Trump äußert sich erneut zu Charlottesville – und macht alles noch viel schlimmer

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Trump äußert sich erneut zu Charlottesville – und macht alles noch viel schlimmer | Kevin Lamarque / Reuters
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  • Donald Trump gibt Linken die Mitschuld an den Vorkommnissen in Charlottesville
  • Er nahm damit seine Verurteilung rechter Gruppen vom Vortag wieder zurück
  • Er verteidigte sein erstes Statement, bei dem er von Gewalt auf "vielen Seiten" sprach

Donald Trump macht die nächste Rolle rückwärts.

Der US-Präsident verteidigte seine uneindeutige erste Reaktion auf die Ereignisse bei der Rassisten-Kundgebung in Charlottesville am Dienstagabend vehement. "Ich wollte sicher sein, dass das, was ich sage, korrekt ist", sagte Trump am Dienstag in New York.

"Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die böse war und auf der anderen Seite eine andere Gruppe, die auch sehr gewalttätig war. Das will niemand sagen, aber ich sage es jetzt", erklärte Trump und gab so den Gegendemonstranten Mitschuld an den brutalen Ausschreitungen, bei denen ein mutmaßlich Rechtsradikaler eine Frau mit seinem Pkw tödlich überrollt hatte.

Von Terror sprach Trump nicht und fragte an die linken Gruppierungen gerichtet rhetorisch: "Haben die keine Schuld?"

Hier ein Ausschnitt der Pressekonferenz im Video:

"Man sagt nicht einfach sofort etwas"

Seine späte Reaktion erklärte Trump mit der unklaren Faktenlage.

Man sage nicht sofort etwas, wenn man die Fakten nicht genau kenne, sagte Trump. "Anders als viele Reporter", fügte er in der Lobby des Trump-Towers hinzu. Anders als andere Politiker habe er nicht einfach irgendein rasches Statement machen wollen.

Nach den gewalttätigen Zusammenstößen bei der Kundgebung hatte Trump in seiner ersten Reaktion am Samstag von "Gewalt von vielen Seiten" gesprochen. Er vermied es, Rassisten und Neonazis beim Namen zu nennen. Er musste daraufhin auch aus den eigenen Reihen erhebliche Kritik einstecken.

Erst am dritten Tag nach den Zwischenfällen hatte Trump sich öffentlich von Rassisten und dem Ku-Klux-Klan distanziert. Die rechte Szene reagierte aufgebracht – viele der Extremisten hatten Trump im Wahlkampf ausdrücklich unterstützt.

Bleibt Bannon? "Wir werden sehen"

Noch ein anderes Statement von Trump war bemerkenswert. Über die Zukunft seines Chefstrategen Steve Bannon im Weißen Haus sagte der US-Präsident am Dienstagabend nur: "Wir werden sehen".

In Washington wuchs nach den Ereignissen von Charlottesville der Druck auf den nationalistischen Flügel um Chef-Berater Stephen Bannon und Berater Stephen Miller in Trumps Regierung.

Kritiker fordern, dass Trump Bannon entlässt. Ihm wird ein Bedeutungsverlust im inneren Zirkel Trumps nachgesagt, seit John Kelly sein Amt als Stabschef angetreten hat.

In diesem Kontext klingt "Wir werden sehen" fast nach "Pack deine Sachen".

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(ben)

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