RTL-"Wahlarena": Als ein 18-jähriger Afghane das Wort ergreift, muss Schulz plötzlich improvisieren

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RTL-Wahlkampfarena: Als ein 18-jähriger Afghane das Wort ergreift, muss Schulz plötzlich improvisieren | dpa
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  • In einer RTL-Sendung hat sich SPD-Chef Schulz den Fragen der Bürger gestellt
  • Auch ein afghanischer Schüler, dem die Abschiebung droht, kam zu Wort
  • Er entlockte Schulz ein Versprechen

"No-Go-Areas darf es in Deutschland nicht geben", sagt SPD-Chef Martin Schulz. Er steht einer älteren Frau in der RTL-"Wahlarena" gegenüber. Und die berichtet Schulz von ihrem Wohnviertel in Leipzig. "Arabische Meile", würden die Menschen die Eisenbahnstraße bereits nennen. Menschen, die auf der offenen Straße mit Drogen dealen, würden hier zum Alltag gehören.

Für Schulz wartet zu Beginn der heißen Wahlkampfphase eine heikle Aufgabe. Er beantwortet bei RTL die strengen Fragen des Publikums – von Normal-Bürgern verschiedenster Hintergründe. Bürgerdialog 2.0: "Ein Town-Hall-Meeting", wie der Sender es nennt.

Schulz beteuert, auch er wolle nicht in einer No-Go-Area wohnen. Und er akzeptiere nicht, dass es solche Gegenden gebe. Die Kriminellen, die dort ihr Unwesen trieben, müssten "richtig eins auf die Mappe kriegen", erklärte Schulz flapsig. Was er damit meint? Das sagt der SPD-Kanzlerkandidat nicht.

Viel Zeit hat er dafür ohnehin nicht. Denn bereits der nächste Fragensteller drängt auf seine wenigen Sekunden Sendezeit.

Bald gerät Schulz in die erste böse Zwickmühle.

Gegenüber einem Bürger will er mit einem harten Abschiebekurs werben – Kriminelle und Gefährder müssten zur Not auch nach Afghanistan zurückgeführt werden, verspricht der SPD-Kandidat. Denn der Fragensteller hat Angst, dass die Integration in vielen Fällen scheitere. Schulz gibt sich tough.

Schulz kündigt an, Seehofer anzurufen

Doch dann ergreift ein afghanischer Schüler das Wort. Er hat die Mittlere Reife gemacht – und soll nun trotzdem abgeschoben werden.

Schulz muss umschwenken. Jemand wie der Schüler, "der eine Bereicherung für unser Land sein könnte", müsse die Möglichkeit haben in Deutschland zu bleiben, findet Schulz. Das scheitere vor allem an den unterschiedlichen Handhaben in den verschiedenen Bundesländern.

Der 18-jährige Afghane lebt in Bayern. Mit dem Bleiberecht wird es für ihn dort schwierig. "Die bayerische Staatsregierung ist der Meinung nein", weiß Schulz. "In Ihrem Fall bin ich gerne bereit, mich mit dem bayerischen Staatspräsidenten in Verbindung zu setzen", verspricht er und bekommt Applaus.

Situation fürs Erste bereinigt.

"Scheiße, das krieg ich den ganzen Tag um die Ohren"

Später wird es für Schulz noch mehrmals ungemütlich. Einem Paar mit Kindern droht, die Wohnung zu verlieren, weil die Mieten explodieren. Schulz beteuert, mit der SPD würde sich das ändern. Er muss aber zugeben, bislang mit der Mietpreisbremse keinen Erfolg gehabt zu haben.

Ohnehin müsse er sich immer wieder anhören, warum die SPD denn nicht verwirklicht habe, was er an sozialen Problemen anprangere. Auch RTL wirft Schulz das in einem kurzen Einspieler vor.

Der reagiert humorvoll: "Scheiße, das krieg ich den ganzen Tag um die Ohren." Doch was der Kanzlerkandidat als Witz abtut, könnte in Wahrheit sein größter Fluch bleiben. Der Anti-Merkel-Wahlkampf will einfach nicht ins Rollen kommen, weil die SPD zu eng mit der Union zusammengearbeitet hat.

Das gesteht auch Schulz - zumindest teilweise: Er könne nicht behaupten, "das ist alles Merkels Schuld".

Vielleicht wird ihn ja die Ehrlichkeit als Tugend auf die Erfolgsspur zurückbringen.

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(mf)

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