China will nun die UN-Sanktionen gegen Nordkorea durchsetzen - in der Praxis könnte das schwierig werden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHINA PORT
China will nun die UN-Sanktionen gegen Nordkorea durchsetzen - in der Praxis könnte das schwierig werden | Aly Song / Reuters
Drucken
  • China erhöht den Druck auf Nordkorea
  • Peking will ab Dienstag kein Eisen und keine Meeresfrüchte mehr aus seinem Nachbarland importieren
  • Allerdings wird es alles andere als leicht, alle Wirtschaftsverbindungen zu kappen

China macht nun Ernst gegenüber seinem Nachbarn.

Peking hat am Montag einen Importstopp für Eisen, Eisenerz und Meeresfrüchte aus Nordkorea verhängt. Schon am Dienstag wird die Einfuhr dieser Produkte ausgesetzt, teilte China mit. Das Land setzt damit den jüngsten Sanktionsbeschluss des UN-Sicherheitsrats um.

Für Pjöngjang ist China der wichtigste Handelspartner, mehr als 80 Prozent des nordkoreanischen Handels fließt über den großen Nachbarn. Allerdings ist fraglich, wie umfangreich der Importstopp tatsächlich umgesetzt werden kann.

"Es wird immer korrupte Grenzbeamte geben"

"Für China wäre es im Prinzip möglich, die bestehenden Sanktionen noch zu erweitern. Das gilt insbesondere für die Lieferungen von Heizöl und flüssigen Kraftstoffen an Nordkorea", erklärte Patrick Köllner bereits am Freitag im Gespräch mit der HuffPost. Er ist Direktor des GIGA-Institut für Asien-Studien unterstreicht.

Allerdings sei das völlige Kappen aller Handelsbeziehungen zum Nachbarn selbst bei gutem Willen der chinesischen Führung nur schwer umzusetzen.

"Es wird immer korrupte Grenzbeamte geben und die Händler werden immer Möglichkeiten finden, ihre Waren zu vertreiben. Sei es nur, dass die Fischer ihren Fang auf der See austauschen", sagte Köllner.

Auch Deutschlandradio-China-Korrespondent Steffen Wurzel hatte im Deutschlandfunk betont, dass es einen großen informellen Sektor in China gebe. "Viele Firmen kochen ihr eigenes Süppchen und haben direkte Beziehungen zur Führung in Nordkorea."

Züge über die Brücke der Freundschaft

Die 1400 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Ländern sei sehr durchlässig. Zwar soll Wurzel zufolge der kleine Grenzverkehr deutlich zurückgegangen sein.

Er berichtet aber: In Dandong, wo fast der gesamte Handel zwischen den beiden Ländern abgewickelt wird, fahren immer noch Züge über die Brücke der Freundschaft.

Vielleicht sind es ab Dienstag deutlich weniger.

Mehr über die Nordkorea-Krise:
Die Welt hält Kim Jong-un für einen irren Diktator - ein Nordkorea-Experte erklärt, warum das ein schwerer Fehler ist
Die machtlose Supermacht: China hat kaum noch Einfluss auf die Entwicklungen in Nordkorea
Was passiert, wenn Kim Atomraketen schickt? Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten
Tödliches Netzwerk: Nordkorea ist keineswegs der isolierte Staat, für den ihn viele halten
Die USA und Nordkorea drohen sich mit Krieg - doch in Südkorea bleiben die Menschen gelassen

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(cho)

Korrektur anregen