Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP TOWER
Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen | Kevin Lamarque / Reuters
Drucken
  • Trump will die US-Gesellschaft spalten und die Institutionen zerstören
  • Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt er einen genauen Plan
  • Der zeigte sich in der vergangenen Woche überdeutlich

Wir müssen Klartext reden.

Darüber, wie die langfristigen Pläne von US-Präsident Donald Trump aussehen - wenn er denn wirklich die kommenden dreieinhalb Jahre im Weißen Haus überstehen will.

Als Trump in der vergangenen Woche in der Familienfestung, dem Trump Tower, sprach, warfen die Ereignisse von Charlottesville noch immer lange Schatten. Doch er hatte nicht vor, irgendjemanden von den Fakten zu überzeugen.

An diesen besteht kein Zweifel. Es reicht das Video von "Vice" anzuschauen, in dem abscheuliche Neonazis, Anhänger des Ku-Klux-Klans, Verfechter der weißen Vorherrschaft und verabscheuungswürdige Antisemiten mit Fackeln durch die Stadt zogen und dabei „Juden werden uns nicht ersetzen!“ skandierten.

Nein, der Präsident tat etwas Anderes.

Er spielte mit den Medien. Er wusste, dass in der marmornen Lobby des Trump Towers Scharen von Reportern auf ihn warteten. Und er stachelte diese ganz bewusst weiter an.

Er aalte sich in ihrem Empören und Entsetzen ob der Ereignisse von Charlottesville. Er inszenierte sich selbst als den Daniel der weißen Vorherrschaft, der sich in der „Fake News“-Löwengrube zur Wehr setzen muss.

Mehr zum Thema: Wenn die USA wie eine faschistische Diktatur erscheint - wie Deutschland derzeit auf Amerika blickt

Donald Trump will das Land zu zerstören

Haben ihn die daraus resultierenden Schlagzeilen und die scharfe Kritik getroffen?

Wohl kaum. Er hatte es darauf abgesehen.

Tatsächlich war Trump nach der Konfrontation, die er herbeigeführt hatte, in geradezu ausgezeichneter Stimmung. Er war entfesselt, befand sich mitten im Kampf. Und nur darum geht es.

Donald Trump scheint mehr als bereit zu sein, das Land zu zerstören, um seine Macht zu wahren.

Schaut man auf das gesamte Bild, bietet sich dasselbe Szenario. Trump ist an die Macht gelangt, indem er das Land gespalten hat. Aber nicht nur das Land, sondern auch seine Partei und teils sogar sein eigenes Wahlkampfteam. Sein Ziel ist es jetzt, jede Institution, Tradition oder Gruppe auf diese Weise zu spalten oder zu diskreditieren.

Donald Trump scheint mehr als bereit zu sein, das Land zu zerstören, um seine Macht zu wahren. Er tut alles, um das föderale politische System, wenn nicht sogar das gesamte amerikanische öffentliche Leben, zu untergraben, bevor die - zurzeit noch unabhängigen - Kräfte ihn untergraben, wie der Oberste Gerichtshof, die Presse und der Kongress.

Der letzte Überlebende einer Schlacht

Trumps Absicht ist es aus dem Chaos, das er selber streut, als Sieger hervorzugehen. Der letzte Überlebende einer Schlacht. Und auf einmal reduziert sich das Gewinnen nur noch auf die rohen, einfachen Ausdrücke, die Trump so schätzt: brutales Überleben.

Mit einer rekordverdächtig niedrigen Zustimmungsrate, weltweiten Krisenherden und einem Sonderermittlungsausschuss dicht auf den Fersen ist der größte Sieg, auf den er hoffen kann, einfach der, dass er im Amt überlebt.

Es ist nicht nur ein emotionaler Imperativ für Trump. Es ist eine gewollte und soweit erfolgreiche Strategie. Denn nichts treibt Trump so an, wie der Überlebenstrieb.

Wie macht er das? Das sind acht Punkte, die in Zukunft wichtig sein werden:

1. Mehr Proteste für die Rechte von Weißen

Wenn man einmal von seinen eigenen Wahlkampfveranstaltungen absieht, plant Trump solche Demonstrationen nicht. Aber er hat auch nichts dagegen, in Zukunft mehr von Protesten dieser Art zu sehen.

Er ruft ganz sicher nicht dazu auf, diese Proteste zu unterlassen. Allein an diesem Wochenende fanden fast ein Dutzend rechtsextreme Kundgebungen in den USA statt.

Mehr zum Thema: Experten warnen nach Charlottesville: Die nächste nationalistische Demonstration könnte noch schlimmer werden

2. Fokus auf Anti-Trump-Demonstranten

Trump gefällt sich in der Rolle des Anführers unter Belagerung.

Dieses Narrativ wird zusätzlich von den Bundesanwälten gestützt, die Vorladungen an Anti-Trump-Demonstranten ausgestellt haben, die bei Trumps Amtseinführung zugegen waren.

Mehr zum Thema: Radikale Rechte gegen Linke: Warum die Spaltung in den USA ein gefährliches Ausmaß erreicht hat

3. Fokus auf „Wähler-Betrug“

Das ist kein substanzielles Problem. Aber durch die Fokussierung auf den Wählerbetrug bietet sich Trump eine bedeutende Möglichkeit, Wählerstimmen für die Demokraten zu verhindern.

Zusätzlich sind die Demokraten so gezwungen, doppelt hart für das Thema Minderheitenrechte und den Stimmgewinn auf dieser Seite zu kämpfen.

4. Die Presse anstacheln

In einem Tweet am Mittwoch nahm Trump Amazon ins Visier. Trump beschuldigte Amazon, dem städtischen Einzelhandel großen Schaden zuzufügen.

Nicht ganz unwichtig: Amazon-Chef Jeff Bezos ist außerdem Besitzer der "Washington Post".

Trump wird seine Munition auch zukünftig in Richtung der großen Nachrichtenplattformen und anderer Medien abfeuern, denn eines weiß er sicher: Je empörter die Medien reagieren, desto weniger werden Trumps Anhänger ihnen Glauben schenken.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

5. Zeugen beschaffen

Trumps früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort verkündete, nicht mit den Ermittlern der Russlanduntersuchungen zu kooperieren.

Diese Botschaft war vor allem für Trump bestimmt. Manafort, der in engem Kontakt zu ukrainischen Verbündeten von Wladimir Putin stand, möchte verhindern, dass sein rachsüchtiger früherer Vorgesetzter denkt, er sei auf die andere Seite „übergelaufen“.

Aber die Verbündeten von Donald Trump haben vorgesorgt. Der Trump-nahe "National Enquirer" hat vor kurzem eine lange Reportage veröffentlicht, in dem behauptet wurde, Manafort habe eine ungesunde Beziehung zu einer jungen Frau unterhalten und so sein Land „betrogen“.

6. Gerichte beeinflussen

Das ist ein kritischer Punkt. Trump versucht die Stellen zu beeinflussen, an denen über seine Attacken auf die Bürgerrechte, das Wahlrecht und die öffentliche Ordnung geurteilt wird.

Hier wird auch Sonderermittler Robert Mueller die Untersuchung derjenigen beantragen, die sich in Trumps innerem Kreis befinden. Und anders als andere Stellen in der Trump-Regierung, wo Unterbesetzung und Chaos an der Tagesordnung sind, arbeitet die Federalist Society, die zu großen Teilen für die Auswahl der Richter mitverantwortlich ist, extrem effizient.

Bisher überwiegen zwar noch die von den Demokraten nominierten Richter. Aber schon in ein oder zwei Jahren könnte Trump sich hier einen persönliche Schutzwall errichtet haben.

7. Obamacare abschaffen

Selbst viele Republikaner wollen Nothilfen in das marode Gesundheitssystem pumpen. Sei es nur, um Obamacare zu stützen bis man sich endgültig auf einen Ersatz geeinigt hat. Aber Trump favorisiert eine vollständige Vernachlässigung von Obamacare, er möchte die Gesundheitsreform seines Vorgängers scheitern sehen.

Das Programm hat zudem den politischen Vorteil, dass es die Demokraten in einem Schlüsselpunkt spaltet. Senator Bernie Sanders aus Vermont und seine Verbündeten befürworten derzeit eine medizinische Versorgung für alle - eine Bewährungsprobe für die Opposition.

Andere liberale Demokraten warnen bereits, dass ein solches System kontrovers und unrealistisch sei. Das ist Musik in Trumps Ohren.

8. Die magische Zahl Vierunddreißig

Trump muss sich vielen republikanischen Senatoren gegenüber loyal zeigen, um zu verhindern, dass sie sich in einem Amtsenthebungsverfahren gegen ihn stellen könnten - sollte es denn so weit kommen.

Die Anzahl dieser Senatoren kennt Trump genau, das gehört zu seiner Strategie. Er verlässt sich lieber auf eine kleine Zahl von Unterstützern, die fest und unerschütterlich zu ihm stehen, als auf eine Menge unzuverlässiger Parteigenossen.

Das hat schon bei den Wahlmännern in der Präsidentschaftswahl im letzten Jahr funktioniert und wäre sicher auch in einem Amtsenthebungsverfahren von Erfolg gekrönt.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Mehr zum Thema: Keith Mines hat Bürgerkriege auf der ganzen Welt studiert - er warnt: Die USA steuern geradewegs auf einen zu

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(mf)