"Die USA sind jetzt ein gefährliches Land": Die "Financial Times" hat eine böse Ahnung, wohin der Weg mit Trump geht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP COMMANDER
Die "Financial Times" hat eine böse Ahnung, wohin der Weg mit Trump geht | Carlos Barria / Reuters
Drucken
  • Die USA leiden unter außenpolitischen Krisen und innenpolitischer Handlungsunfähigkeit
  • Internationale Partner könnten sich nicht mehr auf das Land verlassen, argumentiert die "Financial Times"

Spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die USA der politische Taktgeber des Westens. Daran konnte auch der umstrittene Vietnamkrieg nichts ändern – und auch nicht die strategisch und militärisch katastrophale Intervention George W. Bushs im Irak.

Die US-Amerikaner galten vielen Menschen im Westen stets als die Guten, als Anker von Vernunft. Das – so argumentiert die "Financial Times“ jetzt – ändere sich gerade.

"Amerika ist jetzt ein gefährliches Land", schreibt Chefkolumnist Gideon Rachman. Es ist ein niederschmetterndes Urteil. 15 Jahre nachdem Bush die "Achse des Bösen" benannte, gehören die USA unter Präsident Donald Trump selbst zu den großen Unruheherden.

Trump flirtet mit einem Präventivschlag

Trump biete "genau das Gegenteil der konstanten, vorhersehbaren und ruhigen Führung“, die die amerikanischen Alliierten von Washington erwarteten, argumentiert die “Financial Times“. Das zeige sich in verschiedenen Konflikten.

Im Fall von Nordkorea spiele Trump mit dem Feuer. Mehrmals hatte der US-Präsident gewarnt, auf Angriffe Kim Jong-uns mit "Feuer und Zorn“ zu antworten. "Geladen und entsichert" twitterte Trump in Bezug auf die Bereitschaft des US-Militärs.

Zudem – so bemerkt es die"Financial Times" – flirtet Trump mit einem Präventivschlag gegen Nordkorea. Das fragwürdige Argument der US-Regierung: Die nuklear aufgerüstete Nation könne nicht mit einer Abschreckungspolitik im Zaun gehalten werden.

Die "FT" ist dagegen sicher: Dieselbe Abschreckung, die gegen Mao und Stalin funktioniert habe, würde auch im Falle Kims Wirkung zeigen.

Ein bedrohlicher Cocktail politischer Krisen

Auch andere Experten kritisieren die offensive Rhetorik Trumps in der Nordkorea-Krise. Das Fachblatt für die Pazifik-Region "The Diplomat“ weist etwa darauf hin, dass Nordkorea ein Verteidigungsabkommen mit China unterhält, das im Falle eines Erstschlages der USA in Kraft treten würde.

Das würde bedeuten: Die USA hätte nicht nur einen Krieg gegen Kim, sondern auch gegen das militärisch ungleich mächtigere China begonnen.

Mit den vagen Drohungen in Richtung Venezuela, militärische Schritte gegen das Regime in Betracht zu ziehen, habe Trump seine Unberechenbarkeit weiter unter Beweis gestellt, schreibt die "FT".

Problematisch würde das laut Rachman vor allem, weil sich die "internationale Krise“ zunehmend mit den innenpolitischen Schwierigkeiten Trumps vermenge.

Ein Krieg als Ablenkungsmanöver?

Trump steht in den USA massiv unter Druck. Die Ermittlungen zu den Verbindungen seines Wahlkampfteams nach Russland scheinen Fortschritte zu machen. Im September stehen wichtige innenpolitische Themen wie die Gesundheitsreform und der Schuldenabbau auf der Agenda. Der Kongress droht, Trump zu blockieren.

Zuletzt warnten mehrere Mitarbeiter des Weißen Hauses vor einem "brutalen“ Monat.

"Die Gefahr ist, dass die verschiedenen Krisen sich vermischen und den Präsidenten dazu verführen, einen internationalen Konflikt auszunutzen, um von seinen Schwierigkeiten im Inland abzulenken", schreibt die "Financial Times".

Sebastian Gorka, ein Mitarbeiter des Weißen Hauses gab in der vergangenen Woche bereits einen bedrohlichen Einblick, wie das aussehen könnte. Dem Sender Fox News sagte Gorka: "In der Kubakrise sind wir hinter JFK zusammengerückt. Das hier ist genau wie die Kubakrise. Wir müssen zusammenrücken."

Vorbild Willhelm II.

Rachman schreibt: "Da sollten die Alarmglocken bei jedem angehen, der einen Sinn für Geschichte hat." Regierungen, die zuhause unter Druck stünden, neigten oft zu einer gefährlichen "Abenteuerlust" in der internationalen Politik.

Sein mahnendes Beispiel: Die deutsche Kriegserklärung im 1. Weltkrieg an Russland, anlässlich der Kaiser Wilhelm II proklamierte: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche."

Auch Trump – so lässt sich die Kolumne der "Financial Times" lesen – trauen Beobachter eine solche politische Impulsreaktion zu.

Im Weißen Haus fehlt die Stimme der Vernunft


Denn es gibt ein weiteres Problem: Die "Checks and Balances" innerhalb des Weißen Hauses scheinen nicht zu greifen.

Die Hoffnungen nach einer Stimme der Vernunft im Weißen Haus, die am Sonntag auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der RTL-"Wahlarena" äußerte, haben sich bislang nicht erfüllt.

Trumps Nationaler Sicherheitsberater etwa, der militärisch hocherfahrene H.R. McMaster, steht politisch selbst so stark unter Druck, dass von ihm kein Veto gegenüber Trump zu erwarten ist.

Am Ende steht zwischen Trump und einem Kriegsausbruch wohl nicht viel. Und das ist die beunruhigendste Nachricht dieser Tage.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ben)

Korrektur anregen