Trotz Drohungen aus Libyen - warum Flüchtlingshelfer weiter helfen

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AUQARIUS
Die "Auquarius" | dpa
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  • Viele Flüchtlingsretter auf dem Mittelmeer gegen auf
  • Die italienische Regierung und die libyschen Küstenwache wollen ihre Arbeit einschränken
  • Manche Retter machen aber trotzdem weiter - hier erzählen sie, was sie bewegt

Die Situation auf dem Mittelmeer hat sich innerhalb weniger Tage drastisch verändert.

Die libysche Küstenwache verstärkt ihre Präsenz. Hilfsorganisationen unterbrechen Rettungsmissionen, nachdem aus dem Bürgerkriegsland Drohungen gegen sie laut geworden sind.

Am Wochenende hatten Hilfsorganisationen wie Sea Eye, Ärzte ohne Grenzen und Save the Children angekündigt, sich vorläufig aus dem Rettungsgebiet vor Libyen zurückzuziehen. Als Grund nannten sie Drohungen und die Ankündigung aus Libyen, die eigene Such- und Rettungszone auf internationale Gewässer auszuweiten.

Die "Aquarius" von der Organisation SOS Méditerranée ist eines der wenigen Schiffe, die weiterhin in den internationalen Gewässern vor dem Bürgerkriegsland kreuzen, um Menschen in Seenot zur Hilfe zu kommen.

Hier erzählen drei Retter, was sie antreibt, weiter zu helfen:

Holger Mack aus Deutschland: "Wir erfahren die ganze Hoffnungslosigkeit"

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"Die Arbeit auf der Aquarius unterscheidet sich von allem, was man zuvor gemacht hat. Niemand hat vorher mit so einer Menge von völlig verzweifelten Menschen zu tun gehabt, die zum Teil auch gesundheitlich so angeschlagen sind, die solche Horrorerlebnisse hinter sich haben und das in dieser großen Zahl.

Für mich ist am bewegendsten, wenn man mit den Geretteten ins Gespräch kommt, die individuelle Geschichte hört und das Ganze dann in Zusammenhang damit setzt, was man selbst für ein behütetes und geregeltes Leben hat.

Hier bekommt man mit, wie die Menschen im Detention Camp gelebt haben, wie der Horrorweg durch die Sahara war, was für ein Leben sie in Libyen führten.

Wir erfahren die Hoffnungslosigkeit, aus der heraus sich die Menschen zum Teil sogar wissentlich auf diese hochgefährliche Reise mit den Booten begeben und ein großes Risiko eingehen, dabei ihr Leben zu verlieren."

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Alain Theo Frederonic aus Frankreich: "Es macht mich glücklich, das tun zu können"

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"Ich bin Taucher, spezialisiert darauf, Menschen zu retten. Jeder Tag ist ein neuer Tag an Bord. Leben retten, den Menschen Trost geben, gleichzeitig physisch und im Kopf fit und wach zu sein, um diese Arbeit zu machen, ist eine wahre Herausforderung.

Ich habe immer ziemlich fordernde Jobs gemacht, von daher bin ich in gewisser Weise gewöhnt daran. Aber wenn du ein Neugeborenes von einem Boot runterholst, ist das hart. Es ist hart und gleichzeitig macht es mich glücklich, das tun zu können."

Stéphane Broch aus Frankreich: "Ich habe für ein neun Tage altes Baby ein Lied gesungen -es war absurd"

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"Als ich hörte, wie viele Menschen im Meer ertrinken, konnte ich meinen Job als Seemann nicht weitermachen. Ich habe das Wissen, auf das es bei dieser Mission ankommt.

Einen Moment werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen: Es war nachts, wir hatten zwei Meter hohe Wellen und mussten Menschen von einem anderen auf unser Schiff holen. Es war wie in einem Horrorfilm. Dann hast du ein Baby im Arm und weißt nicht, was du machen sollst, also habe ich ihm ein Lied gesungen, es war total absurd. Das Baby war neun Tage alt.

Es geht hier um die Gesichter der Menschen. Was du in den Augen der Menschen lesen kannst oder was sie während der Rettung fühlen, ist etwas komplett anderes, als wenn wir sie an Bord haben. Hier werden sie wieder zu Menschen mit Würde, und dann, wenn wir Europa erreichen, verändern sich die Gesichter wieder.

Das ist so seltsam. An Bord muss ich funktionieren. Wenn ich aber zurück nach Hause komme, brauche ich freie Tage, sehe wenige Menschen und dann muss ich zurück auf See, aber anders, ich gehe fischen oder segeln. Aufs Meer hinauszublicken in einem schöneren Kontext ist meine Strategie, um mit diesen Erlebnissen klarzukommen."

Anton Shakouri aus Deutschland: "Auf jeden extremen Fall folgen gute Momente"

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"Nach dem Unglück am 3. Oktober 2013 war ich auf dem Mittelmeer segeln und habe Rettungswesten gefunden. Seitdem beschäftige ich mich mit dem Thema. Die erste Begegnung mit einem Flüchtlingsboot hat mich sehr gepackt und danach vieles für mich verändert.

Ich habe mir über meine Lebensweise Gedanken gemacht, ich habe mich gefragt, ob sie Migration fördert oder ob es den Menschen dadurch besser geht. Vorher habe ich viel an mich selbst gedacht, heute sehe ich das globale Problem.

Bislang hatte ich Glück, nach jedem extremen Fall wieder gute Momente zu haben. Es sind keine schönen Bilder, Tote zu bergen oder extrem Verletzte oder Menschen die unterernährt sind. Aber ich war auch zweimal an Bord, als Kinder geboren wurden."

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