Donald Trump kritisiert Versandhändler Amazon stärker als Neonazis

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Donald Trump kritisiert Versandhändler Amazon stärker als Neonazis | Kevin Lamarque / Reuters
Drucken
  • US-Präsident Trump hat bei einer Pressekonferenz seine Verurteilung der rechten Gewalt in Charlottesville zurückgenommen
  • Am Mittwoch kritisierte er stattdessen lieber den Versandhändler Amazon scharf
  • Das offenbart einmal mehr Trumps krummen Werte-Kompass

Am Dienstag hat US-Präsident Donald Trump die Verurteilung der rechten Gewalt in Charlottesville zurückgenommen. Einige der Neonazis und Mitglieder des Ku-Klux-Klans seien "sehr feine Menschen", sagte Trump sogar.

Und das, obwohl die Anhänger des rechten Lagers für die Gewalt verantwortlich waren und ein mutmaßlich Rechtsradikaler eine Frau mit seinem Auto getötet hatte.

"Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die böse war und auf der anderen Seite eine andere Gruppe, die auch sehr gewalttätig war. Das will niemand sagen, aber ich sage es jetzt", sagte der US-Präsident.

Am Mittwoch kritisierte Trump dagegen ausdrücklich eine Organisation, die es für ihn anscheinend eher verdient hatte, verurteilt zu werden: den Online-Versandhändler Amazon.

Auf Twitter schrieb der US-Präsident: "Amazon schadet den steuerzahlenden Händlern. Gemeinden, Städte und Staaten überall in den USA werden getroffen - viele Jobs gehen verloren."

Eine Verurteilung von Neonazis fehlte - wie zuvor - in Trumps Twitter-Feed. Das lässt einmal mehr die Frage aufkommen: Wo liegen Trumps Prioritäten als Präsident?

Mehr zum Thema: So böse kommentiert der "Guardian" Trumps Reaktion auf rechtsradikale Gewalt

Wen Trump kritisiert hat

Hier eine kleine, nicht vollständige Liste der Personen, die Trump stärker kritisiert hat als weiße Nationalisten und Rassisten:

Geschäftsführer, die nach Trumps schwacher Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville aus seinem Beratergremium zurückgetreten sind.

In einem Tweet heißt es: "Jetzt, da Ken Frazier von Merck Pharma aus dem Unternehmer-Beirat des Präsidenten ausgetreten ist, wird er mehr Zeit haben, UM DIE PREISE FÜR ABZOCKE-MEDIKAMENTE ZU DRÜCKEN."

In einem weiteren Tweet schreibt Trump: "Für jeden CEO, der aus dem Unternehmer-Beirat austritt, habe ich viele an der Hand, die ihre Plätze einnehmen können. Angeber hätten nicht dabei bleiben können. JOBS!"

Den republikanischen Mehrheitsführer Mitch McConnell:

"Könnt ihr glauben, dass Mitch McConnell, der sieben Jahre lang Abschaffen und Ersetzen geschrien hat, es nicht hinbekommt. Wir müssen Obamacare abschaffen und ersetzen."

Die sogenannten "Fake News"-Medien:

"Ich werde unser Land gut repräsentieren und für unsere Interessen kämpfen. Fake-News-Medien werden nie korrekt über mich berichten, aber wen kümmert das! Wir werden Amerika wieder großartig machen!"

Seinen Vorgänger Barack Obama:

"Wie tief ist Präsident Obama gefallen, meine Telefone während des Wahlkampfes anzuzapfen. Das ist Nixon/Watergate. Böser (oder kranker) Typ!"

Seine politische Konkurrentin Hillary Clinton:

"Hillary Clinton kann illegalerweise die Fragen zum Rededuell erhalten und 33.000 E-Mails löschen, aber mein Sohn Don wird von den Fake-News-Medien verhöhnt?"

All diese Leute kritisierte Trump schärfer und häufiger als Rassisten oder rechte Gewalttäter.

Doch von den Rechten will sich der US-Präsident nicht distanzieren. Auch nicht, obwohl rechte Figuren wie der ehemalige Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke ihn für ihre Ideologie vereinnahmen wollen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der HuffPost USA und wurde von Leonhard Landes übersetzt und bearbeitet.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen