Wieder Tumulte in Charlottesville: Demonstranten jagen Organisator der Neonazi-Demo von der Bühne

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CHARLOTTESVILLE
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  • In Charlottesville kommt es wieder zu Ausschreitungen
  • Dieses Mal jagen Gegendemonstranten einen Organisator der Nazidemo von der Bühne
  • Für Trump ist es ein bitteres Wochenende

Die US-Kleinstadt Charlottesville kommt auch am Sonntag nicht zur Ruhe. Nach dem tödlichen Attentat auf Gegendemonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch am Samstag ist es auch einen Tag später wieder zu Tumulten gekommen.

Als einer der Organisatoren der Veranstaltung, Jason Kessler, eine Pressekonferenz halten will, wird er von Gegendemonstranten erst ausgebuht und dann bedrängt. Einige Demonstranten versuchen, den rechten Trump-Anhänger zu schlagen.

Videos zeigen, wie Polizisten den Organisator von der Bühne abführen und in Sicherheit bringen. "Ihr Blut klebt an deinen Händen", rufen Demonstranten in Anspielung auf die Frau, die ein mutmaßlich rechtsextremer Angreifer am Samstag mit seinem Pkw getötet hatte.

Trump steht in der Kritik

Insgesamt wurden in Charlottesville an diesem Wochenende 35 Menschen verletzt, 19 davon bei dem Anschlag mit dem Auto. Die US-Bundespolizei FBI nahm Ermittlungen auf.

Dem Fahrer werden Totschlag, Körperverletzung und Fahrerflucht vorgeworfen. Nach CNN-Angaben wurden am Samstag drei weitere Männer im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen festgenommen. Zwei Polizisten kamen außerdem bei Charlottesville beim Absturz ihres Hubschraubers ums Leben, der die Zusammenstöße aus der Luft beobachtet hatte. Die Absturzursache war zunächst nicht bekannt.

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Ein rechter Demonstrant in Charlottesville

Für Donald Trump wurde die Veranstaltung in Virginia so zu einem Fiasko. US-Medien wie das Magazin "GQ" schrieben, die Rechtsradikalen-Aufmärsche zeigten "das Amerika, das Trump versprochen" habe. Unter ihm sei im Land ein "Gemisch des Hasses" entstanden, das rechte Gewalttäter motiviere, schrieb auch die "Washington Post".

Trump verurteilte zwar die "ungeheuerliche Gewalt" vom Samstag, erwähnte dabei die Kundgebung der Rechtsextremen aber nicht direkt. Stattdessen sprach er pauschal von "Gewalt von vielen Seiten". Dafür hagelte es heftige Kritik. "Mr. President - wir müssen das Böse beim Namen nennen. Dies waren weiße Rassisten und dies war einheimischer Terrorismus", schrieb der republikanische Senator Cory Gardner.

Trump gilt bei vielen der aufmarschierenden "Alt-Right"-Aktivisten als politischer Hoffnungsträger. Bei den Wahlen im November konnte der Republikaner wohl auch durch die Unterstützung von radikalen Gruppen den Sieg über Hillary Clinton erringen.

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An der Kundgebung unter dem Motto "Vereinigt die Rechte" hatten schätzungsweise mehrere Tausend Menschen aus verschiedenen ultrarechten Gruppen teilgenommen, so Angehörige der Alt-Right- Bewegung, Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhänger. Unter ihnen war auch der ehemaliger Ku-Klux-Klan-Führer David Duke.

Duke erklärte, die marschierenden Männer wollten "Trumps Versprechen erfüllen".

Mit Material der dpa.

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(mf)

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