US-Ermittler untersuchen Trumps Immobiliengeschäfte – ein Gebäude könnte sie zu Putin führen

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US-Ermittler untersuchen Trumps Immobiliengeschäfte – dieses Gebäude könnte sie direkt zu Putin führen | Jonathan Ernst / Reuters
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  • Der US-Sonderermittler Mueller beschäftigt sich auch mit Trumps Immobiliengeschäften
  • Ein Projekt könnte Trump mit Putin in Verbindung bringen: Ein geplanter Trump Tower in Georgien
  • Es gibt Betrugs- und Veruntreuungsvorwürfe gegen Trump – und dem Kreml könnten die Informationen vorliegen

Wenn ein drohender Atomkrieg mit Nordkorea und marodierende, fackelschwingende Neonazis auf deinen Straßen nicht deine größten Sorgen sind, weißt du, dass du ein Problem hast.

So oder so ähnlich muss sich US-Präsident Donald Trump dieser Tage fühlen. Denn während die Welt über die brutalen Ausschreitungen in Charlottesville und das nukleare Wettprotzen mit Kim Jong-un diskutiert, droht in Washington etwas ganz anderes auf Trump einzubrechen.

Die fast etwas in Vergessenheit geratene Russland-Affäre holt die Mächtigen im Weißen Haus wieder ein. Sonderermittler Robert Mueller will hochrangige ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Präsidenten befragen, das FBI durchsuchte zuletzt sogar das Haus von Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager Paul Manafort.

Jetzt gerät an die Öffentlichkeit, dass Mueller auch begonnen hat, Trumps Immobilien-Deals der vergangenen Jahre zu untersuchen. Trumps Anwalt Jay Sekulow ist außer sich: Die Untersuchung gehe weit über die Kompetenz des Ermittlerteams hinaus und werde Konsequenzen haben, drohte er im US-Magazin "New Yorker“.

Die Aufregung ist wohl nicht unbegründet: Denn mehrere von Trumps Immobiliendeals bringen den US-Präsidenten in mehr oder minder direkte Verbindung mit Russland.

Ein Bauvorhaben, über das in den Medien wenig bekannt ist, könnte die Ermittler auf die Spur eines krummen Geschäfts bringen.

"Unorthodoxe Methoden", die Trump erpressbar machen?

Zur Erinnerung: In den Ermittlungen geht es darum, ob Trumps Wahlkampfteam Kontakte zum Kreml hatte und Wahlkampfhilfe aus Russland eingefordert oder angenommen habe. Zudem wird Mueller überprüfen müssen, ob Trump sich in der Vergangenheit durch windige Geschäfte vom russischen Präsidenten Wladimir Putin erpressbar gemacht hat.

Genau darauf könnte jetzt der Deal hindeuten, den die Trump Organisation im März 2011 mit dem georgischen Unternehmen Silk Road Group eingefädelt hatte: Geplant war der Bau eines Trump Towers in der georgischen Schwarzmeer-Stadt Batumi.

trump tower batumiDas geplante Gebäude auf der Homepage des Architektenbüros. Quelle: JFA

Batumi ist eine ruhige Hafenstadt, rund 150.000 Menschen leben hier. Für den überschaubaren Hochschulstandort wäre der Trump Tower ein geradezu protziges Vorhaben.

Laut Informationen des "New Yorker“ habe Trump für das Projekt eine Millionen US-Dollar erhalten, um dem 47-stöckigen Gebäude seinen Namen zu leihen – ein Plan, den er bei einem Besuch in Georgien im April 2012 öffentlich machte. Bereits im März des Vorjahres hatte die "New York Times" berichtet, Trump wolle das Gebäude und eine andere Immobilie in Georgien managen.

Ob Trump selbst Geld investieren würde, war nicht sicher. "Das werden wir dann entscheiden", sagte Trump demnach selbst.

Der Deal – so berichteten es verschiedene Finanzexperten dem "New Yorker" – sei mit "unorthodoxen Methoden“ abgewickelt worden, die Alarmsignale ("rote Flaggen") für Betrug und Geldwäsche darstellen würden.

"Eine einfache Google-Suche hätte gereicht"

Bilder zeigen Trump 2012 beim Handschlag mit dem Silk-Road-Geschäftsmann Giorgi Ramishvili. Gegen Ramishvili lief ab dem Jahr 2013 ein Geldwäscheprozess, der aus Mangel an Beweisen eingestellt wurde. Die Silk Road Group machte da bereits einige Jahre zuvor Schlagzeilen, weil sie im engen Kontakt mit der größten georgischen Bank B.T.A. stand, die in mehrere Skandale verwickelt war und lange kurz vor der Pleite stand.

trump
Trump und Ramishvili

All das hätte für Trump ein Warnzeichen sein können. "Eine einfache Google-Suche hätte gereicht“, schreibt der "New Yorker“. Doch Trump ging den Deal ein – und gründete dafür offenbar sogar zwei Firmen, die weder über einen Vermögenswert noch über Einkommen verfügen – die Trump Marks Batumi LLC und die Trump Marks Batumi Member Corp.

Offenbar alles um die Million für seine Namensrechte einzustreichen.

Mehr noch: Ein Video suggeriert, dass Trump persönlich von den unkoscheren Machenschaften der Silk Road Group wusste. Bei seinem Besuch in der georgischen Hauptstadt Tiflis im April 2012 sagte der heutige Präsident über seine vermeintlichen Investitionen (eigentlich lieh er dem Projekt wohl nur seinen Namen): “Wir haben zwei großartige Partner.”

Trump zeigte dabei auf seinen Geschäftspartner Ramishvili – und dessen Sitznachbarn im Publikum: Yerkin Tatishev. Tatishev war zu diesem Zeitpunkt stellvertretender Vorsitzender der B.T.A. Bank, der ominösen Bank, die Silk Road das Geld für den Bau des Trump Towers geliehen haben soll.

"Ich hätte Trump geraten: 'Renn, als wäre der Teufel hinter dir her'"

Tatishev – so analysiert es der “New Yorker" – habe mindestens “eine ethische Linie überschritten”, indem er Einfluss auf Projekte nahm, die mit Geld seiner eigenen Bank finanziert wurden.

Kontaktpersonen in Georgien teilten dem “New Yorker” zudem mit, dass Tochtergesellschaften der Silk Group von den Geschäften profitierten – und sie Tatishev hinter diesen vermuteten. Seit 2005 hatte die Bank hunderte Millionen Dollar an Krediten für den Infrastrukturausbau in Georgien vergeben – fast alle an Silk Road und zugehörige Firmen.

Nicht nur deshalb liegt die Vermutung nah, dass es sich um eine gigantische Geldwäsche-Unternehmung gehandelt haben könnte. Das geplante Luxusanwesen mit Kasinos und exklusiven Modeboutiquen wirkt, wie das US-Magazin bemerkt, “merkwürdig ambitioniert für eine Stadt, die so gut wie keine Luxusanwesen besitzt”. Gemeinhin gelten Kasinos und Hotels als beliebte Mittel, um Geld im großen Stil zu waschen, wie auch die Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche in einem Report aus dem Jahre 2007 feststellt.

Ross Delston, ein berühmter Anwalt in Washington, der auf Geldwäsche-Fälle spezialisiert ist, sagte dem "New Yorker“, er würde jedem seiner Klienten von einem solchen Lizenz-Deal mit den Unternehmen in Batumi abraten. "Ich würde ihnen nicht sagen, sie sollen davon Abstand nehmen – ich würde sagen: Rennt, als wäre der Teufel hinter euch her.“

Trump tat es nicht – und könnte sich der Mitwissenschaft schuldig gemacht haben. Noch pikanter: Einige der in die Deals verwickelte Geschäftsleute sollen sehr enge Kontakte nach Russland haben – bis zum Präsidenten Wladimir Putin.

Putin-nahe Quellen wissen alles über Trump

Ein Verbindungsmann zum Kreml könnte Timur Kulibayev sein. Der Schwiegersohn des autokratischen kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew sitzt im Aufsichtsrat des Erdölkonzerns Gazprom. Verbindungen in die höchsten Machtzirkel Moskaus liegen damit auf der Hand, der russische Staat hält die Mehrheit der Sitze im Aufsichtsrat.

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Timur Kulibayev, Quelle: Reuters

Kulibayev managt seit 2009 den kasachischen Staatsfonds Samruk-Kazyna. Im Februar desselben Jahres war die zahlungsunfähig gewordene B.T.A. Bank verstaatlicht worden. Kulibayev hat seitdem sehr wahrscheinlich direkten Einblick in alle Geschäfte, die mit Trump getroffen wurden.

Auch der kasachische Geheimdienst kenne mit höchster Wahrscheinlichkeit alle Geheimnisse hinter Trumps Involvierung in Georgien, analysiert Keith Durden von der American University. "Es ist keine Frage, sie wissen alles über diesen Deal", sagte Durden. Denn "Kompormat“, das Sammeln kompromittierender Informationen über einflussreiche Partner und Gegenspieler, sei seit jeher die Strategie postsowjetischer Regime.

Ob Trump ahnte, dass ihm der schnelle Millionen-Deal als Präsident gefährlich werden könnte? Am 6. Januar dieses Jahres jedenfalls stieg er aus dem Vorhaben aus. Nahezu kommentarlos.

Trump steigt plötzlich aus, doch der Bau geht weiter

Nur ein kurzes gemeinsames Pressestatement veröffentlichten die Silk Road Group und die Trump-Organisation. Die Entwicklung würde "formal beendet werden“. Die Trump Organisation schätze den georgischen Partner aber weiter "in höchstem Maße“.

Ob es darum gehe, Interessenkonflikte als Präsident zu vermeiden oder unsaubere Praktiken zu verschleiern, wollte das Trump-Team nicht kommentieren.

Der Bau des Gebäudes geht indes weiter. "T-Tower“ soll es nun heißen – und aussehen wie der Trump Tower in New York. Ramishvili soll gar damit liebäugeln, Trump nach Ende seiner Präsidentschaft wieder als Namenssponsor für das Anwesen zu gewinnen – zur Not wohl auch mit Druck.

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Trump mit dem georgischen Präsidenten Mikheil Saakashvili bei der Präsentation 2012

Im "Forbes“-Magazin scherzte Giorgi Rtskhiladze, ein Geschäftspartner von Ramishvili, der in Kasachstan einen ähnlichen Fake-Trump-Tower plant, zuletzt: "Ich werde dafür sorgen, dass 20 Moskauer die Apartments kaufen. Und ich werde leaken, dass Putin die Wohnungen eigentlich gekauft hat.“

Für Trump könnte das das kleinste Problem werden.

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(ll)

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