Nach Eklat um festgenommenen Schriftsteller: Erdogans Presse geht auf Merkel, Gabriel und Schulz los

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ERDOGAN
Die regierungsnahe Zeitung Takvim. | Twitter
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  • Türkische Sonntagszeitungen gehen nach dem Eklat um den festgenommenen Schriftsteller Dogan Akhanli auf Deutschland los
  • Die politische Agenda hinter der Medienschelte ist klar

Wie angespannt das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei derzeit ist, lässt sich nicht nur an den Ausfällen des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegenüber der deutschen Regierung beobachten.

So wies er gestern Außenminister Gabriel mit den Worten zurecht: „Wer sind Sie, dass Sie so mit dem Präsidenten der Türkei reden? Beachten Sie Ihre Grenzen!“ Gabriel hatte zuvor den Boykott-Aufruf Erdogans gegen deutsche Parteien scharf zurückgewiesen.

"Die Attacken gehen weiter"

Auch ein Blick in die Sonntagszeitungen der Türkei lässt erahnen, wie angespannt das Verhältnis ist. Viele türkische Medien sind Sprachrohr des AKP-Vorsitzenden, der deren politische Agenda mehr oder weniger direkt diktiert.

Betrachtet man die Titelseiten türkischer Zeitungen an diesem Freitag gibt es vor allem ein Thema: Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Außenminister Sigmar Gabriel.

"Die Attacken gegen Deutschland gehen auch in den türkischen Sonntagszeitungen weiter“, schrieb der regierungskritische türkische Journalist Abdullah Bozkurt, der im schwedischen Exil lebt, auf Twitter.

So schreibt die regierungsnahe "Star", dass "Deutschlands politische Führer angesichts Erdogans Drohungen in Panik geraten".

Die Zeitung "Yeni Akit" schreibt, "Nazi-Deutschland" sei zu einem Schutzort für Verräter der Türkei geworden. "Sie ist Erdogans beliebteste radikal-islamische Tageszeitung", schreibt Bozkurt.

Und "Takvim", die dem Erdogan-Clan gehört, schreibt, dass "Deutschlands politische Führer jetzt völlig durchdrehen."

Grund der scharfen Reaktion könnte auch der Fall um den festgenommen deutschen Schriftsteller Dogan Akhanli sein, in den sich die Bundesregierung am Samstag eingeschaltet hatte.

Wie der "Spiegel“ berichtet, habe Gabriel seine Diplomaten angewiesen, die Auslieferung des in Spanien festgenommenen Deutschtürken zu verhindern.

Spanische Polizeibeamte hatten den Schriftsteller auf Veranlassung der Türkei am Samstag in dem Urlaubsort Granada festgenommen. Akhanli hat keinen türkischen Pass, gilt aber als scharfer Kritiker von Staatschef Erdogan.

Die Regierung in Madrid muss jetzt aber noch der Auslieferung an die Türkei zustimmen. Gabriel und das Auswärtige Amt wollen nun Druck auf Spanien ausüben, damit es nicht soweit kommt.

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