Erdogan lässt Kölner Schriftsteller im Spanien-Urlaub festnehmen

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FESTNAHME
Erdogan lässt den Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli im Spanien-Urlaub festnehmen | dpa
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  • Die Türkei macht weiterhin Jagd auf Kritiker
  • Nun trifft es den türkeistämmigen Schriftsteller Dogan Akhanli
  • Die spanische Polizei nahm ihn im Urlaub fest - wegen eines alten Gesuchs

Der lange Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan reicht bis nach Spanien. In Granada im Süden des Landes machte der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli gerade zusammen mit seiner Lebensgefährtin Urlaub.

Doch der war am Samstagmorgen jäh zu Ende. Die spanische Polizei nahm den 60-Jährigen in seinem Feriendomizil fest - auf Verlangen der Türkei. Sein Anwalt erklärte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", den Beamten habe eine sogenannte Red Notice, ein Dringlichkeitsvermerk der internationalen Polizeibehörde Interpol gegen seinen Mandanten vorgelegen.

Der türkeistämmige Schriftsteller, der seit 1992 in Köln lebt, muss nun damit rechnen, in Spanien festgehalten zu werden. Und zwar solange, bis über eine Auslieferung in die Türkei entschieden wird.

Doch was wird ihm vorgeworfen?

"Die jetzige Festnahme zeigt den Versuch Erdogans, seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen"

Die Türkei beschuldigt den erklärten Erdogan-Gegner, einen Raubmord begangen zu haben - zu einem Zeitpunkt, zu dem er nach Angaben seines Anwalts gar nicht im Land war, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet.

Akhanli wurde zwar 2011 wegen mangelnder Beweise freigesprochen. Zum Entsetzen vieler Beobachter wurde der Freispruch allerdings zwei Jahre später schon wieder aufgehoben. Aus Sicht vieler Kritiker galt das Verfahren als politisch motiviert. Denn der Schriftsteller setzte sich kritisch mit dem Völkermord an den Armenien durch die Jungtürken im Osmanischen Reich auseinander. Der Massenmord wird von der Türkei bis heute bestritten.

Akhanlis Anwalt Ilias Uyar erklärte auf Facebook: "Die jetzige Festnahme zeigt den Versuch Erdogans, seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen und weltweit gegen unliebsame und kritische Stimmen vorzugehen."

Der Haftbefehl sei "eindeutig rechtsmissbräuchlich". Uyar fordert die sofortige Freilassung seines Mandanten.

Volker Beck drängt auf sofortige Freilassung

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat das Auswärtige Amt gebeten, eine Auslieferung an die Türkei zu verhindern und die sofortige Freilassung von Akhanli zu erwirken.

Seit dem Putschversuch im Juli 2016 nahmen türkische Behörden nach Angaben des Auswärtigen Amtes 22 deutsche Staatsbürger fest. Neun von ihnen sitzen derzeit noch in Haft, darunter auch die "Welt"-Reporter Deniz Yücel und die Journalistin Meşale Tolu.

Allen Inhaftierten werden politische Straftaten vorgeworfen. Zwar bemüht sich die Bundesregierung um deren Freilassung, bislang jedoch ohne Erfolg.

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