Diese 5 Aussagen im neusten Interview von Merkel zeigen, wie wenig Lust die Union auf Wahlkampf hat

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Diese 5 Aussagen im neusten Interview von Merkel zeigen, wie wenig Lust die Union auf Wahlkampf hat | dpa
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  • Die Kanzlerin hat dem Deutschlandfunk ein Interview zum Wahlkampfstart gegeben
  • Wer es hört, versteht, warum die politische Debatte nicht in Gang kommt

Früher war nicht nur mehr Lametta, früher war auch mehr Wahlkampf.

Diesen Eindruck gewinnt, wer sich dieser Tage Interviews mit dem SPD-Herausforderer Martin Schulz oder der CDU-Kanzlerin Angela Merkel anhört.

Während Schulz am Sonntag im Sommerinterview mit dem ZDF und in der RTL-"Wahlarena" vor allem darauf bedacht war, keine Fehler zu machen (und diese Aufgabe zumindest zur Zufriedenheit seiner Parteikollegen löste), war am Montag Angela Merkel an der Reihe.

Sie gab dem Deutschlandfunk und dem TV-Sender Phoenix ein langes Interview – und lieferte eine Performance ab, bei der man sich fragen kann, ob Merkel überhaupt vorhat, einen echten Wahlkampf zu führen.

Diese 5 Aussagen zeigen, was uns in den kommenden Wochen blüht: gähnende Langeweile.

1. "Ich unterschätze meine Mitbewerber nie. Ich schätze meine Mitbewerber."

Kälter kann man seinen Konkurrenten um das wichtigste politische Amt nicht abfertigen. Noch respektloser war Merkel nur, als sie am Samstag beim Wahlkampfauftakt in Dortmund nach ihrer Rede noch einmal das Mikrofon griff und sagte: "Ich habe ganz vergessen, zu sagen, dass die Wahl nicht entschieden ist und wir jede Stimme brauchen."

So klingt Hohn – auch wenn das wohl nicht einmal die Absicht der Kanzlerin war.

2. "Er ist – wie ich – hocheuropäisch."

Merkel lobte ihren Konkurrenten im Deutschlandfunk dann sogar noch: als hocheuropäisch. Da sei er wie sie. Nicht die Unterschiede zur SPD kehrte sie hier heraus, sondern die Gemeinsamkeiten. Von einer "Ermutigung zu mehr Europa" sprach Merkel und klang damit genauso wie ihr Konkurrent seit Monaten.

Mit etwas bösem Willen könnte man Merkel hier eine perfide Strategie unterstellen. Das tat zuletzt zumindest das US-Magazin "Foreign Policy": Zentral für die Methode Merkel" sei der Weg, wie sie die SPD aus der Mitte der Gesellschaft und des Wahlkampfes dränge, indem sie ihre Ideen absorbiere.

3. "Wir werden uns weiter engagieren müssen."

Die Flüchtlingskrise ist noch nicht gelöst, das erkennt Merkel richtig. Das Problem: Wie auch die restliche Union bleibt Merkel lieber vage, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln, wie es weitergeht.

Dann lieber ein Rückblick: "Wir haben, wenn ich an die Flüchtlingsfrage denke, wenn ich an die Partnerschaft mit Afrika denke, sehr viel unternommen", betonte Merkel.

Auf die Spitze trieb diese Flüchtlings-Lethargie in der Union zuletzt übrigens NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Der ging Schulz an, weil der über Flüchtlinge sprechen wollte. "Egal wie verzweifelt die Umfragelage auch sein mag: Die Not von Flüchtlingen eignet sich nicht für den Wahlkampf", schrieb Laschet bei Twitter. So kann man sich auch vor der Auseinandersetzung drücken.

4. "Die Union führt keine Koalitionswahlkämpfe."

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, das Runde muss ins Eckige, wir denken nur von Spiel zu Spiel, Koalitionsaussagen machen wir erst, wenn es so weit ist. Es gehört zum kleinen Politiker-Ein-mal-Eins und durfte natürlich auch in Merkels Deutschlandfunk-Interview nicht fehlen. Dabei wird die Frage, mit wem die Union bei einem Wahlsieg ab dem September koaliert, gerade immer spannender.

Umfragen haben in den vergangenen Tagen verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt. Für Schwarz-Gelb wird es knapp, ein Jamaika-Experiment könnte eine Überlegung wert. Manche, wie die "Zeit" spekulieren gar, dass es doch noch für Schwarz-Grün reicht.

Oder doch wieder Große Koalition?

5. "Das ist immer eine Abwägungsfrage."

Es gibt viele Fragen, auf die das eine gute Antwort gewesen wäre.

"Pizza Salami oder Pizza Mozzarella"?

"Braune oder schwarze Schuhe zu der grauen Hose?"

"Bestelle ich jetzt wirklich NOCH ein Bier?"

Merkel antwortete so allerdings auf die Frage, wieso sie nicht am Diesel-Gipfel teilgenommen habe, sondern stattdessen im Urlaub war. Ein Vorwurf, dem man ihr bei einer so ernsten Thematik durchaus machen kann, und den Merkel so geschickt wegwischte.

Dann ging sie schnell wieder auf die Sachebene. Der Gipfel sei "ein erster Schritt". "Dem müssen weitere folgen."

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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(ben)

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