhieb. Wir wurden unser Leben lang (meist) im Stillen für unsere bewusste Entscheidung verurteilt. Ich vermute aber, dass dahinter auch oft ein wenig Neid steckt, weil unsere Kritiker sehen, dass mein Partner und ich genau diese freie und glückliche Familie haben, die uns gefällt."

Der mit * versehene Name wurden auf Wunsch der Portraitierten geändert, um ihre Anonymität zu wahren. Auf allen Bildern sind Models zu sehen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost UK und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt. Der Text wurde für die deutsche Leserschaft inhaltlich angepasst.

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