Münchnerin klagt an: Polizisten haben meine Wohnung durchsucht – einer ist mir bis auf die Toilette gefolgt

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Münchnerin klagt an: Polizisten haben meine Wohnung durchsucht - einer ist mir bis auf die Toilette gefolgt | Facebook
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  • Eine Münchner Wohngemeinschaft ist am Donnerstag durchsucht worden
  • Der Vorwurf: Ein Bewohner soll eine verbotene Flagge der Kurden-Miliz YPG auf Facebook geteilt haben
  • Jetzt gibt es schwere Vorwürfe gegen die Polizisten, die die Wohnung stürmten

Narges N. lebt in München. Am heutigen Donnerstag wurde die Frau gegen 6 Uhr unsanft aus dem Bett gerissen - von einem Unterstützungskommando (USK) der bayrischen Polizei. Zehn Beamte durchsuchten ihre WG.

Das berichtet die Frau in einem Facebook-Post. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die bayerische Polizei. Nicht nur, so beschreibt sie die Situation in ihrem Beitrag, hätten die Beamten des USK keinen Durchsuchungsbeschluss dabei gehabt. Einer der Polizisten soll ihr sogar noch auf die Toilette gefolgt sein.

Fahnen der YPG sind in Deutschland verboten

"Der Anlass unserer Hausdurchsuchung ist die Hochladung einer Fahne der 'YPG' auf dem Facebook-Account unseres Mitbewohners und zwar vor ungefähr sechs Monaten", schreibt die junge Münchnerin in ihrem Facebook-Beitrag.

Das Ziel der Untersuchung: "Laptops, USB-Sticks, Festplatten und Handys zu beschlagnahmen". Um Narges N. und ihrem Mitbewohner Kerem S. eine Sympathie für die Kurden-Miliz YPG nachzuweisen. Dessen ist sich Narges' Mitbewohner Kerem S. sicher.

Die PKK-nahe Miliz, die in Syrien gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat kämpft, hat in Deutschland keinen guten Stand. Erst im März setzte sich Bundesinnenminister de Maizière dafür ein, Symbole der YPG in Deutschland zu verbieten. Weil sie Chiffren für die verbotene türkisch-kurdische PKK sein könnten.

Narges N.s Mitbewohner soll dennoch eine YPG-Fahne auf Facebook gepostet haben. Und genau darum geht die bayerische Polizei jetzt offenbar gegen die Wohngemeinschaft vor. Er bestreitet den Vorwurf nicht. In einem eigenen Beitrag, in dem er über die Durchsuchung berichtet, schreibt er:

"Ich gebe es offen zu, ja, ich habe es getan. Ich habe, so wie zehntausend andere in Deutschland angemeldete Facebook-Nutzer, in der Vergangenheit immer wieder Fahnen der YPG, aber auch der Frauenverteidigungseinheiten YPJ gepostet."

Dazu postet er ein Bild einer Flagge der YPJ. Um die bayerische Polizei zu verspotten: "Um euch das 'Ermitteln' zu erleichtern, hier noch ein YPJ-Foto. Dann müsst ihr euch nicht die Mühe machen, so weit in meiner Timeline runter zu scrollen. So eine Sehnenscheidenentzündung am Finger holt man sich als Beamter schnell", schreibt Kerem S.

Die Münchner Polizei lässt die Vowürfe abprallen

Die Münchner Polizei äußerte sich gegenüber der HuffPost zu den Vorwürfen. "Für den Einsatz gab es einen gerichtlichen Durchsuchungsbeschluss", erklärte ein Sprecher in einem Statement. "In der Wohnung wurde ein Zimmer eines Mitbewohners (...) durchsucht. Dabei wurden Beweismittel sichergestellt", heißt es weiter.

Der Staatsschutz habe die Durchsuchung durchgeführt. Wegen eines Verstoßes gegen das Vereinsgesetz.

Zu dem Toiletten-Vorwurf bezieht die Polizei ebenfalls Stellung. Bestreitet aber, die Toilettengänge so genau überwacht zu haben, wie Narges N. in ihrem Facebook-Post behauptet. "Toilettenbesuche wurden den Bewohnern ermöglicht, die sie alleine erledigen konnten", heißt es von Seiten der bayerischen Polizei.

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(jds)

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