"Faul, verlogen, irre": Ex-Berater des britischen Brexit-Ministers rechnet mit seinem Boss ab

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DAVID DAVIS
Brexit-Minister David Davis | Francois Lenoir / Reuters
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  • David Davis soll als Brexit-Minister den EU-Austritt organisieren
  • Doch jetzt erhebt ein ehemaliger Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen ihn

Ganz Europa blickt auf den britischen Brexit-Minister David Davis. Er sorgte vor einigen Wochen für Schlagzeilen, als er ohne Unterlagen und offensichtlich auch ohne besondere Vorbereitung zu einem hochrangigen EU-Treffen erschien.

Der Verdacht, dass Davis seinen Job nicht sonderlich ernst nimmt, dürfte sich jetzt erhärten. Denn sein ehemaliger Chef-Berater, James Chapman, hat in einer Serie von Tweets über Davis ausgepackt. Die Aussagen sind wenig schmeichelhaft.

Chapman beschimpft seinen früheren Boss als "faul", "verlogen" und "unfähig".

Chapman über Davis: "Er arbeitet nur drei Tage die Woche"

Chapman legte in seinem Twitter-Rant sogar nahe, dass Davis "irre" sei. Außerdem beschuldigte er ihn, sich in einem Pub unsittlich gegenüber einer Labour-Politikerin verhalten zu haben.

Davis' Ex-Berater hielt sich bisher bedeckt und hat seinen früheren Boss nie öffentlich kritisiert - bis dieser Chapman im Fernsehen als Brexit-Gegner bezeichnete.

Chapman behauptet nun, dass der Brexit-Minister nur eine 3-Tage-Woche habe, seit ihn Premierministerin Theresa May in ihre Regierung berufen hat.

Chapman schimpfte auch, dass Davis und May "nicht die leiseste Idee haben, was sie tun". Außerdem bezichtigte er Davis der Lüge, weil dieser behaupte, dass die Briten nicht für eine Zollunion nach dem Brexit zahlen müssten.

Davis' Wahlkampf mit einer BH-Größe

Chapman sprach auch einen Vorfall an, bei dem Davis die Labour-Politikerin Diane Abbott nach einer Brexit-Abstimmung angegangen sei. Davis habe die Politikerin einschüchtern wollen und er habe sich "unsittlich" benommen.

Dazu twitterte Chapman ein Foto aus dem Jahr 2005, das Davis mit zwei Frauen zeigt, auf deren T-Shirts "DD for me" steht. DD ist kurz für David Davis und spielt auf eine BH-Größe an. Das Foto nutzte der aktuelle Brexit-Minister im Wahlkampf.

Chapman arbeitete bis zu seinem Wechsel in die Politik als Journalist für die Boulevard-Zeitung "Daily Mail". Dann arbeitete er als Berater für den späteren Finanzminister George Osborne und dann für Davis.

Chapman gründet Anti-Brexit-Partei

In den vergangenen Wochen etablierte sich Chapman als einer der schärfsten Brexit-Kritiker. Er erklärte am Dienstag, er werde beim Volksmarsch für Europa am 9. September offiziell eine neue Partei gründen, die sich für einen Verbleib in Europa einsetzt.

Ziel der neuen Partei sei es, diese Entscheidung "ohne ein zweites Referendum" rückgängig zu machen, erklärte er. Chapman hat pro-europäische Politiker aus der Regierung und Opposition aufgefordert, sich ihm anzuschließen. Öffentlich ist dem bisher kein Abgeordneter nachgekommen.

Dieser Text erschien zuerst bei der britischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Benjamin Reuter übersetzt.

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(jg)

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