"Erteilt ihnen eine Lehre": Erdogan stachelt vor der Bundestagswahl die Deutschtürken auf

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ERDOGAN SPEECH
"Erteilt ihnen eine Lehre": Erdogan stachelt vor der Bundestagswahl die Deutschtürken auf | Murad Sezer / Reuters
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  • Erdogan hat die Deutschtürken zu einem Wahlboykott von SPD, CDU und Grünen aufgefordert
  • Seine Begründung: Die Parteien seien "Feinde der Türkei"

Recep Tayyip Erdogan mischt sich in den Bundestagswahlkampf ein. Der türkische Präsident hat die rund 1,5 Millionen türkischstämmigen Menschen in Deutschland aufgefordert, den deutschen Parteien "eine Lehre zu erteilen".

Die Deutschtürken sollten bei der Wahl am 24. September für Parteien stimmen, die die aktuelle anti-türkische Politik nicht mittragen. "Ich fordere alle meine Landsleute in Deutschland auf (...), weder die Christdemokraten, noch die SPD, noch die Grünen zu wählen", sagte Erdogan.

Die drei Parteien seien "Türkeifeinde", erklärte Erdogan nach dem Freitagsgebet in Istanbul. Die Parteien würden – so Erdogan – um Stimmen buhlen, indem sie auf die Türkei einschlagen.

Die in Deutschland lebenden Türken sollten stattdessen Parteien unterstützen, die sich der Türkei gegenüber nicht feindlich verhielten.

Konflikt nimmt Fahrt auf

Der Konflikt zwischen Deutschland und der Türkei nimmt wieder an Fahrt auf, nachdem Kanzlerin Angela Merkel die türkische Regierung am Mittwoch in einem Interview kritisiert hatte.

In einem Gespräch mit vier YouTubern kritisierte die CDU-Chefin die Inhaftierung mehrerer Deutscher in der Türkei. Zum inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel habe man einigen Zugang bekommen, aber die Lage sei "extrem unzufriedenstellend“, sagte Merkel.

Sie sei daher unter anderem gegen eine Vertiefung der Zollunion. "Auf jeden Fall werden wir zurzeit die Erweiterung der Zollunion, die Verbesserung, nicht machen mit der Türkei", sagte sie. Auch Beitrittshilfen gebe es nur dort, "wo wir genau wissen, wo das Geld ankommt“.

Türkische Zeitung: "Merkel ermutigt Rassismus"

Auch die Titelseiten türkischer Zeitungen waren voll mit kritischen Berichten über die angeblich "antitürkische" Politik der Kanzlerin.

So veröffentlichte die englischsprachige “Daily Sabah" am Freitag einen Kommentar, in dem die Zeitung der Kanzlerin vorwirft, mit einem angestrebten Ende der türkischen EU-Beitrittsverhandlung der Türkei und der EU zu schaden.

"Merkel ermutigt Rassismus, lässt Deutschland allein und schädigt deutsche Firmen und das deutsche Volk“, schreibt die "Daily Sabah“.

Auch die Pro-AKP-Zeitung "Star“ berichtet von einer "bösen globalen Achse“ gegen die Türkei, die Merkel anführen wolle.

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(mf)

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