Anschlag in Barcelona: Warum Terroristen immer öfter mit Fahrzeugen angreifen

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BARCELONA
Laut Augenzeugen fährt ein Mann mit etwa 80 Stundenkilometern im Zickzack auf die Leute zu. | Twitter/Arturof66R
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  • Ein Extremist fährt mit dem Auto durch die Fußgängerzone in Barcelona
  • Terror-Anschläge mit Fahrzeugen sind aber keine Taten von Nachahmern
  • Wieso Terroristen Autos als Waffen nutzen

Um 17 Uhr rast ein weißer Lieferwagen auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas. Laut Augenzeugen fährt ein Mann mit etwa 80 Stundenkilometern im Zickzack auf die Leute zu.

Anschließend flieht er, wird später aber festgenommen. Die Zeugen beschreiben den Fahrer als jung, mit dunklen Haaren.

Die Polizei will lange nicht von "Terror" sprechen. Am Abend aber erklärt sie via Twitter: Der Zwischenfall werde wie eine Terrorattacke behandelt - aber das Motiv sei unklar.

Kurz vor 19 Uhr kommt dann die offizielle Bestätigung: Nach Nizza, Berlin und London ist auch Barcelona ins Visier von Extremisten gerückt.

Doch von Nachahmer-Taten auszugehen
, greift zu kurz. Eher geben die ähnlichen Tatwaffen und Tathergänge Aufschluss über eine neue Strategie des islamistischen Terrors.

Wieso es immer mehr Angriffe mit Fahrzeugen gibt

Die Zeiten, in denen der Islamische Staat mit einem Millionen-Budget Kämpfer aus dem Westen anwarb, große Gebiete im Nahen Osten kontrollierte und von dort strukturiert Angriffe planen konnte, sind vorbei.

Die militärischen Rückschlage im Irak und in Syrien haben Budget und Truppenstärke des IS massiv schrumpfen lassen. Heute ist die Terror-Miliz eher Ideologie als Organisation. Das verändert auch die Art, wie die Terroristen ihren Krieg gegen den Westen führen.

Fahrzeuge als Waffen zu benutzen, ist eine Methode, für die bereits die dschihadistische Gruppe Al-Kaida im Herbst 2010 warb. Der IS ruft seit mehreren Monaten in sozialen Netzwerken vermehrt zu dieser Art des Angriffs auf.

Terror-Experte Andreas Armborst vom Nationalen Zentrum für Kriminalprävention beurteilte diese Vorgehensweise im Juni 2016 in der HuffPost als für Terroristen "effektive und leicht zu realisierende Anschlagsmethode“.

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Eine offenbar vom IS publizierte Anleitung zum Töten mit Lkws

Mit gezielten Social-Media-Kampagnen versuchen dschihadistische Gruppen, potenzielle Unterstützer zu solchen Anschlägen anzustacheln, die für Sicherheitsbehörden kaum zu verhindern sind.

Eine Hybridform des Terrorismus

Im Vergleich dazu erfordern Bombenanschläge aber auch Angriffe mit Schusswaffen eine viel intensivere Planung und Koordinierung. Bereits die Beschaffung der Waffen kann zum Auffliegen des Unterfangens führen.

Die Sicherheitsarchitektur hat sich in Europa in den vergangenen Monaten noch einmal verbessert, was koordiniertere Anschläge für den IS zu einem kostspieligen und riskanten Unterfangen macht.

So ist die neue Strategie der Islamisten eine Hybridform des "Lone-Wolf“-Terrorismus und der gezielten Steuerung aus dem Kalifat. Die IS-Kämpfer im Nahen Osten wirken – so viel lässt sich aus dem Großteil der vergangenen mutmaßlichen IS-Taten lesen – nicht von Planung bis Ausführung an Anschlägen im Westen mit.

Stattdessen schaffen sie Anreize, stacheln auf – und aktivieren so potenzielle Terroristen, dessen Taten sich der IS am Ende öffentlichkeitswirksam rühmen kann.

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Der IS trifft das Herz der westlichen Welt

In der modernen Auslegung der Sure wird darauf hingewiesen, dass die Aussage im historischen Kontext zu betrachten ist. Krieg sei nur als Mittel zur Verteidigung legitim.

Bei den Taten des IS geht es dagegen um etwas ganz anderes. Die Terroristen wollen den Westen an den Orten treffen, an denen seine Werte so hell strahlen wie nirgendwo sonst. Der IS hat es auf das Herz der offenen Gesellschaft abgesehen.

Dort, wo die Menschen Freude haben und ihre Freiheit genießen, schlägt er zu.

Anders als Terrororganisationen wie Al-Kaida, die ihr Augenmerk auf Angriffe auf Infrastrukturknotenpunkte legt, greift der IS in Bars an, Restaurants, in Konzertsälen und Clubs. Das zeigen auch die Attentate von Orlando und an Silvester in Istanbul.

Dahinter steckt eine skrupellose Form des Terrors

Eine Form des Terrors, bei der den Angreifern völlig egal ist, wer die Opfer sind. Weil es nur um eins geht: Das Vertrauen der Menschen in das System und in ihre Art zu Leben zu erschüttern.

Mit dpa-Material.

(cho/jg/sk)


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