Heilpraktik in der Kritik: Experten fordern Abschaffung oder grundlegende Reformen

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Kritik an der Heilpraktik: Experten fordern Abschaffung oder grundlegende Reformen | kokouu via Getty Images
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  • Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat den Heilpraktikerberuf scharf kritisiert
  • Er müsse entweder stark reformiert werden oder eben gleich abgeschafft, fordern sie
  • Vor allem die nicht standardisierte Ausbildung steht bei den Experten in der Kritik

Viele Menschen, die der klassischen Schulmedizin skeptisch gegenüber stehen, wenden sich an Heilpraktiker. Alternative Medizin hat eine lange Tradition in Deutschland, ist jedoch nicht unumstritten. Eine Expertengruppe geht nun in die Offensive - sie sieht durch schlecht qualifizierte Heilpraktiker das Wohl von Patienten in Deutschland gefährdet.

Der Vorwurf: Es gäbe keine einheitlichen Standards in der Ausbildung der Alternativmediziner. Die gegenwärtige Heilpraktik sei nicht weiter als eine Pseudowissenschaft.

Die Gruppe spricht sich deshalb für tiefgreifende Reformen aus. Veröffentlicht wurden die Forderungen am Montag im “Deutschen Ärzteblatt”.

Grundlegende Reformen oder Abschaffung

Der Beruf des Heilpraktikers sollte entweder ganz abgeschafft oder grundlegend reformiert werden, heißt es im “Münsteraner Memorandum”. Dabei solle der Heilpraktikerberuf durch die Einführung eines spezialisierten Fach-Heilpraktikers abgelöst werden, den nur Menschen mit vorheriger Heilberufsausbildung erlernen können.

Die Politik dürfe nicht länger hinnehmen, dass sich Alternativmediziner nach einer kurzen, weitgehend unregulierten Ausbildung als staatlich anerkannte Heilpraktiker bezeichnen dürfen. Das erwecke bei Patienten den Eindruck, Heilpraktiker seien eine gleichwertige Alternative zu Ärzten, die ein langjähriges Studium absolviert hätten.

Dies könnte gefährliche Folgen für die Patienten haben.

Kein Beweis der Wirksamkeit

Unterschrieben haben das Memorandum Experten aus verschiedenen Fachrichtungen, darunter Medizin-Ethiker, Juristen, Historiker, Pflegeexperten und ein Journalist. "Wir wollten den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen", sagte Medizinethikerin und Mitglied der Gruppe Bettina Schöne-Seifert laut der Mitteilung.

Die Gruppe um Schöne-Seifert beklagt, dass die Alternativ-Mediziner trotz fehlender wissenschaftlicher Beweise für die Wirksamkeit ihrer Methoden tätig würden.

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Die Expertengruppe greift in dem Memorandum als Negativbeispiel den Fall eines Heilpraktikers am Niederrhein auf. Dieser hatte im Sommer 2016 Patienten in einer alternativen Krebspraxis behandelt. Drei von ihnen starben später.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Die Politik hatte daraufhin bereits angekündigt, die rechtlichen Grundlagen zu überprüfen.

"Staatlich anerkannt" sollte wieder Qualitätsmerkmal sein

Heilpraktiker benötigen für ihre Arbeit eine staatliche Erlaubnis, die sie nach einer erfolgreichen Prüfung ohne ein Medizin-Studium erhalten. Das Label "staatlich anerkannt" solle nach einer Reform wieder ein Qualitätsmerkmal für Patienten sein, so eine der Forderungen der Gruppe.

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Patienten schätzen unter anderem den fehlenden Zeitdruck in den Praxen der Heilpraktiker. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten der Behandlung allerdings nicht.

Heilpraktiker dürfen keine rezeptpflichtigen Arzneien verschreiben oder herstellen. Das gleiche gilt für Betäubungsmittel. Sie dürfen auch nicht röntgen, den Tod feststellen oder in Fachbereichen wie der Zahnmedizin oder Geburtshilfe tätig werden.

Vertrauen in Gesundheitssystem stärken

Die Autoren erhoffen sich von ihren Vorschlägen, dass sie das Vertrauen in das deutsche Gesundheitswesen stärken und die Patientenversorgung verbessern werden.

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Sie fordern die Politik auf, das Heilpraktikerwesen “nicht nur kosmetisch, sondern grundlegend zu reformieren”.

Die Experten schlagen dazu vor, Mitarbeiter der bestehenden Gesundheitsfachberufe wie Alten- und Krankenpfleger zusätzlich zu qualifizieren.

Seriöser Anbieter oder Scharlatan?

Auch die Deutsche Stiftung Patienschutz begrüßte das “Münsteraner Memorandum”. “Es ist überfällig, dass das Heilpraktikerrecht grundlegend reformiert wird.” Es fehlten einheitliche Standards für den Heilpraktikerberuf.

“So können Patienten kaum zwischen einem seriösen Anbieter und einem Scharlatan unterscheiden”, sagte Stiftungs-Vorstand Eugen Brysch in einer Mitteilung.

Bundesgesundheitsminister Gröhe sei gefragt, dieses Thema umgehend auf die politische Tagesordnung zu setzen. “Es darf nämlich nicht sein, dass es in Deutschland weiterhin einfacher ist, Heilpraktiker zu werden als Krankenpfleger”, klagte Brysch an.

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(lk)

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