"Erdogans Verhalten trägt paranoide Züge": Schulz attackiert den türkischen Präsidenten nach der Verhaftung von Dogan Akhanli

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SCHULZ
"Erdogans Verhalten trägt paranoide Züge": Schulz attackiert den türkischen Präsidenten nach der Verhaftung von Dogan Akhanli | Getty
Drucken
  • Der deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli ist am Samstagmorgen in Spanien verhaftet worden - auf Betreiben der Türkei
  • Für SPD-Chef Martin Schulz ist das ein "ungeheuerlichen Vorgang"
  • Aus seiner Sicht ist das Verhalten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht mehr rational

Der deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli ist jäh aus seinem Urlaub in Spanien herausgerissen worden. Die örtliche Polizei hat den türkischstämmigen 60-Jährigen am Samstagmorgen auf Betreiben der Türkei festgenommen.

In Deutschland sorgt der Fall nun für Aufregung.

So verurteilte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Festnahme Akhanlis als "ungeheuerlichen Vorgang". "Das Verhalten von Präsident Erdogan trägt inzwischen paranoide Züge", sagte der SPD-Chef der "Bild am Sonntag". "Es muss mit aller Vehemenz darauf gedrungen werden, dass Herr Akhanli nicht in die Türkei ausgeliefert wird und stattdessen schnellstmöglich freigelassen wird."

Schulz: "Müssen uns Erdogan entgegenstellen und sagen: So nicht!"

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, man werde in dem Fall auf die spanischen Behörden zugehen. Es ist nach wie vor unklar, was genau dem Schriftsteller aus Köln vorgeworfen wird.

Es sei schon ein Skandal, wenn Erdogan in der Türkei unschuldige Menschenrechtsaktivisten und Journalisten verhaften lasse, betonte Schulz. "Wenn er dies nun auch außerhalb des Territoriums der Türkei versucht, müssen wir uns als Europäer dem entschlossen entgegenstellen und sagen: So nicht!"

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir forderte, die EU müsse ihre polizeiliche Zusammenarbeit mit der Türkei auf den Prüfstand stellen. "Es gilt jetzt, jeden Hinweis, der vom Erdogan-Regime kommt, genauestens zu prüfen, denn offensichtlich arbeitet die türkische Justiz nicht nach rechtsstaatlichen Prinzipien", sagte Özdemir dem Berliner "Tagesspiegel".

Verhaftet und gefoltert

Dogan Akhanli hat bereits früh Erfahrungen mit politischer Verfolgung gemacht. Er wurde als Mitglied der kommunistischen TDKP gesucht und 1984 verhaftet. Von 1985 bis 1987 war er in Istanbul in einem Militärgefängnis inhaftiert. In dieser Zeit sei er auch gefoltert worden, berichtete Akhanli später.

Im Jahr 1991 setzte er sich nach Deutschland ab, wo er als politischer Flüchtling anerkannt wurde und später die deutsche Staatsbürgerschaft annahm.

Akhanli ist Mitarbeiter des Vereins Recherche International, der sich mit der Aufarbeitung der im vergangenen Jahrhundert begangenen Völkermorde befasst und auch die Verbrechen an den Armeniern immer wieder zum Thema gemacht hat.

In Deutschland wurden seine Projekte für einen offenen Umgang mit historischer Gewalt und für Versöhnung mehrfach ausgezeichnet, etwa vom Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Akhanli versteht sich selbst als politischer Schriftsteller, aber: "Die Literatur ist mir näher als die Politik." Vor allen Dingen wolle er gute Geschichten erzählen. Wenn man aber über Genozid, Vergessen und die heutigen Probleme der Türkei schreibe, da könne man nicht sagen, dass man das nur aus Lust an Literatur mache.

(Mit Material der dpa)

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg