Merkel mahnt Erdogan: "Wir verbitten uns jede Art von Einmischung"

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ERDOGAN MERKEL
Merkel mahnt Erdogan: Wir verbitten uns jegliche Einflussnahme | Umit Bektas / Reuters
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  • Die Bundesregierung hat den türkischen Präsidenten für seine jüngsten Äußerungen kritisiert
  • Erdogan hatte Deutschtürken geraten, bei der Bundestagswahl nicht die CDU, die SPD oder die Grünen zu wählen

Die Bundesregierung hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ermahnt, sich nicht in die Bundestagswahl einzumischen.

"Wir verbitten uns jede Art von Einmischung", sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag bei einer Wahlveranstaltung in Herford, wie die "Welt" berichtet.

Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter am Freitagabend: "Zur jüngsten Äußerung von Präsident Erdogan: Wir erwarten von ausländischen Regierungen, sich nicht in unsere inneren Angelegenheiten einzumischen."

Erdogan wiegelt Deutschtürken auf

Erdogan hatte am Freitag in Istanbul die SPD und die CDU beschuldigt, im Wahlkampf eine "Schädigung der Türkei" zu betreiben - und dann eine Wahlempfehlung ausgesprochen.

"Ich fordere alle meine Landsleute in Deutschland auf, nicht den Fehler zu begehen und die zu unterstützen, weder die Christdemokraten, noch die SPD, noch die Grünen", sagte Erdogan. "Das sind alles Türkeifeinde."

Stattdessen forderte er die in Deutschland lebenden Türken auf, Parteien zu unterstützen, die sich der Türkei gegenüber nicht feindlich verhalten.

Gabriel: "Ein bislang einmaliger Akt des Eingriffs"

Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wies den Versuch der Einflussnahme empört zurück und warf Erdogan Hetze vor.

"Das ist ein bislang einmaliger Akt des Eingriffs in die Souveränität unseres Landes", sagte Gabriel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz konterte auf Twitter: "Erdogan hat jedes Maß verloren. Umso mehr stehen wir an der Seite all derer, die für eine freiheitliche und demokratische Türkei kämpfen."

Grünen-Chef Cem Özdemir fand Erdogans Aussagen "wenig überraschend". "Wir verstehen diese Erwähnung als Auftrag, weiterhin und entschlossen dafür zu arbeiten, dass der Einfluss von Erdogan auf Deutsch-Türken in unserem Land gestoppt wird", sagte er.

Der Konflikt zwischen Deutschland und der Türkei nimmt wieder Fahrt auf. Die Titelseiten mehrerer türkischer Zeitungen waren am Freitag voll mit kritischen Berichten über die angeblich "antitürkische" Politik der Kanzlerin.

Mit Material der dpa.

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