"Anne Will": Volker Kauder soll in einem Satz erklären, warum die Bürger Merkel wählen sollen - und scheitert

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ANNE WILL
Volker Kauder bei Anne Will | dpa
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  • In der Talkshow "Anne Will" sollten Politiker den lahmen Wahlkampf erklären
  • CDU-Fraktionschef Kauder scheiterte daran, kurz die Ziele Angela Merkels zu benennen
  • FDP-Chef Lindner nutzte das - und stichelte, die Pläne der Kanzlerin ließen sich in nur zwei Worten nennen
Fünf Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl, alle aktuellen Umfragen sehen die Union klar vor der SPD.

"Wo ist der Wahlkampf?", fragen sich da viele Wähler. Die Redaktion der Talkshow "Anne Will" nimmt diesen Eindruck in ihrer ersten Sendung nach der Sommerpause auf und fragt: "Merkel oder Merkel - Hat Deutschland nur diese Wahl?"

"Entschieden ist noch gar nichts", sagt etwa CDU-Fraktionschef Volker Kauder und warnt davor, hochmütig zu werden. Kein Wunder, schließlich will die Union, dass ihre Wähler am Wahlsonntag nicht siegessicher zu Hause bleiben.

"Zunächst mal ..."

Aber wofür sollen die Menschen Angela Merkel wählen?

Das fragt auch Moderatorin Anne Will ihren Gast Kauder. Er soll in einem "knackigen" Satz darlegen, was Merkel für die Zukunft plane, "für welches gestalterische, politische Zukunftsziel Frau Merkel noch wiedergewählt werden soll?"

Kauder weicht erstmal aus.

Dann beginnt er seine Erklärung, die viel mehr als nur ein Satz ist.

"Wir haben zunächst mal erreicht, dass es keine Neuverschuldung gibt, keine Steuererhöhung, wir haben die Staatsfinanzen super in Ordnung gebracht. Jetzt haben wir gesagt, wir werden den Menschen das Geld zurückgegeben mit einer Steuerreform."

Die zwei Sätze reichen aber nicht. Kauder weiter:

"Ich glaube, dass die Menschen sehr genau spüren, dass in der Welt da draußen unglaubliche Risiken vorhanden sind, dass die Welt in Aufruhr ist. Und da vertrauen sie Angela Merkel, dass sie das Richtige macht. Und deswegen sagen sie, Angela Merkel soll das Land weiter führen."

"Wenn es in diesen Fragen nicht richtig weitergeht..."

Aber auch hier ist Kauder noch nicht fertig.

Er sagt weiter:

"Ich höre von niemand anderem entsprechende Diskussionsbeiträge wie es weitergehen soll im Verhältnis zu Amerika, zu Russland. Und das sind Punkte, wo ich nur sagen kann: Wenn es in diesen Fragen nicht richtig weitergeht, könnte manche innenpolitische Diskussion sooo klein werden und deshalb ist Merkel die Richtige und wird es auch in Zukunft sein."

Ein präganter Satz? Fehlanzeige.

Deshalb hakt Will nach.

"Können Sie in einem Satz sagen, in einem knackigen am liebsten, welches gestalterische, politische Zukunftsziel Frau Merkel hat, auf Basis dessen sie wiedergewählt werden will?"

Kauder versucht es noch einmal, weicht aber dann aus.

"Das Thema heißt Vollbeschäftigung"

"In einem knackigen Satz können das vielleicht Journalisten, wenn sie viel weglassen", sagt er. Dann legt er nach: "Ein ganz zentrales Thema heißt Vollbeschäftigung in einer Welt von Risiken."

Da bleibt Will nur ein enttäuschtes Kopfnicken.

Oppermann sieht seine Chance gekommen und will zeigen, dass mit der SPD weniger Larifari ist. "Wir wollen Deutschland moderner, sicherer und gerechter machen", sagt er knapp. Aber dann redet auch Oppermann mindestens noch eine halbe Minute über die Ziele der SPD.

"Das war jetzt aber auch nicht nur ein Satz", kritisiert Will.

"Frau Merkel hat die größte Mühe gehabt, überhaupt zu erklären, warum sie noch mal antritt", stichelt Oppermann trotzdem weiter. "Quatsch“, knurrt Kauder.

In den Augen vieler Wähler fasst die Ziele Merkels wohl der FDP-Chef Christin Lindner zusammen. Er braucht nicht mal einen ganzen Satz, wie er triumphal sagt. Ihm reichen zwei Worte: "Weiter so."

Zumindest in diesem Punkt geht die FDP bei "Anne Will" als Sieger vom Platz.

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(sk)

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