Ein Wahl-Boykott der Deutschtürken träfe vor allem die SPD hart

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ERDOGAN
Der türkische Staatspräsident Erdogan | Murad Sezer / Reuters
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  • Erdogan ruft zum Boykott von Union, SPD und Grünen bei der Bundestagswahl auf
  • Besonders die SPD träfe ein Wahl-Boykott hart. Sie ist auf die Stimmen der Deutschtürken angewiesen
  • Denn Umfragen zeigen: Rund 70 Prozent der Deutschtürken tendieren politisch zur SPD

Mit deutlichen Worten hat sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in den deutschen Wahlkampf eingemischt: Nach dem Freitagsgebet rief er vergangene Woche seine in Deutschland lebenden Landsleute öffentlich dazu auf, bei der anstehenden Bundestagswahl auf keinen Fall SPD, Union und Grüne zu wählen.

Die Parteien seien "Feinde der Türkei".

Außenminister Sigmar Gabriel reagierte empört: "Das ist ein bislang einmaliger Akt des Eingriffs in die Souveränität unseres Landes", sagte er in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt".

Umfragetief Erdogan

Auch SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz zeigte sich brüskiert: Erdogan habe jedes Maß verloren, polterte er.

Dass vor allem die Parteispitze der SPD mit Verurteilungen auf die Aussagen des türkischen Staatsoberhaupts reagiert, ist nicht verwunderlich. Die Partei trifft die Wahlempfehlung des Präsidenten besonders hart.

Den wenigen repräsentativen Umfragen zufolge tendieren nämlich rund 70 Prozent der Deutschtürken politisch zur SPD.

Gerade angesichts der jüngsten Umfragewerte ist die SPD bei der kommenden Bundestagswahl auf die Stimmen der rund 1,3 Millionen wahlberechtigten Deutschtürken angewiesen.

Umfragen sagen jedoch eine vergleichsweise geringe Wahlbeteiligung unter Deutschtürken voraus. Eine bundesweite Befragung durch die Union der Deutsch-Türkischen Demokraten gaben rund 15 Prozent an, gar nicht erst zur Wahl zu gehen.

Mehr zum Thema: Türkischstämmige Wähler wenden sich von deutschen Parteien ab

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