Alles deutet darauf hin: Bannon wird das nächste Opfer von Trumps Entlassungs-Wahn

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STEVE BANNON
Alles deutet darauf hin: Bannon wird das nächste Opfer von Trumps Entlassungs-Wahn | Carlos Barria / Reuters
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  • Donald Trump denkt offenbar darüber nach, Chefstratege Steve Bannon zu entlassen
  • Schon seit längerem beschreiben Beobachter verschiedene Machtblöcke im Weißen Haus, die gegeneinander arbeiten

Sie nannten ihn den Schattenpräsidenten. Steve Bannon – da waren sich viele politische Beobachter in Washington sicher – würde im Weißen Haus von Donald Trump die Geschicke leiten.

Es war eine beunruhigende Vorstellung: Bannon war bekannt als Verschwörungstheoretiker, als kriegshungriger Fatalist, als Gegner des Establishments, manchmal auch der Vernunft.

Doch kein Jahr später scheint es, als sei der Polit-Ausflug Bannons schon wieder vorüber. Und geleitet hat Bannon wenig – außer die Mission Trumps in Richtung Abgrund.

Wie der US-Sender CNN berichtet, will John Kelly, der neue Stabschef im Weißen Haus, Bannon so bald es geht loswerden. Das hätten ein aktueller und ein kürzlich abgetretener Mitarbeiter des Präsidenten dem Sender anonym mitgeteilt.

Auch Anthony Scaramucci, ihn entließ Trump kürzlich nach nur zehn Tagen als Kommunikationschef, hatte am Sonntag im ABC-Interview angedeutet, dass Bannons Entlassung bevorstehe. "Trump weiß, was er mit Bannon zu tun hat", sagte Scaramucci, der von wichtigen bevorstehenden Personalentscheidungen im Westflügel des Weißen Hauses sprach.

Keiner will mit Bannon arbeiten

Der gefeuerte Kommunikations-Chef beschuldigte Bannon indirekt, für die vielen Leaks aus dem Weißen Haus verantwortlich zu sein – eine Theorie, die auch politische Analysten des Washingtoner Geschehens immer wieder geäußert hatten.

Trump soll ebenfalls davon überzeugt sein, dass Bannon als Maulwurf agiere, berichtete das US-Magazin "Axios".

Herbert Raymond "H. R." McMaster, Trumps Nationaler Sicherheitsberater, wich indes Fragen nach seiner Zusammenarbeit mit Bannon im Gespräch mit dem TV-Sender NBC aus. "Ich arbeite mit vielen talentierten Menschen", kommentierte McMaster.

Beobachter beschreiben seit längerem verschiedene Machtblöcke im Weißen Haus, die mehr gegeneinander als zusammen zu arbeiten scheinen. Und Bannon steht – seit er sich auch mit Trumps Schwiegersohn und Topberater Jared Kushner verkrachte – zunehmend isoliert da. Allein den ebenso rechten Hardliner, Trump-Berater Stephen Miller, weiß Bannon bis zuletzt an seiner Seite.

"Breitbart"-Kampagne gegen McMasters macht Trump rasend

Dafür gewinnen die Generäle im Weißen Haus an Einfluss. Neben Stabschef Kelly, der es explizit auf Bannon abgesehen haben soll, sind das McMaster und Verteidigungsminister James Mattis. Sie gelten als wenig ideologiegetrieben, konservativ, pragmatisch – und konnten sich bisher aus den großen Skandalen heraushalten.

Weil die rechte Nachrichtenseite "Breitbart", die noch immer eng mit Steve Bannon in Kontakt stehen soll, das derzeit offenbar ändern will, ist Trump wütend, berichtet "Axios“ weiter. "Breitbart" hatte McMaster in mehreren Artikeln scharf kritisiert.

Ob Bannon hinter der Kampagne steckt, ist unklar. Sicher ist nur, gestoppt hat er sie nicht.

Nicht wenige glauben deshalb: Schon bald könnte Bannon Trumps Streichquartett um Flynn, Spicer, Scaramucci und Priebus ergänzen.

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(mf)

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