Erdogans Marschbefehl: Wie jetzt alle türkischen Zeitungen gegen die Kanzlerin hetzen

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AKSAM
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  • Viele türkische Tageszeitungen attackieren heute die deutsche Kanzlerin
  • Die politische Agenda hinter der Medienschelte ist klar

Wenn dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein Medienbericht nicht gefällt, hat das Konsequenzen. Dutzende Journalisten sitzen in der Türkei wegen ihrer kritischen Berichterstattung in Haft – zumeist aufgrund von fingierten Terrorvorwürfen.

Sogar die regierungsnahe Tageszeitung "Hürriyet“ tauschte im März ihren Chefredakteur aus, nachdem Erdogan heftige Kritik an einer Titelstory des größten türkischen Blattes geäußert hatte.

Doch Erdogans Macht über die Medien zeigt sich noch auf anderem Wege: Der AKP-Vorsitzende diktiert offenbar mehr oder minder direkt die politische Agenda der türkischen Tagespresse.

Betrachtet man die Titelseiten türkischer Zeitungen an diesem Freitag gibt es vor allem ein Thema: Angela Merkel. "Erdogan hat seinen Medien den Marschbefehl gegeben, Merkel zu attackieren“, schrieb der regierungskritische türkische Journalist Abdullah Bozkurt, der im schwedischen Exil lebt, auf Twitter.

Die "böse, globale Achse"

So warnte die Pro-AKP-Zeitung "Star“ von einer "bösen globalen Achse“ gegen die Türkei, die Merkel anführen wolle.

Die "Aksam“ schrieb ebenfalls von einer „feindlichen“ deutschen Politik gegenüber der Türkei.

"Merkel ermutigt Rassismus"

Die “Milat” wirft Merkel Terrorunterstützung vor und fragt, ob Deutschland “Freund oder Feind” sei.

Auch die englischsprachige “Daily Sabah” veröffentlichte am Freitag einen Kommentar, in dem die Zeitung der Kanzlerin vorwirft, mit einem angestrebten Ende der türkischen EU-Beitrittsverhandlung der Türkei und der EU zu schaden.

"Merkel ermutigt Rassismus, lässt Deutschland allein und schädigt deutsche Firmen und das deutsche Volk“, schreibt die "Daily Sabah“.

Merkel hatte am Mittwoch im Interview mit vier YouTubern die Inhaftierung mehrerer Deutscher in der Türkei kritisiert. Zum inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel habe man einigen Zugang bekommen, aber die Lage sei "extrem unzufriedenstellend“, sagte Merkel.

Sie sei daher unter anderem gegen eine Vertiefung der Zollunion. "Auf jeden Fall werde wir zurzeit die Erweiterung der Zollunion, die Verbesserung, nicht machen mit der Türkei“, sagte sie. Auch Beitrittshilfen gebe es nur dort, "wo wir genau wissen, wo das Geld ankommt“.

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(jg)

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