"Hinter den Narben": Eine Fotografin zeigt, dass jede Haut schön ist

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  • Eine Fotografin porträtiert in einer Bilderserie die Schönheit von Narben
  • Zu den Aufnahmen erzählen die Frauen ihre berührenden Geschichten

Narben gelten immer noch als Schönheitsmakel. Unsere Haut soll möglichst glatt, weich, feinporig und am besten makellos sein. Dabei machen Narben einen Menschen einzigartig und erzählen auch immer seine ganz persönliche Geschichte.

Die Fotografin Sophie Mayanne will mit ihrer Fotoreihe "Behind the Scars - Hinter den Narben" auf diese Geschichten aufmerksam machen.

Sie möchte mit ihrem Projekt erreichen, dass Menschen, die körperliche Narben haben, ihre eigene Schönheit wieder spüren können, unabhängig davon, woher ihre Narben stammen.

Niemand sollte seine Geschichte verstecken müssen

Isabella etwa, eine der Frauen ihrer Fotoserie, war 2015 in einem brennenden Haus gefangen. Sie verbrachte den größten Teil ihres Sommers auf einer Intensivstation für Brandopfer.

Ihr Körper ist von Narben übersät, doch Isabella sagt, sie habe sich "nie schöner gefühlt".

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Mayanne möchte von diesen individuellen Schicksalen berichten. "Oft werden Narben als etwas Beschämendes betrachtet, das man verstecken muss", sagte sie der HuffPost. Das solle nicht so sein.

“Ich halte es für sehr wichtig, Menschen eine Plattform zu geben, auf der sie andere Schicksale entdecken und sich selbst ausdrücken können”, sagt die Fotografin.

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"Diese Geschichten sind ehrlich und berührend und sollten erzählt werden, und zwar mit Bildern, sodass Menschen verstehen, dass niemand weniger schön ist, nur weil er anders ist."

Mayanne hat sich für ihre Fotoserie mit Menschen mit verschiedensten Schicksalen getroffen, die bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterließen.

”Ich empfand Ehrfurcht”

"Manche dieser Geschichten haben mich emotional sehr mitgenommen und ich hatte oft Tränen in den Augen", sagt sie. "Ich habe Ehrfurcht vor ihrer Belastbarkeit und ihrer Akzeptanz verspürt, mit der sie ihre Hindernisse und Kämpfe bewältigt haben. Sie alle sind unglaublich inspirierend, jeder einzelne von ihnen."

Für sie sei das Schönste an der Serie, von Leuten zu hören, die ihre Narben bisher versteckten und sich nun trauen, Kleidung zu tragen, die ihre persönliche Geschichte nicht länger verbirgt.

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Auch Menschen ohne Narben erzählten ihr, dass sie nach der Fotoserie ihre Einstellung zu Narben änderten und sie nun in einem neuen Licht betrachten.

"Ich habe Vertrauen, Humor, Mut und Akzeptanz gesehen", sagt Mayanne. "Viele haben durch die Fotoserie verstanden, dass Schönheit überall ist."

Hier stellen wir euch einige der Frauen vor:

Andrea

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"Ich bekam meine ersten Narben mit 14 Jahren, während ich mit meinen Freunden fangen spielte. Ich sprang über eine Mauer und verletzte dabei meine beiden Beine. Über Jahre hinweg trug ich nur noch Hosen, damit niemand meine Narben sehen konnte.

Die Narben auf meinem linken Arm und in meinem Gesicht habe ich von einer geistig gestörten Person zugefügt bekommen, aus Rache. Das Schlimmste daran ist, dass ich eigentlich gar nicht gemeint war. Ich wurde in einen Streit hineingezogen und die Person hatte ein Glas in ihrer Hand, während sie mich schlug.

Ich merkte es aber erst, als Blut über mein Gesicht lief. Die Verletzungen an meinem Arm bemerkte ich erst, als ich an mir herunterblickte und meine zerfetzte Haut sah. Inzwischen habe ich gelernt, mich für die Person, die ich bin, zu lieben. Ich konzentriere mich nun darauf, mein bestes Ich zu werden."

Cari

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"Das ist die Narbe, die ich von einer Wirbelsäulenoperation behalten habe. Im September 2013, als ich 15 Jahre alt war, wurde meine Skorreliose korrigiert. Ich habe zwei Metallrohre und 12 Metallschrauben mein ganzes Rückgrat herab.

Ich denke, dass ich seither sehr sensibel dafür bin, wie sich unsere physische Gesundheit auf unsere Psyche auswirkt."

Barbara

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"2014 wurde mir ein Angiosarkom in der Brust diagnostiziert, ein seltener und aggressiver Krebs. Drei Operationen und zwei Chemotherapien später sind das die Narben, die ich davon zurückbehalten habe.

Bei meiner letzten Operation wurden mein Brustbein und vier Rippen entfernt, die durch chirurgisches Zement, Muskeln und Haut von meinem Rücken ersetzt wurden.

Ich habe sehr lange gebraucht, mich mit meinen Narben anzufreunden. Sie dokumentieren meine Reise und den Mut und die Stärke, von der ich nicht wusste, dass ich sie besitze. Vor kurzem wurde mir gesagt, dass der Krebs zurück ist. Überraschenderweise fühle ich mich dennoch ganz ruhig und im Reinen mit mir selbst."

Ashleigh

maedchen

"Ich begann, mich selbst zu verletzen, als ich acht Jahre alt war. So lange ich denken kann, hatte ich mit sehr starken Gefühlen zu kämpfen - und das war einer der Wege, wie ich damit klar kam.

Ich habe immer langärmlige Oberteile getragen, egal, wie das Wetter war. Wie meine Arme aussehen, ist eines meiner größten Geheimnisse. Zu lernen, meine Narben zu mögen und sie als Teil von mir zu akzeptieren, ist ein sehr großer Schritt für mich. Ich merke aber auch, dass es das Gefühl von Schuld und Scham verstärkt, wenn ich sie verstecke."

Elijah

girl

"Auf eine bestimmte Art und Weise sind meine Narben alle selbstverschuldet. Meine Beine sind bedeckt mit Narben, wo ich mich selbst verletzt habe. Und an meinen Armen sieht man auch Spuren davon.

Ich bin transsexuell und habe vor eineinhalb Jahren meine medizinische Umwandlung zu einem Mann gestartet. Im Mai 2016 unterzog ich mich einer doppelten Mastektomie, um meine Brüste entfernen zu lassen. Diese Narben sind meine neue Brust, die ich immer haben wollte. Sie sind mein Geschlecht, meine Identität. Diese Narben stehen für das, was ich erlebt habe."

Michelle

michelle

"Ich hatte 15 Operationen, einen Gehirntumor, einen punktierten Dickdarm, einen blockierten Darm, eine Zyste in meinem Gehirn und ein Leiden namens Hydrozephalus.

Als ich jung war, fiel mir gar nicht auf, dass mein Körper anders war. Aber eines Tages zog ich einen Bikini an und die Menschen musterten mich mit Bedauern und Schock in den Augen. Ich dachte dann, die Lösung sei, meine Narben zu verstecken und nie über sie zu sprechen. Doch was mir am Ende tatsächlich half, war das genaue Gegenteil.

Als ich 21 Jahre alt war, fing ich an, meine Narben zu akzeptieren und meinen Körper so zu lieben, wie er ist. Um das zu feiern, trug ich das erste Mal seit sehr langer Zeit einen Bikini und startete eine Kampagne mit dem Namen “Scarred Not Scared”. Denn ich wusste, dass ich nicht die Einzige war, der es so ging.

Ich wollte, dass sich niemand alleine fühlen musste mit seinen Schmerzen und den Krankheiten. Die Kampagne wurde zur perfekten Plattform, um die Scham wegen unserer Narben und unseres Körpers im Allgemeinen zu überwinden."

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost UK und wurde von Babette Habenstein und Lea Kosch aus dem Englischen übersetzt.

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