Terror in Spanien: Was wir wissen und was nicht

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BARCELONA
Terror in Spanien: Was wir wissen und was nicht? | dpa
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  • Ein Terror-Anschlag erschüttert Barcelona, mehrere Menschen sterben, Dutzende werden verletzt
  • Stunden später erschießt die Polizei fünf mutmaßliche Attentäter - beide Fälle sollen zusammenhängen
  • Was wir derzeit über die Attacke wissen - und was nicht

Der Terror hat das südeuropäische Urlaubsland Spanien erreicht.

In Barcelona pflügte am Donnerstagnachmittag ein Attentäter mit einem Kleintransporter durch die beliebte Fußgängerzone Las Ramblas. Wenig später wurden zwei weitere Verdächtige festgenommen.

In der Nacht dann bereits der nächste Schlag: Die Polizei erschießt fünf mutmaßliche Terroristen im 100 Kilometer südlich gelegenen Cambrils.

Vieles ist nach wie vor unklar, doch einiges ist bereits jetzt bekannt. Das sind die Fakten:

Was wir bisher wissen:

Der Ablauf der ersten Attacke:

Gegen 16.50 Uhr ist ein weißer Lieferwagen über die beliebte Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona gerast und hat Dutzende Menschen angefahren. Der Transporter fuhr mehreren Augenberichten zufolge im Zickzack-Kurs gezielt in Menschengruppen hinein.

Nach Angaben der Zeitung "El Periódico de Catalunya" legte der Fahrer auf den Ramblas gut 550 Meter zurück, ehe er das Auto auf dem Plaça Boqueria stoppte.

Der Mann konnte zunächst zu Fuß fliehen. Die Polizei riegelte den Bereich ab und versorgte die Opfer. Für viele kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich um einen weißen Lieferwagen einer Leihwagenfirma. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben die katalanischen Zeitungen "La Vanguardia" und "El Periódico de Catalunya" unter Berufung auf die Polizei.

Der Ablauf der zweiten Attacke:

Etwa acht Stunden später fuhr ein Audi A3 in Cambrils mehrere Fußgänger um. Nach spanischen Medienangaben seien die Täter von der Polizei kontrolliert worden. Als dieser nach einer Verfolgung umgekippt sei, seien sie geflohen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Im weiteren Verlauf erschoss die Polizei vier der Attentäter, ein fünfter starb später an seinen Verletzungen.

Die Erschossenen sollen laut Polizei Sprengstoffgürtel getragen haben, diese wurden kontrolliert gesprengt.

Die katalanische Regierung bestätigte, dass beide Taten im Zusammenhang stehen.

Die Opferzahlen:

Nach Angaben der katalanischen Regierung hat es in Barcelona 13 Todesopfer und mehr als 100 Verletzte gegeben. Spaniens Innenminister Joaquim Forn rechnete am Donnerstagabend damit, dass die Zahl der Todesopfer noch ansteigen werde.

Unter den Toten sind auch drei Deutsche sein, wie das ZDF aus Sicherheitskreisen erfuhr. Das Auswärtige Amt hat das bisher jedoch nicht bestätigt.

Die Opfer stammen aus 18 verschiedenen Nationalitäten, wie die spanische Zivilschutzbehörde mitteilte, darunter Frankreich, Belgien, die Niederlande, Griechenland, Venezuela, Australien, Ireland, Peru, Algerien und China.

In Cambrils wurden sieben Menschen verletzt, darunter ein Polizist. Zwei der Verletzten befinden sich in kritischer Verfassung, wie der katalanische Zivilschutz berichtet.

Ein dritter Tatort:

Bereits am Mittwoch gab es laut Behörden eine Explosion in einem Wohnhaus in dem Ort Alcanar. Bei der Gasexplosion in der Provinz Tarragona etwa 200 Kilometer südlich von Barcelona seien ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt worden, erklärte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero. Auch hier gebe es "klare" Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona.

Nach Informationen der Zeitung "El Pais" sollen in dem Haus etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein. Dort sei der Anschlag von Barcelona vermutlich vorbereitet worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf die katalanische Polizei.

Die Festnahmen:

Zwei Verdächtige, die in Verbindung mit dem Angriff in Barcelona stünden, seien festgenommen worden, sagte Polizeichef Josep Lluís Trapero. Einer der beiden Männer sei ein Marokkaner, der andere komme aus der spanischen Exklave Melilla. Der Fahrer des Lieferwagens gehört nicht zu den beiden Festgenommenen. Am Freitagmorgen nahm die Polizei einen dritten Verdächtigen fest.

Die spanische Polizei veröffentlichte noch am Donnerstag ein Foto des Marokkaners, der den Kleintransporter gemietet haben soll. Der Mann heißt Driss Oukabi. Der Mann mit dieser Identität erklärte allerdings der Polizei, ihm seien seine Papiere gestohlen worden.

Die Zeitung "La Vanguardia" berichtet, dass sich Oukabi in seinem Heimatort in Frankreich befindet. Laut spanischen Medien ist nun Oukabirs Bruder Moussa terrorverdächtig.

Der Fahrer:

Der Fahrer des Lieferwagens ist weiterhin auf der Flucht. Das teilte die Polizei Donnerstagnacht mit.

Terror-Anschlag:

Die Polizei geht zumindest in Barcelona von einem Terroranschlag aus. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag für sich reklamiert und spricht von mehreren Tätern. Allerdings ist unklar, ob die Täter wirklich Kontakt zum IS hatten.

Der Vorfall in Cambrils wurde noch nicht offiziell eingestuft.

Die angebliche Geiselnahme:

Früh berichteten verschiedene Medien von Schüssen in der Innenstadt. Ein Mann sollte sich in einem türkischen Restaurant oder einem Cafe verschanzt und mehrere Geiseln genommen haben, hieß es in Berichten.

Die Polizei dementierte das jedoch. Niemand habe sich verschanzt.

Hat die Polizei einen weiteren Tatverdächtigen von Barcelona erschossen?:

Laut mehreren Berichten haben Polizisten einen weiteren Mann erschossen. Demnach soll der Mann in Sant Just Desvern, einem Vorort von Barcelona, versucht haben eine Straßensperre zu durchbrechen. Er soll dabei zwei Polizisten verletzt haben.

Laut dem katalanischen Polizeipräsidenten soll der Erschossene aber in keiner Verbindungen zu den Taten gestanden haben.

Was wir nicht wissen:

Das Motiv:

Die spanische Polizei spricht von einem Terroranschlag. Die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, dass Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in sozialen Netzwerken den Anschlag in Barcelona ähnlich feierten wie seinerzeit die Attacke in Manchester.

Der Oberrabbiner von Barcelona, Meir Bar-Hen, sagte am frühen Abend, es habe nicht den Anschein, dass der Anschlag gezielt gegen Juden gerichtet gewesen sei. An der Anschlagsstrecke liegt auch das jüdische Restaurant "Maccabi".

Gibt es mehrere Täter?:

Am Abend war unklar, wie viele Menschen in dem Lieferwagen gesessen haben. Berichte gingen teilweise von bis zu drei Tatverdächtigen aus. Auch die Identität des dritten Verdächtigen liegt noch im Dunklen.

Gab es mehrere Fluchtfahrzeuge?:

Für Verwirrung sorgten außerdem Berichte, dass die Polizei ein weiteres Fahrzeug sichergestellt habe. Dabei soll es sich offenbar um einen Fluchtwagen gehandelt haben. Darüber berichtete die katalanische Zeitung "La Vanguardia".

Unklar ist auch, inwieweit der Mann, der zwei Beamte bei einer Straßensperre angefahren hat, mit dem Anschlag in Verbindung steht.

Mit Material der dpa.

Mehr zum Thema: Alle Informationen zum Anschlag in Barcelona im Live-Blog

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