Trumps Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus

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STEVE BANNON
EIL: Medienberichte: US-Präsident Trump feuert seinen Chefstrategen Bannon | Carlos Barria / Reuters
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  • US-Präsident Donald Trump hat laut einem Medienbericht entschieden, seinen Chefstrategen Steve Bannon zu entlassen
  • Bannon galt als wichtigster Berater im Weißen Haus - und hat die populistische Linie von Trump maßgeblich geprägt

Donald Trumps umstrittener Chefstratege Stephen Bannon verlässt das Weiße Haus. Das berichtete zunächst die "New York Times" am Freitag. Die US-Regierung bestätigte die Meldung später.

Bannon hatte demnach am Freitag seinen letzten Arbeitstag im Weißen Haus. Stabschef John Kelly und Bannon hätten sich darauf geeinigt.

Laut dem Bericht der "New York Times" habe der 63-Jährige bereits am 7. August seinen Rücktritt eingereicht, nach den rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville sei dieser Schritt jedoch verschoben worden.

Schon länger machten Gerüchte in Washington die Runde, dass Bannon sich nicht mehr lange im Weißen Haus halten werde.

Bannon, der Leaker

Bannon galt als zentrale Figur im US-Wahlkampf und während der Anfangszeit von Trumps Präsidentschaft. Medien bezeichneten ihn schon als "Schattenpräsidenten", so viel Einfluss wurde ihm zugerechnet.

Zuletzt soll er jedoch an Vertrauen bei Trump eingebüßt haben. Der US-Präsident hatte Bannon laut Medienberichten in Verdacht, vertrauliche Informationen an die Presse weitergegeben zu haben.

Auch der nach nur wenigen Tagen geschasste Kommunikationschef Anthony Scaramucci hatte Bannon deswegen schwere Vorwürfe gemacht.

Bannons Abgang ist einer von vielen Personalwechseln und Entlassungen im Weißen Haus in den vergangenen Wochen. In kurzer Zeit verließen mehrere zentrale Figuren die Trump-Regierung: Pressesprecher Sean Spicer, Stabschef Reince Priebus, Kommunikationschef Scaramucci - und nun eben Bannon.

Bizarres Interview am Dienstag

Noch am Dienstag gab sich Bannon kämpferisch. In einem bizarren Telefonat mit einem Reporter des linksliberalen Magazins "American Prospect" erzählte er von seinen Plänen, einen Handelskrieg mit China zu starten. Auch seine politischen Gegner kritisierte er scharf.

"Sie machen sich in die Hose", erklärte der rechte Stratege - und sprach offen davon, kritische Stimmen im Weißen Haus einfach auszutauschen.

Nun hat Bannon den internen Machtkampf im Weißen Haus offenbar verloren.

Der Prophet der Apokalypse

Bannon bildete die Anti-These zum Lager der etablierten republikanischen Politiker um Trump. Er fiel oft allein durch seine schlabbrigen Hosen und unrasierten Wangen auf.

Bevor Bannon 2016 Wahlkampfleiter von Trump wurde, leitete er die Nachrichtenwebseite Breitbart News. Breitbart ist für seine Hetze und populistischen Artikel bekannt - eine Linie, die Bannon im Wahlkampf und im Weißen Haus weiterführte. Zusammen mit Berater Stephen Miller gilt er als Architekt von Trumps "America First"-Kurs.

Bannon hängt einer fatalistischen Weltsicht an. Er glaubt, dass sich der Westen in einem Kulturkampf mit dem Islam befindet - und die USA unweigerlich auf einen Konflikt mit China zusteuern. Der Krieg, die große Krise: In Bannons Weltbild sind sie unausweichlich.

Kritiker sahen in Bannon zuletzt den geistigen Brandstifter für die gewalttätigen Krawalle in Charlottesville. Bei einer Demonstration tötete dort ein Anhänger der White-Supremacy-Bewegung eine Gegendemonstrantin. Mehrere Republikaner forderten den Rücktritt Bannons.

Kelly greift offenbar durch

Aber auch intern im Weißen Haus war Bannon mehr und mehr ins Abseits geraten. Bannon gilt als Gegner von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der eine liberalere Linie verfolgt.

Der neue Stabschef Kelly bemüht sich, für mehr Disziplin in den Reihen der Trump-Regierung zu sorgen.

Wie der US-Sender CNN berichtet hatte, wollte Kelly den umstrittenen Chefstrategen loswerden - weil der sich vor allem seiner eigenen Agenda verpflichtet fühlte.

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