Merkel wird bei Wahlkampfrede ausgebuht - und findet die richtigen Worte

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  • Angela Merkel ist in den Wahlkampf gestartet
  • In Hessen wurde sie bei einer Rede von AfD-Anhängern ausgebuht - und reagierte ziemlich lässig
  • Mehr dazu erfahrt ihr im Video

Angela Merkel ist mit ihrem ersten offiziellen Auftritt in den Wahlkampf gestartet - und hat gestern vor Anhängern im hessischen Gelnhausen gesprochen.

Das Event startete denkbar peinlich, als die Moderatorin vor dem Auftritt der Kanzlerin die Bürger von Gelnhausen drei Mal falsch ansprach (Gelnhauser, Gelnhäusener, Gelnhausener - Gelnhäuser wäre richtig gewesen). Dafür erntete sie Pfiffe, die bei Merkels Rede noch deutlich stärker wurden.

"Hau ab"-Rufe gegen Merkel - die kontert trocken

Das lag vor allem an rund 300 AfD-Anhängern und Windkraftgegnern, die Merkels Rede mit Pfiffen und Buh-Rufen störten. Auch "Hau ab"- und "Merkel muss weg"-Rufe störten die Kanzlerin immer wieder bei ihrem Auftritt.

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(Protestplakate bei Angela Merkels Auftritt in Gelnhausen. Quelle: dpa)

Die reagierte aber ziemlich abgebrüht und lässig auf die Schreihälse.

Merkel konterte deren Rufe trocken: "Wir müssen weiter arbeiten und das tun wir in einer Demokratie, wo Leute auch ihren Unmut zeigen können - aber ein bisschen Zuhören ist manchmal auch nicht schlecht."

Das saß.

Ein mitreißender Wahlkampfauftritt wurde es dann aber doch nicht, wie die "Welt" kommentiert. Denn die Zuhörer bekamen merkeltypische Kost aufgetischt: Die Kanzlerin blieb wie immer vage in ihren Aussagen.

"Wir sind nicht extrem"

Zum Thema Energiewende sagte sie: "Wir sind dafür da, Menschen und zukunftsfähige Energie zusammenzuhalten, das ist CDU pur."

Ob damit die deutschen Klimaziele zu schaffen sind und wie genau damit den steigenden Strompreisen beizukommen ist - dazu kam kein Wort von Merkel.

Zum Dieselskandal sagte sie: "Wir müssen einen guten Übergang in die neue Zeit organisieren, bei dem Menschen ihren Arbeitsplatz behalten." Auch hier wurde die Frage vieler Dieselbesitzer, wie und ob sie künftig noch mit ihrem Auto in die Innenstädte fahren können, nicht angesprochen. Nur dass sie nicht für Fahrverbote sei, verriet Merkel.

Überraschend wurde es für einen Moment dann aber doch noch: "Wir sind nicht extrem", sagte Merkel an einer Stelle ihrer Rede in Bezug auf ihr politisches Programm. Eine durchaus interessante Aussage. Denn bisher ist wohl niemand auf die Idee gekommen, Merkel Extremismus zu unterstellen.

Das Fazit des Auftritts in Gelnhausen? Merkel hat in den kommenden Wochen weitere 50 Auftritte, um zu zeigen, dass mit ihr keine Extremistin ins Kanzleramt einzieht. Das Wahlvolk darf gespannt sein.

Mehr zum Thema: Diese 5 Aussagen aus dem neusten Merkel-Interview zeigen, wie wenig Lust die Union auf Wahlkampf hat

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(lk)

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