Seit 25 Jahren engagiert sie sich für Flüchtlinge – bei "Dunja Hayali" zieht SPD-Frau ein ernüchterndes Fazit

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  • Eine SPD-Lokalpolitikerin warnt, viele Flüchtlinge hätten völlig falsche Vorstellungen von Deutschland
  • Aber ebenso würde den Menschen die Perspektive fehlen
  • Oben im Video: Als es um die Verteilung von Flüchtlingen geht, macht Bosbach eine klare Ansage

Die Flüchtlingskrise ist zurück auf dem Radar der deutschen Medien. Auch ZDF-Moderatorin Dunja Hayali widmete sich in ihrer Talkshow nun einmal mehr dem ehemaligen Dauerbrenner-Thema "Europa und die Flüchtlinge".

Mit CDU-Innenexperte Wolfang Bosbach und der Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt diskutierte Hayali über die Verteilung von Flüchtlingen. Der Talk war wenig ergiebig. Doch nicht etwa, weil sich die Politiker in den Haaren lagen und zu keiner Übereinkunft kamen. Nein: Es herrschte allzu große Einigkeit.

Viele EU-Staaten müssten mehr Flüchtlinge aufnehmen, ein Abkommen mit Libyen sei in der derzeitigen Situation keine menschenwürdige Lösung – allgemein müsse etwas passieren.

Spannender wurde es, nachdem Hayali die beiden Politiker in den Feierabend verabschiedet hatte. Denn dann diskutierte die Moderatorin noch mit zwei Flüchtlingshelferinnen, die aus eigener Erfahrung berichten konnten, wie es ist, Integrationsarbeit zu leisten.

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Seit vier Jahren engagiert sich die CSU-Gemeinderätin Christine Domek-Rußwurm für Flüchtlinge, SPD-Frau Katja Schneidt ist bereits seit 25 Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv.

Und die Sozialdemokratin fällt ein pessimistisches Fazit. Die Flüchtlingspolitik sei viel zu kurz gedacht, erklärt Schneidt. "So ziehen wir uns neue Parallelgesellschaften heran", sagte sie in der ZDF-Talkshow.

Wenig Perspektive, falsche Vorstellungen

Denn: Es fehlten für Flüchtlinge, auch nachdem diese eine Anerkennung hätten, Perspektiven. "Du findest keinen bezahlbaren Wohnraum", klagte Schneidt etwa an. 400.000 Wohnungen würden jedes Jahr bis 2020 benötigt, sagte sie unter Berufung auf Experten. Doch die gebe es höchstens dort, "wo niemand hin will".

Und: Es gebe "tolle Projekte", um Flüchtlinge vorübergehend zu beschäftigen – aber keine langfristige Idee, wie diese an Arbeit gelangen könnten.

Ein anderes großes Problem gäbe es bereits vor der Ankunft der Asylsuchenden. Es herrsche ein völlig falsches Bild von Deutschland. Die erste Frage, die sie oft von Flüchtlingen zu hören bekäme, sei: "Wann bekomme ich denn mein Auto und meine Wohnung?" Der Grund: "Die Schlepper erzählen den Menschen den größten Mist."

In vielen Ländern würden die Menschen also mit vollkommen unrealistischen Vorstellungen von Deutschland zur Flucht motiviert werden. Auch weil die oft wenig wohlhabenden Menschen auch in Zeiten der Sozialen Netzwerke einen sehr begrenzten Blick auf das Ausland hätten.

"Es wird vor tollen Autos posiert, Fotos gemacht, nach Hause geschickt"

Wenn sie dann in Deutschland in Turnhallen untergebracht werden würden, sei das ein Schock. "Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen", sei der zweite Satz, den sie immer wieder hören würde, berichtete Schneidt.

Das Problem: Selbst wenn die frustrierten Menschen ausreisewillig seien, wäre das ohne Pass schwierig.

Die Flüchtlinge würden vor ihren Familien und Freunden in der Heimat aber nicht zugeben wollen, wie es ihnen in Deutschland wirklich ergeht. "Es wird vor tollen Autos posiert, Fotos gemacht, nach Hause geschickt", klagte Schneidt. "Wenn die am 1. (Tag des Monats, Anm. d. Red.) ihr Geld bekommen, legen sieben bis acht Flüchtlinge ihr Geld auf einen Haufen, das wird abfotografiert. Das sind die Bilder, die in die Heimatländer transportiert werden."

CSU-Gemeinderätin Christine Domek-Rußwurm konnte das nicht bestätigen. Eine "Mama mit 4 Kindern" begebe sich nicht auf so eine Reise, um vor einem Haufen Geld zu posieren.

Ihr Fazit über die deutsche Flüchtlingspolitik war ein anderes: "Es gelingt gut."

"Ich sehe es als Entwicklungshilfe, die wir schon in Deutschland leisten", erklärte sie über die Ausbildung, die viele Flüchtlinge in Deutschland beginnen würden.

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(mf)

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