"Bild" veröffentlicht die "Wahrheit" über die Bildung von Flüchtlingen - leider ist die nicht wahr

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  • Glaubt man der "Bild"-Zeitung, dann hätte mehr als die Hälfte der Flüchtlinge in Deutschland keinen Bildungsabschluss
  • Doch ein Blick auf die zugrundeliegenden Zahlen offenbart, wie falsch diese Angabe ist

In großen Lettern titelte die "Bild"-Zeitung am Dienstag: "So viele Flüchtlinge haben keinen Schulabschluss". Weiß auf Schwarz. Dazu der Slogan "Die echten Zahlen".

Das Boulevardblatt nennt im dazugehörigen Text erschreckende Zahlen. So sollen "59 Prozent der Flüchtlinge keinen Schulabschluss" haben, bis zu drei Viertel der Arbeitssuchenden hätten "gar keine oder nur geringe Schulbildung".

"Bild" gibt als Quelle das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) an, welches sich wiederum auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berufen habe.

Doch die Angaben der "Bild"-Geschichte sind mehr als fraglich, wie der Bayerische Rundfunk (BR) recherchiert hat.

"Sachlich nicht richtig"

Fakt Nummer 1: Die Angabe, die die "Bild" verbreitete, stimme nicht, erklärt das BIBB auf BR-Anfrage. Einerseits sei es nicht Aufgabe des BIBB, Zahlen der Arbeitsagentur nachzurechnen. Andererseits teilt das BIBB mit: "Die Aussage '59 Prozent der Flüchtlinge haben keinen Schulabschluss' wurde seitens des BIBB nicht getroffen, da sie sachlich nicht richtig ist."

Fakt Nummer 2: Denn die Angabe bezieht sich nicht auf alle Flüchtlinge, wie "Bild" schreibt, sondern nur auf diejenigen, die nach Arbeit suchen. Folglich kommen alle Flüchtlinge, die schon Arbeit gefunden haben - zum Beispiel weil sie eine gute Ausbildung haben - in der Rechnung gar nicht vor, unterstreicht der BR.

Fakt Nummer 3: Die "Bild" zählt auch jene zu den Flüchtlingen ohne Schulabschluss, die keine Angaben machten. Das sind immerhin mehr als 120.000 arbeitssuchende Flüchtlinge und damit ein nicht unerheblicher Anteil.

Fakt Nummer 4: Außerdem befinden sich unter den Flüchtlingen auch viele, die schon als arbeitssuchend gemeldet sind (und damit in die "Bild"-Aufzählung fallen), aber noch einen Schulabschluss oder eine Ausbildung nachholen wollen oder sich ihre Bildungsabschlüsse anerkennen lassen.

Darüber hinaus verweisen einige Twitter-Nutzer auf ein weiteres fundamentaleres Problem.

So stellt der Journalist Jens Clasen klar: "Ganz wichtig, wenn du überstürzt nachts aufbrichst, um vor Krieg und Mord zu flüchten: Unbedingt an die Schulabschlüsse denken!!!"

Ein anderer Twitter-User schreibt: "Hey! Deine Schule wurde zerstört, deine Lehrer ermordet, aber mach verdammt nochmal deinen Schulabschluss! Merkt ihr selber, ne?!"

(ben)

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