"Ich bin kein Babysitter": Mit diesem Post spricht ein Vater tausenden Eltern aus der Seele

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  • Jeremy Martin Weber aus den USA hat sechs Töchter, mit denen er gerne Zeit verbringt
  • Wie viele Väter musste er sich häufig anhören, wie er es denn schaffe, allein mit den Kindern zu sein
  • Bis er genug hatte - und einen sehr ehrlichen Facebook-Post verfasste

“Waaaas, dein Mann war den ganzen Tag mit den Kindern alleine?! Das ist aber ein toller Papa!” So oder ähnlich sind oft die Reaktionen, wenn ein Vater ohne die Mutter Zeit mit seinem Nachwuchs verbringt.

Was die Gesellschaft bei Frauen als normal ansieht, stellt sie bei Vätern oft als eine großzügige Geste dar. Zwar zeigen Studien, dass Väter zunehmend involviert in das Leben ihrer Kinder sind - dennoch wird es nach wie vor häufig als Babysitting bezeichnet, wenn Väter sich um ihre Kinder kümmern.

Jeremy Martin Weber aus Oregon in den USA hatte schließlich genug von diesem Gerede. Der Vater von sechs Töchtern im Alter von fünf bis 18 Jahren betreibt gemeinsam mit seiner Frau Jessica den Elternblog “Beyond Moi”.

"Ich bin ihr Vater, nicht ihr Babysitter"

Im Mai postete Jeremy dort ein Foto von seiner Frau bei Facebook, wie diese am Flughafen zu einer mehrtägigen Geschäftsreise aufbricht.

Dazu schreibt er:

"Wer wird jetzt:
  • für meine Kinder kochen
  • dafür sorgen, dass sie pünktlich zur Schule kommen
  • Kleidung für die beiden Jüngsten herausssuchen?
  • ihre tägliche Routine aufrecht erhalten
  • sie in den Arm nehmen, wenn sie es brauchen, ihre blauen Flecken küssen und ihre Kratzer versorgen
  • sie trösten, wenn sie Alpträume haben
  • ihnen helfen, Streitereien mit ihren Geschwistern zu lösen
  • jedem kleinen Detail zuhören, wenn sie von ihrem Tag berichten
  • ihnen vorlesen, sie ermutigen, draußen zu spielen oder gemeinsam mit ihnen spielen
  • meine Teenager-Töchter unterstützen und ermutigen, ihnen bei ihren “Frauenproblemen” zuhören und über ihre Beziehungskrisen sprechen
  • ihnen ein freundliches, liebevolles, geduldiges, einfühlsames, starkes, mutiges Vorbild sein

Wer wird all das machen, während ihre Mutter weg ist? Ich. Ich werde das machen. Denn ich bin nicht ihr Babysitter. Ich bin auch nicht bloß ihr Spielgefährte. Ich bin ihr Vater. Und mich um meine Töchter zu kümmern und sie zu erziehen ist meine Verantwortung. Ich liebe diese Verantwortung - mit all ihren Schwierigkeiten.

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Das Haus wird nicht auseinanderfallen oder im Chaos versinken und die Kinder werden nicht verderben, weil ich auf sie aufpasse. Und nein, ich verdiene dafür niemandes Lob oder Bewunderung, wie etwa: 'Wow, dieser Vater kümmert sich um seine eigenen Kinder'.

Ich mache einfach nur das, was alle Eltern machen sollten und was die meisten Mütter jeden Tag machen, ohne dafür gelobt zu werden. Es reicht, dass die Mutter unserer Kinder und ich uns gegenseitig unsere Anerkennung kommunizieren, für alles, was wir beide für unsere Familie tun."

Mehr als 3000 Likes bei Facebook

Sein Post wurde tausendfach geliked und geteilt. “Ich wurde oft gefragt, ob ich babysitte, wenn Jessica unterwegs ist", sagte Weber der HuffPost USA. "Dadurch wurde suggeriert, ich wäre nicht mehr als ein Spielgefährte meiner Kinder und vielmehr noch ein zusätzliches Kind für meine Frau."

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Jeremy empfand diese Aussagen als empörend, da diese auch ein schlechtes Bild auf die Rolle des Vaters an sich werfen.

"Manchmal wurde ich auch dafür bemitleidet, dass ich mich alleine um meine Kinder kümmern muss. Ganz als ob ich kein Elternteil wäre, sobald meine Frau da ist. Zudem wurde mir gesagt, dass mir der mütterliche Instinkt fehlt, der ein gutes Elternteil ausmacht."

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Auch wenn diese Aussagen nicht böse gemeint seien, so empfände er sie doch als verletzend. Daher nutzte er die Gelegenheit am Flughafen, um ein für allemal klarzumachen: Ich bin ein Vater und kein Babysitter!

Mütter bekommen nie solches Lob

Jessica war begeistert von dieser Idee, denn auch sie ist es müde, Gratulationen zu ihrem großartigen Mann zu erhalten, weil dieser “babysitte”.

“Mütter bekommen solches Lob nie nie", sagte sie der HuffPost. "Es wird einfach davon ausgegangen, dass sie immer für ihre Kinder verantwortlich sein können und zuhause sein müssen. Aber Väter die das selbe machen, sind fast schon Helden."

Jessica und Jeremy wollen ein Zeichen setzen. "Ich will, dass die Leute verstehen, dass es nicht außergewöhnlich ist, Kinder als gleichberechtigte Eltern aufzuziehen, sondern normal. Es wäre großartig, wenn es ganz selbstverständlich wäre, Väter als kompetente Eltern zu sehen."

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(lk)

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