Forscher finden heraus, was eine ganze Stadt in Kambodscha schleichend ausgelöscht hat

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  • Archäologen haben bislang unbekannte Ruinen in Angkor entdeckt
  • Diese offenbaren, weshalb das Königreich der Khmer unterging
  • Wieso das auch für unsere moderne Gesellschaft relevant sein kann, seht ihr im Video oben

Die antiken Anlagen von Angkor sind weit über die Grenzen von Kambodscha hinaus bekannt und die Tempel und Stadtanlagen der Khmer ein beliebtes Touristenziel.

Nur die großartigen Tempelanlagen zeugen heute noch vom Reichtum und der Macht des Khmer-Reiches, das vom 9. bis zum 15. Jahrhundert in der Region der heutigen Stadt Siem Reap bestand.

Lange Zeit rätselten Wissenschaftler, weshalb die Zivilisation der Khmer untergehen konnte. Nun haben der Archäologe Damian Evans und sein Team das Geheimnis gelüftet.

Die Antwort liefert der Städtebau der Khmer. Genau die aufwendigen Konstruktionen und die Anlage einer künstlichen Landschaft, die die Menschen lange Zeit schützten, wurde Angkor offenbar zum Verhängnis. Denn das unflexible Ökosystem der Stadtanlagen wurde vom Klimawandel überholt - was schließlich zum Ende des Königreichs der Khmer führte.

Die Städte der Khmer waren lange Zeit unentdeckt

Im Umkreis der zum Weltkulturerbe erklärten Gebäude entdeckten Archäologen Überreste ganzer Städte, die Millionen Menschen beherbergten. Forscher hatten um die Tempelkomplexe stets große Stadtanlagen vermutet, lange Zeit konnten sie diese allerdings nicht ausfindig machen.

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Denn die alten Khmer bauten nur ihre religiösen Bauten sowie Brücken, Straßen und Kanäle aus Stein, während ihre Städte vornehmlich aus Holz, Stroh und Erde bestanden. Deren Überreste verschwanden jedoch völlig unter der wuchernden Vegetation.

Eine neue Technologie liefert Erkenntnisse

Dank einer neuen Technologie konnten Evans und sein Team nun allerdings beweisen, dass bei den berühmten Bauten tatsächlich ganze Städte existierten. So berichten es die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Journal of Archeological Science".

Mithilfe der neuen Lasertechnik Lidar, die Bauten und Anlagen von der Vegetation unterscheiden kann, entdeckten die Archäologen urbane Strukturen, die auf große Stadtkulturen hinweisen.

Steinbrüche zum Bau der riesigen, bis heute bekannten Anlagen sowie Straßen und Kanäle zeichnen ein ganz neues Bild der Kultur der alten Khmer.

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Deren Städte waren perfekt an die klimatischen Gegebenheiten angepasst. Die Häuser der Menschen befanden sich auf eigens errichteten Erdhügeln, die von Kanalsystemen umgeben waren, um so während der Regenzeit die Menschen zu schützen.

Auch kleine Stauseen, Deiche und Wälle aus Erde hielten Hochwasser zurück und garantierten zudem die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser.

Der Klimawandel führte zum Kollaps

Wie die Forscher vermuten, führten gerade die ausgeklügelten Wasseranlagen zum Kollaps der Städte, da sie eine mangelnde Flexibilität mit sich brachten.

Dem rasanten sozioökologischen Wandel vermochten sie sich nicht schnell genug anzupassen - die Kanäle und Anlagen, die die Menschen lange Zeit schützten, wurden ihnen durch veränderte Regenfälle zum Verhängnis.

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Die Stadtanlagen basierten auf einem Ökosystem, das vom Klimawandel überholt wurde. Damit zeigt sich: Nicht, wie lange vermutet, die Kriege mit anderen Zivilisationen zerstörten das Königreich der Khmer, sondern vielmehr die veränderten Klimabedingungen.

Lernen aus der Vergangenheit

Auch in unserer Zeit gefährdet der Klimawandel menschliche Siedlungen. Durch die globale Erwärmung steigt der Meeresspiegel und damit droht ersten Südseeinseln wie etwa Tuvalu und Kiribati und deren Bewohnern innerhalb der nächsten 50 Jahre der Untergang.

Auch der Meeresspiegel der Nordsee steigt seit Mitte des 19. Jahrhundert kontinuierlich an.

Der Untergang des Königreiches Angkor mag weit zurückliegen - doch der Klimawandel hat auf die heutige Menschheit einen ebenso großen Einfluss wie damals. Auch unsere modernen Zivilisationen sind nicht unantastbar - daher ist es an der Zeit, nach Lösungsansätzen zu suchen und den Klimawandel nicht länger abzutun.

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(lk)

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