Die Polizei vermutet hinter den Anschlägen in Spanien eine Terrorzelle - das war ihr perfider Plan

Veröffentlicht: Aktualisiert:
POLICE SPAIN 2017
Die Polizei vermutet hinter den Anschlägen in Spanien eine Terrorzelle - das war ihr perfider Plan | Reuters TV / Reuters
Drucken
  • Hinter den Attacken in Spanien vermutet die Polizei eine Islamisten-Zelle
  • Die Terroristen sollen eine oder mehrere Attacken mit größerem Umfang geplant haben
  • 4 Fakten über die mutmaßliche Terrorzelle in Spanien

Erst rast ein Lieferwagen über den beliebten Boulevard Las Ramblas in Barcelona, dann verhindern Polizisten nur 100 Kilometer entfernt in Cambrils einen weiteren Anschlag. Der Terror am Donnerstag und Freitagmorgen erschüttert Spanien.

Der mutmaßliche Haupttäter und Fahrer des Lieferwagens in Barcelona ist laut Medienberichten tot. Polizeibeamte sollen ihn mit vier weiteren Tatverdächtigen in Cambrils erschossen haben.

Hinter den Terrorattacken vermutet die Polizei nach ersten Erkenntnissen eine organisierte Islamisten-Zelle. Die Angreifer haben laut des katalanischen Polizeichefs Josep Lluís Trapero "eine oder mehrere Attacken mit größerem Umfang" in Barcelona geplant - und zwar von langer Hand.

Das wissen wir über die mutmaßliche Terrorzelle in Spanien:

1. Die CIA warnte offenbar schon vor Monaten vor einem Anschlag

Die spanische Zeitung "El Periódico" berichtete am Freitag, dass der US-Geheimdienst CIA die Polizei schon vor zwei Monaten vor einem Anschlag auf die katalanische Hauptstadt gewarnt habe. Dabei sei auch explizit die Flaniermeile Las Ramblas als mögliches Ziel genannt worden.

Offenbar war die Attacke also schon länger geplant. Auch die renommierte Terror-Expertin Rita Katz von der SITE Intelligence Group berichtete über Nachrichten in den sozialen Netzwerken, die bereits vor zwei Wochen einen Anschlag des sogenannten Islamischen Staates (IS) ankündigten.

Der IS hat sich zu dem Anschlag in Barcelona bekannt. Ob die Angreifer aber wirklich mit der Dschihadisten-Miliz in Kontakt standen, müssen Ermittlungen erst noch belegen.

Mehr zum Thema: Die islamistischen Anschläge in Europa seit 2015 haben eine beunruhigende Gemeinsamkeit

2. Am Mittwoch explodieren mehrere Gasbehälter in einem Wohnhaus

Bereits am Mittwoch kam es zu einem Vorfall in der kleinen Ortschaft Alcanar. In einem Wohnhaus war dort ein Mensch bei einer Detonation ums Leben gekommen.

In dem Gebäude sollen nach Informationen von "El Pais" etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein. Hier sei möglicherweise der Anschlag vorbereitet worden. "Alles begann in Alcanar", titelte das Blatt.

Polizeichef Trapero sagte laut der britischen Tageszeitung "The Guardian", die Gruppe habe die Gasflaschen in dem Haus wohl für einen Angriff gesammelt. Mittwochnacht sei etwas schiefgegangen - und die Flaschen seien explodiert.

"Die Explosion in Alcanar bedeutete, dass sie nicht länger das nötige Material hatten, um eine groß angelegte Attacke in Barcelona durchzuführen", sagte Trapero. "Sie wollten ursprünglich wahrscheinlich eine andere Art von Attacke verüben."

3. Es soll sich um eine gut vernetzte Gruppe handeln

Aus Ermittlerkreisen heiße es, alles deute daraufhin, dass es sich beim Angreifer in Barcelona nicht um einen sogenannten "einsamen Wolf" gehandelt habe - sondern er soll Teil einer gut vernetzten Gruppe gewesen sein. Das berichtet die spanische Nachrichtenagentur Efe.

Insgesamt hat die Polizei nun vier Tatverdächtige festgenommen. Beim Polizeieinsatz in Cambrils haben die Beamten fünf Tatverdächtige erschossen.

Nach wie vor sucht die Polizei allerdings nach drei Tatverdächtigen. Bei ihnen handelt es sich Männer marrokanischer Herkunft. Die Polizei gehe davon aus, dass der Terrorzelle etwa zwölf Mitglieder angehörten, berichtet "El Pais".

4. Die Männer in Cambrils waren bewaffnet

Gegen 17 Uhr fuhr der Lieferwagen in Barcelona am Donnerstag in eine Menschenmenge. 14 Menschen, über hundert weitere werden verletzt. Beim Fahrer des Wagens soll es sich um einen 17-Jährigen mit dem Namen Moussa Oukabir.

In Cambrils waren dann fünf Terroristen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach Angaben der Polizei kurz davor, einen ähnlichen Anschlag wie in Barcelona zu verüben.

Die Männer ergriffen jedoch die Flucht, als sie mit ihrem Auto von der Polizei gestoppt wurden. Die Verdächtigen seien davongerast und hätten Passanten angefahren, hieß es. Dabei wurden sieben Menschen verletzt, eine Frau starb später.

Auf der Flucht kippte das Fahrzeug um. Nach Angaben der Polizei verließen die Insassen mit Äxten und Messern bewaffnet das Fahrzeug. Sie waren offenbar fest entschlossen, so viele Menschen wie möglich zu töten.

Zunächst hatte es geheißen, die fünf Männer hätten Sprengstoffgürtel getragen. Diese erwiesen sich später jedoch als Attrappen, teilte die katalanische Polizei mit. Ein einzelner Beamter habe allein vier der fünf Männer erschossen. Ein Kollege habe den fünften Verdächtigen getötet.

Die Polizei konnte so Schlimmeres verhindern.

Mit Material der dpa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen