Irrer Machtkampf: Chefstratege Bannon offenbart seine Pläne und kritisiert Trump

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  • Der Machtkampf im Weißen Haus wird noch verrückter
  • Nun meldet sich Steve Bannon zu Wort – und ätzt gegen seine politischen Gegner

Viele Beobachter glauben, er ist der Nächste auf Donald Trumps Streichleiste. Doch Steve Bannon, der angezählte Chefberater im Weißen Haus, geht in die Offensive: In einem Gespräch mit einem Reporter des linksliberalen Magazins "American Prospect" spricht der rechte Hardliner überraschend unverblümt über seine politischen Pläne und den internen Machtkampf im Weißen Haus.

"Der Handelskrieg mit China ist alles für mich", sagte Bannon dem Reporter Robert Kuttner, der sich überrascht über den Anruf Bannons zeigte. "Wir müssen uns darauf fokussieren. Wenn wir den Krieg verlieren, sind wir 5, vielleicht 10 Jahre, von einem Wendepunkt entfernt, von dem wir uns nie erholen werden können", warnte der ehemalige "Breitbart"-Chef in dem Telefonat.

Gegen Bannons Pläne, den wirtschaftlichen Konflikt mit China zu eskalieren, gibt es im Verteidigungs-, Außen– und Finanzministerium großen Widerstand. Denn: Neben den ökonomischen Risiken stellt China für Washington einen wichtigen Brückenkopf dar, um Einfluss auf das nordkoreanische Regime zu nehmen.

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Bannon zog böse über seine Gegner in diesem internen Konflikt her.

"Sie machen sich in die Hose", erklärte der rechte Stratege, der offen davon sprach, kritische Stimmen zur Seite zu drängen. "Ich tausche Beamte aus, die mit der ostasiatischen Verteidigung betraut sind", erklärte Bannon. "Ich bringe Falken (Politiker und Militärs, die einen Krieg befürworten, d. Red.) rein", so Bannon über mögliche Personalwechsel.

Bannon widerspricht Trump

Völlig offen stellte sich Bannon in einem Punkt auch gegen US-Präsident Trump. Es gebe "keine militärische Lösung" des Atomkonflikts mit Pjöngjang, sagte Bannon in dem Telefonat, das laut Journalist Kuttner nicht explizit "off the record“ gewesen sei.

Trump hatte Nordkorea mehrfach mit "Feuer und Zorn" gedroht und erklärt, das militärische Potenzial der USA sei "geladen und entsichert". "Bis jemand den Teil der Gleichung löst, dass zehn Millionen Menschen in Seoul in den ersten 30 Minuten des Konfliktes sterben, gibt es keine militärische Lösung", kritisierte Bannon.

Der Stratege Donald Trumps, der als ebenso medienerfahren wie –scheu gilt, war jüngst stark unter Beschuss geraten, da er gute Verbindungen in die rechte Szene der USA unterhält. Diese hatte am Wochenende in Charlottesville, Virginia, gewütet.

Auch Trump stellte sich zuletzt nicht mehr hinter Bannon und dachte offen über eine Entlassung des "Alt-Right-Helden" nach. "Wir werden sehen, was mit Bannon passiert", sagte Trump so am Dienstag. Der Nachrichtenagentur Reuters berichtete eine Quelle aus dem Weißen Haus indes, der Präsident habe große Sorge, Bannon zu feuern und so die Unterstützung rechter Aktivisten zu verlieren.

Bannon selbst ging im Gespräch mit dem "American Prospect" überraschend auf Distanz zu den in Charlottesville marodierenden Nationalisten. "Diese Menschen sind eine Sammlung von Clowns", so Bannon.

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(mf)

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