Drei wirre Tweets innerhalb weniger Stunden - hat Trump das Twittern verlernt?

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TRUMP
US-Präsident Donald Trump | getty
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  • Mit einer Serie von Retweets sorgt Donald Trump für Verwunderung
  • Trump retweeted unter anderem einen User, der ihn einen Faschisten nennt
  • Zwei Tweets löscht er anschließend

Wenn er schon kein großer Präsident ist, so gilt Donald Trump doch als ein Meister, wenn es um die Nutzung von sozialen Netzwerken geht.

Auf Twitter erreicht der US-Präsident täglich Millionen Menschen - ungefiltert, ohne Einfluss der von ihm so gehassten Medien. Darauf ist er stolz.

Nun hat sich Trump aber gleich drei Mal innerhalb von 24 Stunden vertwittert - und sogar zwei Tweets wieder gelöscht.

Wieder Hetze gegen CNN

In seinem ersten gelöschten Tweet geht es um eine Zeichnung, auf der ein CNN-Journalist von einem Zug erfasst wird.

Trump retweetete das Bild einer Nutzerin, die dazu schrieb: "Nichts kann den Trump-Zug stoppen". Darunter war ein Bild eines Zuges zu sehen, der einen Mann auf den Gleisen erfasst. Statt einem Kopf trägt dieser das Logo des US-Senders CNN, der Trump immer wieder aufs Schärfste kritisiert.

Trump löschte seinen Tweet wenig später.

War es Einsicht? Wohl eher ein taktischer Schachzug.

Mehrere US-Journalisten hielten den mittlerweile offline genommenen Tweet des US-Präsidenten für die Ewigkeit fest. Denn er ist aus mehreren Gründen problematisch.

Zum einen verrät das martialische Bild viel über Trumps Verhältnis zur Pressefreiheit. Zum anderen kommt das Bild zu einem höchst fragwürdigen Zeitpunkt, wie die "New York Magazine“-Journalistin Olivia Nuzzi bemerkte.

Sie schrieb: "Nachdem eine Frau bei einer rassistischen und nationalistischen Demo tödlich überfahren wurde, teilt der Präsident ein Bild von einem 'Trump'-Zug, der einen CNN-Reporter erfasst."

Damit verrät Trump letztlich auch ein höchst problematisches Verhältnis zu Gewalt.

Trump retweeted einen Rechtsextremen

Im zweiten (noch nicht gelöschten) Tweet geht es um einen Tweet des Rechtsradikalen Jack Posobiec, einem der Anführer der Alt-Right-Bewegung. Diese Bewegung trug maßgeblich dazu bei, dass Donald Trump Präsident werden konnte.

Posobiec hatte getwittert: "Während wir hier diskutieren gab es in Chicago 39 Schießereien mit 9 Toten. Und die Medien regen sich nicht darüber auf. Warum?"

Posobiec hatte im Wahlkampf die Theorie vertreten, dass hochrangige Politiker der Demokraten einen Kinderschänder-Ring betreiben. Die Verschwörungstheorie wurde unter dem Stichwort "Pizza-Gate" im Wahlkampf diskutiert. Den Tweet von Posobiec hat Trump nicht gelöscht.

Für Verwunderung sorgte, dass Trump Posobiec nur kurze Zeit nach seiner Verurteilung der rechten Gewalt in Charlottesville retweetet hatte.

Trump retweeted einen Nutzer, der ihn als Faschisten beschimpft

Im dritten Fall retweetet Donald Trump den Twitter-User Mike Holden, der ihn als "Faschisten" beschimpft - auch diesen Retweet löschte der Präsident später.

Noch bizarrer: Holden ist eigentlich Brite, hat mit der US-Politik wenig zu tun. Der HuffPost in Großbritannien sagte er:

"Ich bin wirklich überrascht. Mein Twitter-Account ist völlig durchgedreht. Ich ziehe mich wohl von Twitter zurück, besser kann es nicht werden. Ich habe eigentlich kein Interessen daran, Trump zu trollen, aber er macht einfach so viel falsch, dass man sich dazu äußern muss."

Was ist nun von Trumps Fehlgriffen auf Twitter zu halten?

Ganz offensichtlich, das zeigen Trumps irrlichternde Äußerungen zu den Ausschreitungen in Charlottesville, ist der US-Präsident aktuell so wütend, dass er unkonzentriert und nervös wird.

Auf der bizarren Pressekonferenz in New York nahm Trump seine Verurteilung rechter Gewalt in Charlottesville von Anfang der Woche teilweise zurück. Damit beharrte er wieder auf einer Position, die im ihm am Wochenende harsche Kritik eingebracht hatte.

Hier ein Ausschnitt der Pressekonferenz im Video:

Das alles passiert vor dem Hintergrund historisch schlechter Beliebtheitswerte für einen US-Präsident.

Das Fazit: Trump steht mit dem Rücken zur Wand. Und die vergangenen Tage zeigen, dass der Präsident zunehmend nervös zu werden scheint.

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(jg)