Angela Merkel beschuldigt Erdogan, Interpol zu missbrauchen

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Angela Merkel beschuldigt Erdogan, Interpol zu missbrauchen | dpa
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  • Der Kölner Schriftsteller Akhanli ist nach einem Tag im Gefängnis wieder frei
  • Die Türkei hatte seine Festnahme beantragt
  • Nun kritisiert Kanzlerin Merkel das Vorgehen Ankaras

Der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli ist frei.

Damit ist der Fall aber nicht erledigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die auf Wunsch der Türkei erfolgte Festnahme des türkeistämmigen Autors in Spanien kritisiert. "Ich sage dazu, dass das aus meiner Sicht nicht geht", erklärte Merkel am Sonntag in Berlin in der RTL-Fragerunde mit Bürgern "An einem Tisch mit Angela Merkel: Deutschland fragt nach".

Sie sei sehr froh, dass Spanien Akhanli, der auschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, erst einmal freigelassen habe. Die Bundesregierung sei mit Spanien in Kontakt. "Ich würde auch jederzeit den Ministerpräsidenten anrufen", sagte Merkel. Man dürfe die internationalen Organisationen wie Interpol nicht "für sowas" missbrauchen.

Kampfansage an Deutschland

Für Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz ist die Festnahme des Schriftstellers eine direkte Kampfansage an Deutschland.

"Wie schon beim G-20-Gipfel und bei der Übergabe der vermeintlichen Gülen-Liste an den BND versucht Erdogan hier, über internationale Kooperationsverhältnisse Deutschland maximal zu provozieren. Er will offenbar nicht nur einen Keil zwischen Deutschland und die Türkei treiben, er will tatsächlich final spalten", erklärte von Notz der "Welt".

Die spanische Polizei hatte Akhanli am Samstag auf Grundlage einer sogenannten Red Notice der Internationalen Polizeibehörde Interpol festgenommen. Damit kann ein Staat die anderen Länder um die Festnahme einer Person bitten. Der Auftrag war aus der Türkei gekommen. Am Sonntag kam der Schriftsteller frei, muss aber vorerst in Madrid bleiben. Er lebt seit 1991 in Deutschland.

(Mit Material der dpa)

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(sk)

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